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Etwa 800 Familien, fast alles Vertriebene, leben in einem Slum in Südkolumbien: Etwa sieben Millionen Kolumbianer mussten während des mehr als 50-jährigen Krieges zwischen Regierung, Guerillagruppen und rechtsextremen Paramilitärs fliehen. Nirgendwo auf d Etwa 800 Familien, fast alles Vertriebene, leben in einem Slum in Südkolumbien: Etwa sieben Millionen Kolumbianer mussten während des mehr als 50-jährigen Krieges zwischen Regierung, Guerillagruppen und rechtsextremen Paramilitärs fliehen.

Neuer Friedensvertrag in Kolumbien

Lernen, was friedensförderlich ist

Gute Nachricht aus Kolumbien: Regierung und FARC haben sich auf einen neuen Friedensvertrag geeinigt - nach mehr als einem halben Jahrhundert Konflikt, in dem Hunderttausende ihr Leben ließen, Millionen flohen; und nach einem gescheiterten Referendum über das Friedensabkommen von Regierung und FARC-Guerilla.

Der neue Vertrag komme zur rechten Zeit und das Beispiel Kolumbiens ermutige, sagt Kirchenleitungsmitglied Eva Hoffmann von Zedlitz. Die Juristin, die das Land aus familiären Gründen kennt, möchte das Augenmerk auf den kolumbianischen Friedensprozess lenken, um für andere Konfliktregionen daraus zu lernen.

Hoffmann von Zedlitz freut sich über die neue Etappe auf dem Weg, den das südamerikanische Land nun eingeschlagen hat. Der Anfang Oktober gescheiterte Volksentscheid sei unselige und unglücklich gewesen. Nicht, weil Völker nicht mitreden sollen, sondern weil ein solcher Vertrag Teil eines Weg sei, „kein Ende“. Ihn zum Gegenstand einer Abstimmung zu machen, sei nicht hilfreich und auch nicht erforderlich gewesen.

„In dieser fragilen Situation verhärtet ein Abstimmungsverfahren Positionen, statt Wege zu eröffnen.“ Dass die Regierung sich auf den Weg machen soll, dafür habe Präsident Juan Manuel Santos mit der letzten Wahl ausdrücklich ein Mandat bekommen.

Ziel ist ein Gerechter Friede

Landeskirchenrätin Christine Busch, zuständige Theologin u.a. für die Themen des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, teilt die Hoffnung auf eine positive Lösung in Kolumbien: "Ich begrüße den Friedensprozesss und dass es jetzt einen Vertrag gibt." Generell erinnert sie an die christliche Friedensethik mit ihrem Ziel des Gerechten Friedens. Verträge dienten hierbei als Mittel zum Zweck. Gerechter Friede sei als dynamischer, partizipativer Prozess zu gestalten und solle in umfassendem Sinn das Gleichgewicht des Lebens verwirklichen. Sie wünscht sich, dass das Volk nun auf dem weiteren Weg mitgenommen werde.

Laut „tagesschau.de“ ist der neue kolumbianische Friedensvertrag ein veränderter und präzisierter Text. In ihm seien Vorschläge verschiedener gesellschaftlicher Gruppen aufgenommen worden. Eine Rolle habe auch die Frage gespielt, wie viele Zugeständnisse an die bisherigen FARC-Rebellen gemacht werden dürfen. Der neue Vertrag werde dem Kongress vorgelegt.

„Friede ist möglich – durch Verhandlungen“, lautet das Fazit von Eva Hoffmann von Zedlitz, deren Interesse in der Frage liegt, welche Bedingungen friedensförderlich sind. Dabei helfe das sog. Havard-Konzept, das auf Erfolgsbedingungen schaue. Welche Verhandlungen führen zu positiven Ergebnissen?

Was lässt sich generalisieren?

Für Hoffmann von Zedlitz sind „Positionen“ nicht friedensförderlich, aber „Interessen“ sind zu bedenken. Deshalb müssten in Konflikten die verschiedenen Interessen ausgelotet und mögliche Schnittmengen identifiziert werden. Und um für andere Konflikte zu lernen, müsse analysiert werden, was sich generalisieren lässt.

In Kolumbien haben zwar rheinische Gemeinden und Kirchenkreise keine Partnerschaften, aber durch „Brot für die Welt“ Verbindungen. Zu den Themen im kolumbianischen Friedensprozess gehören u.a. Wiedergutmachung für Opfer des Konflikts, Entwaffnung und Schaffung legaler Lebensgrundlagen für ehemalige Rebellen sowie der Kampf gegen Drogenhandel.

Wie Friede geschaffen und erhalten werden kann, ist Thema der Ökumenischen Friedensdekade, die noch bis 16. November läuft.

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ekir.de / neu; epd-bild/Natalia Matter / 14.11.2016



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