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An diesem Morgen fast menschenleer: Am und im Kölner Hauptbahnhof war es in der Silvesternacht zu Übergriffen vor allem auf Frauen gekommen. An diesem Morgen fast menschenleer: Am und im Kölner Hauptbahnhof war es in der Silvesternacht zu Übergriffen vor allem auf Frauen gekommen.

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht

Äußerst bestürzt

Die Evangelische Kirche in Köln und Region ist "äußerst bestürzt" über die Vorgänge in der Silvesternacht auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs. Das erklärt der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning.

Stadtsuperintendent Rolf Domning Stadtsuperintendent Rolf Domning

"Das sich offenbarende Ausmaß der brutalen und demütigenden Übergriffe gegenüber Frauen und Mädchen ist unfassbar", so der Theologe weiter. "Wir hoffen, dass möglichst viele Täter identifiziert werden, damit sie zur Rechenschaft gezogen werden können."

Sexualisierte Gewalt, ein allgemeines und häufig vorkommendes Phänomen unserer Gesellschaft, sei "aufs Schärfste anzuprangern, nicht nur dann, wenn der Täterkreis offenbar aus arabisch-nordafrikanischen Herkunftsländern stammt".

Der Kölner Stadtsuperintendent betont: "Sexualisierte Gewalt widerspricht in jeglicher Hinsicht biblisch-ethischen Grundpositionen unserer Kirche." Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland, ihr oberstes Leitungsgremium, hatte im Jahr 2000 erklärt: "Gewalt gegen Frauen verletzt Gott selbst. Gewalt gegen Frauen ist Sünde."

Leid nach den Übergriffen an Silvester: Betroffene Frauen und Mädchen ermutigt Domning, gegebenfalls auch Hilfe zu suchen. Dabei verweist er insbesondere auf die Angebote der evangelischen Beratungsstellen. Er hoffe, dass es den Betroffenen möglich ist, die Angebote zum Gespräch wahrzunehmen.

Kontakt für Betroffene: Evangelische Hauptstelle für Familien-und Lebensberatung, Telefon 0211 / 3610-300 und beratung.hauptstelle@ekir.de

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

"Kein Import-Produkt"

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt, erklärt: "Ich finde es ausgesprochen wichtig, dass sexualisierte Gewalt gegen Frauen im öffentlichen, aber auch im privaten Bereich thematisiert wird. Mich wundert aber, dass die Debatte ausgerechnet bei einem Anlass, bei dem die männlichen Täter als Ausländer und Flüchtlinge identifiziert werden, so heftig geführt wird. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist kein Import-Produkt." Insofern könne es nicht genug Menschen geben, die sich für Frauenrechte und gegen Gewalt aussprechen und sich für die Strafverfolgung einsetzen.

"Spießrutenlauf durch Männermassen"

Eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof hat ein interner Polizeibericht das Ausmaß der Gewalt deutlich gemacht. Laut dem Papier eines leitenden Polizisten, aus dem u.a. wdr.de und spiegel.de zitierten, durchliefen Frauen "einen 'Spießrutenlauf' durch die stark alkoholisierten Männermassen". Bislang hat die Polizei 16 Verdächtige ermittelt. Es handle sich um junge Männer, die weitestgehend aus dem nordafrikanischen Raum stammten, teilte die Polizei in Köln mit.

Der interne Polizeibericht offenbart die Überforderung der Einsatzkräfte in der Silvesternacht. Es seien viel zu wenig Beamte eingesetzt worden, heißt es darin. Die Polizei sei bereits bei ihrem Eintreffen von aufgewühlten Passantinnen und Passanten über Schlägereien, Diebstähle und sexuelle Übergriffe auf Frauen informiert worden. Das widerspricht der offiziellen Darstellung, das Ausmaß der Gewalt sei erst im Laufe des Neujahrstages klar geworden und Opfer hätten erst nach Mitternacht von sexuellen Übergriffen berichtet.

Sexualstraftaten, Körperverletzung, Diebstahl

Bis dato wurden 121 Anzeigen von Opfern erstattet. In drei Vierteln der Fälle gehe es um Sexualstraftaten, teilweise verknüpft mit Diebstahl, teilte die Polizei mit. Die übrigen Strafanzeigen beziehen sich auf Körperverletzung und Diebstahl. Bisher seien "zwei Vergewaltigungen im juristischen Sinne angezeigt worden", sagte eine Polizeisprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mittlerweile wurden Übergriffe auch in anderen Städten bekannt, darunter Düsseldorf.

Politisch wird über schärfere Regelen für die Ausweisung von Asylbewerbern diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an zu prüfen, ob bei Ausweisungen bereits alles getan werde, was notwendig ist, "um hier auch klare Zeichen zu setzen". Bundesjustizminister Heiko Maas erklärte, dass er eine Ausweisung von Asylbewerbern nach Taten wie in Köln für möglich hält. "Wer glaubt, sich bei uns über Recht und Gesetz stellen zu können, der muss bestraft werden - völlig egal woher er kommt", sagte Maas.

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ekir.de, epd, Anna Neumann, Jürgen Schulzki, Sergej Lepke / 08.01.2016



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