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Schwerpunktthema Seelsorge in Köln: Dr. Dorit Felsch (v.l.), Superintendentin Andrea Vogel, Stadtsuperintendent Rolf Domning, Pfarrer Holger Reiprich und Pfarrer Sebastian Baer-Henney. Schwerpunktthema Seelsorge in Köln: Dr. Dorit Felsch (v.l.), Superintendentin Andrea Vogel, Stadtsuperintendent Rolf Domning, Pfarrer Holger Reiprich und Pfarrer Sebastian Baer-Henney.

Köln

Seelsorge in der Krise, Seelsorge als Gemeindeform

Seelsorge, die "Muttersprache der Kirche", war Thema beim Frühjahrsgespräch des Kölner Stadtsuperintendenten im Haus der Evangelischen Kirche. Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten waren der Einladung von Rolf Domning ins Refektorium gefolgt, dem ehemaligen Speisesaal der Kartäusermönche.

Und dort erinnerte Stadtsuperintendent Domning an den ehemaligen Mönch Martin Luther. Auch ihm sei die "Sorge um die Seele" ein wichtiges Anliegen gewesen. Der Reformator mahnte, den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen. Die Bandbreite seelsorglicher Aufgaben und Angebote machten weitere Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirche in Köln deutlich.

Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, in der Runde der vier Kölner Superintendenten zuständig für das Thema Seelsorge, erklärte: "Die Seelsorge wird in Zeiten, in denen die Ängste der Menschen zunehmen, immer wichtiger. Sie wird auch trotz aller Kritik an der Kirche sehr geschätzt. Seelsorge erwartet man von uns." So sei die evangelische Kirche mit zwölf Pfarrstellen in der Krankenhausseelsorge in Köln und Region sehr gut aufgestellt.

Auch in der Seelsorge Ehrenamtliche

In der Seelsorge sollen in Zukunft neben den Pfarrerinnen und Pfarrern auch Laien tätig sein. "Wir haben in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein lange Tradition mit Laien in Führungspositionen", sagte Vogel. "Bis 2030 wird im Bereich unserer Landeskirche die Zahl der Pfarrstellen halbiert", ergänzte Domning: "Wir brauchen die Ehrenamtlichen."

Eine Arbeitsgruppe im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region befasst sich seit einem Jahr mit einem Schulungsprojekt für Ehrenamtliche. In einem ersten Bildungsmodul mit einem Umfang von 50 Stunden wird Grundsätzliches erörtert, zum Beispiel kommunikative Kompetenz im Besuchsdienst. Vertieft wird das Gelernte in einem zweiten Bildungsmodul mit 100 Stunden. Die Teilnehmenden erwerben dort die sogenannte Feldkompetenz. Dort konzentrieren sie sich auf Bereiche wie etwa Notfallseelsorge, gehen auch in die Praxis, auch um zu erkunden, was ihnen jeweils persönlich liegt.

Fortbildungen bewirken Qualität

Pfarrer Holger Reiprich, Feuerwehr- und Notfallseelsorger, nannte ein praktisches Beispiel: "Ist man bereit für eine Aussegung in einem Haus, in dem gerade jemand gestorben ist?" Die Vorbereitungen für einen Kurs im ersten Bildungsmodul sind in vollem Gange. Alle Gemeinden wurden nach ihrer Meinung und ihrem Interesse gefragt. Der Rücklauf war fast ausschließlich positiv. Domning: "Wir wollen den Ehrenamtlichen mit dieser Fortbildung Sicherheit geben. Viele Ehrenamtliche wünschen sich diese Form der Qualifizierung."

Ausbildung wird in der Notfallseelsorge längst praktiziert, ebenfalls in der Telefonseelsorge. "Wir praktizieren die Seelsorge im Verborgenen. Wir sind sozusagen das Nachtgesicht der Kirche", sagte Dr. Dorit Felsch, die Leiterin der Evangelischen Telefonseelsorge. Die Ausbildung der Ehrenamtlichen dauert ein Jahr. Supervisonen und Fortbildungen werden in der Telefonseelsorge laufend angeboten.

"Aus Worten können Wege werden"

Bei der Telefonseelsorge, die rund um die Uhr erreichbar ist, gingen pro Jahr 20.000 Anrufe ein. 70 Ehrenamtliche leisten Dienste. Die Tätigkeit erfordere die Bereitschaft, Zeit aufzuwenden, und die Fähigkeit auszuhalten, dass man nicht aktiv eingreifen kann. "Niemand weiß, wie es nach dem Telefonat bei dem Anrufenden weiter gegangen ist." Klar sind aber Ziel und Hoffnung im Blick auf die Gespräche: "Aus Worten können Wege werden."

In der Notfallseelsorge, so Reiprich, tun in der Stadt Köln, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Rheinisch-Bergischen Kreis jeweils 20 Menschen ihren Dienst. "Zwei Drittel Hauptamtliche, ein Drittel Ehrenamtliche", sagte Reiprich, der die Bereitschaftsdienste koordiniert und selbst welche übernimmt. Notfallseelsorge ist die seelsorgliche Begleitung von Notfallopfern, Angehörigen und Hinterbliebenen bei Feuerwehr-, Rettungsdienst-, Polizei- und Katastrophenschutzeinsätzen, fasst Reiprich zusammen. "Wir sind da und halten das Unfassbare mit aus."

Kirche relevant machen

Eine völlig andere Art der Seelsorge betreibt Pfarrer Sebastian Baer-Henney. Zusammen mit der Gemeindepädagogin Miriam Hoffmann hat er 2015 im Kölner Stadtteil Mülheim das Projekt "Die Beymeister" ins Leben gerufen. Beymeister waren im Mittelalter die Meister der Handwerker-Gilden, die sich gegenseitig halfen und dabei völlig gleichberechtigt handelten. Innovation In Mülheim: "Wir haben ein rotes Sofa gekauft und uns mit dahin gesetzt, wo die Leute sind: an den Rhein", berichtete Baer-Henney.

Mittlerweile haben die Beymeister ein Ladenlokal gemietet. Dort kann man Kaffee oder ein Feierabendbier trinken. "Wir ermöglichen den Menschen, Gemeinschaft vor Ort zu erfahren." Zur "aufsuchenden" Seelsorge gehört in Mülheim aber auch mal ein Abendgebet in einer Kneipe. Über allem steht das Bemühen, so Baer-Henney, "Kirche für die Leute relevant werden zu lassen".

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ekir.de / kirche-koeln.de / Stefan Rahmann / 09.06.2017



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