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Trinitatiskirche Köln. Foto: kirche-koeln.de / Prof. Heinz Wedewardt Trinitatiskirche Köln. Foto: kirche-koeln.de / Prof. Heinz Wedewardt

500 Jahre Evangelische in Köln

„Wer keinen Blumenschmuck bereit hält, lebt gefährlich“

Fast 300 Jahre lang waren sie eine Minderheit: die Evangelischen in Köln. Anfangs verfolgt, später immerhin geduldet. Erst nach 1802 konnten sie auch öffentlich Gottesdienste feiern in der Domstadt. Auf ein halbes Jahrtausend Protestantismus in Köln blickt Pfarrer i.R. Klaus Schmidt in seinem nun erschienenen Buch. 


Klaus Schmidt. Foto ekir.de-Archiv Klaus Schmidt. Foto ekir.de-Archiv

„Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahre Protestanten in Köln“ lautet der Titel des Werks, das der langjährige Berufsschul- und Studentenpfarrer, Historiker und Autor Schmidt soeben im LIT Verlag veröffentlicht hat und dessen Erscheinen die rheinische Kirche gefördert hat. Darin beschreibt er nicht nur die großen Entwicklungen, sondern lenkt den Blick immer wieder auf einzelne Protagonisten und Schicksale.

„Im Erzbistum wurde strengstens auf Einhaltung der katholischen Lehre geachtet“, schreibt Schmidt über die Anfangsjahre nach der Reformation. „Wer nicht am katholischen Gottesdienst teilnimmt oder bei Prozessionen keinen Blumenschmuck bereit hält, lebt gefährlich“, heißt es weiter. Protestantinnen und Protestanten waren nicht nur in der Minderheit, sie wurden verfolgt, als Ketzer verbrannt oder zumindest aus der Stadt gewiesen.

Dennoch: Mit der Zeit bildeten sich „heimliche Gemeinden“.Auch vor den Toren der Stadt wuchs die protestantische Bewegung. Orte wie Mülheim, Bedburg oder Bergisch Gladbach gehörten zu weltlichen Herzogtümern, in denen die Reformation schon im 16. Jahrhundert Fuß fassen konnte.

Preußen-Herrschaft verhilft Protestanten zu Aufstieg

Doch in Köln konnten die Evangelischen erst ab 1802 - dank der französischen Herrschaft - öffentlich Gottesdienst feiern. „Als dann die protestantischen Preußen von 1815 bis 1918 im Rheinland regierten, wuchs die Zahl der evangelischen Christinnen und Christen im Großraum Köln stetig an“, schreibt Schmidt. Nicht nur das: Die Preußen-Herrschaft verhilft ihnen zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstieg, sie bekommen sogar einen „protestantischen Dom“ – die Kölner Trinitatiskirche in der Nähe des Heumarktes.

Nach 1933 sind die Evangelischen in der Domstadt ebenso wie im restlichen Deutschland überwiegend nazifiziert. „Dem pazifistischen Außenseiter und religiösen Sozialisten Pfarrer Fritze wird das Leben schwer gemacht, im evangelischen Krankenhaus wird zwangssterilisiert, und Julio Goslar, evangelischer Kirchenmusiker jüdischer Herkunft, wird drohender Vernichtung preisgegeben“, nennt Klaus Schmidt in seinem Buch Beispiele.

Kirchen-Kabarett "Klüngelbeutel" und "Prot´s-Sitzung"

Nach 1945 sind die Protestantinnen und Protestanten in und rund um Köln eher sozial-liberal. Ab 1968 wachsen unter dem Einfluss der Theologin Dorothee Sölle und des Kölner „Politischen Nachtgebets“ linke Strömungen. Autor Klaus Schmidt schildert selbstkritische Annäherungen der evangelischen Christinnen und Christen an das Judentum, erfolgreiche - teils ökumenische - Sozial-Projekte und Kirchen-Kabarett: den „Klüngelbeutel“ und die „Prot´s-Sitzung“. Ein Kapitel ist Hanns Dieter Hüsch gewidmet, überschrieben mit „großer Poet der kleinen Leute“.

Schmidt selbst wünscht sich eine Kirche, die sich solidarisch mit den kleinen Leuten, der Arbeiterschaft fühlt. Der 1935 geborene Pfarrer im Ruhestand war Menschenrechtsaktivist, arbeitet noch immer in der Friedensbewegung und hat Bücher über Köln und die rheinische Demokratiebewegung verfasst.

Klaus Schmidt, „Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahre Protestanten in Köln“, Kirchengeschichte regional, Band 6, LIT Verlag, 19,90 Euro

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ekir.de / sto / 21.06.2016



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