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Der Schulchor der Förderschule probt für den Konfirmationsgottesdienst. Der Schulchor der Förderschule probt für den Konfirmationsgottesdienst.

Konfirmation von zwölf Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und geistigen Behinderungen

"Ganz schön aufgeregt"

„Förderschule körperliche und motorische Entwicklung“ im saarländischen Püttlingen: Der Schulchor probt im großen Saal die Lieder für den Schulgottesdienst und die Konfirmationsfeier. „Du hast uns gerufen Herr, und darum sind wir hier“, singen die Kinder.

Zwölf der Schülerinnen und Schüler mit körperlichen und geistigen Behinderungen werden am kommenden Sonntag in der evangelischen Martinskirche in Püttlingen-Köllerbach konfirmiert. Eine Premiere.

Der Pfarrer der Martinskirche, Joachim Conrad, hat die besondere Konfirmandengruppe betreut. Mit einem Team von drei Pädagogen der Schule gestaltete er den kirchlichen Unterricht für die 11- bis 17-jährigen Jugendlichen, die aus vielen Teilen des Saarlandes täglich in die Förderschule in Püttlingen kommen. Damit Kinder bereits mit 11 statt wie gewohnt mit 14 Jahren zur Konfirmation gehen können, holte er bei den zuständigen Superintendenten eine Ausnahmegenehmigung ein. 

Für jeden Konfirmanden einen Fisch mit Namen: Stolz zeigt Leon (sitzend 2.v.l.) das Plakat, das die Gruppe im Konfirmandenunterricht gebastelt hat, hinten v.l. Lehrerin Dr. Rita Beyer, Lehrer Michael Reuter, Pfarrer Conrad und Schulleiter Mittmann. Für jeden Konfirmanden einen Fisch mit Namen: Stolz zeigt Leon (sitzend 2.v.l.) das Plakat, das die Gruppe im Konfirmandenunterricht gebastelt hat, hinten v.l. Lehrerin Dr. Rita Beyer, Lehrer Michael Reuter, Pfarrer Conrad und Schulleiter Mittmann. Bild-Download

Fest mit der ganzen Familie

„Der Unterricht war gut“, berichtet Marc aus Dillingen. Leon rutscht aus seinem Stuhl hin und her, ergänzt: „Wir haben von Jesus gesprochen, vom Abendmahl und von den sieben Tagen, in denen Gott die Welt erschaffen hat.“ Der Elfjährige aus Dorf im Warndt freut sich schon auf seine Konfirmation, auch wenn er „ganz schön aufgeregt“ ist. Es werde danach ein Fest für ihn mit der ganzen Familie und seiner Patin geben, erzählt er stolz.

Insgesamt 147 Kinder werden an der Förderschule unterrichtet, etwa zwanzig sind evangelisch getauft. „Einige Eltern kamen auf uns zu mit dem Wunsch, ihren Kindern die Konfirmation im schulischen Rahmen zu ermöglichen“, berichtet Schulleiter Christoph Mittmann. Die Anbindung an ihre Heimatkirchengemeinden gelinge für die oft mehrfach schwerstbehinderten Kinder nicht immer. Der Konfirmandenunterricht in der Schule war deshalb eine willkommene Alternative.

Zu der Gruppe gehörten Kinder mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Das stellte Pfarrer Conrad vor einige Herausforderungen. „Manche lesen selbständig aus der Bibel vor, andere dagegen können sich aufgrund ihrer Behinderungen kaum artikulieren“, beschreibt er. „Aber wir haben sie alle mitgenommen.“

Wasser fühlen, Erde berühren

Alle 14 Tage gab es für eine Stunde kirchlichen Unterricht. Mithilfe des Lehrerteams wurden die klassischen Lerninhalte für Konfirmandinnen und Konfirmanden durchgenommen und auf das jeweilige Lernniveau der Kinder heruntergebrochen - von den Zehn Geboten bis zum Vaterunser. So konnten beim Thema Schöpfung zum Beispiel die schwerstbehinderten Kinder in einem Topf Wasser erfühlen, Erde berühren und den Wind aus einem Fön spüren. „Ohne die Unterstützung der Fachlehrer wäre der Konfirmandenunterricht so nicht möglich gewesen“, lobt Conrad die gute Zusammenarbeit mit der Schule.

Die meisten Konfis werden am Sonntag mit dem Rollstuhl vor den Altar in der Martinskirche rollen. Den Konfirmationsgottesdienst haben sie selbst mit vorbereitet. Neben den eingeübten Liedern werden sie auch Texte vortragen. „Ich lese eine Fürbitte vor“, sagt Marc. „Leon auch.“ Für alle ist es ein großer Tag, auf den sie sich freuen. Jedes Kind bekommt eine Kerze mit seinem Namen, seinen Konfirmationsspruch und ein handbemaltes Kreuz zum Umhängen.

Pfarrer Conrad hat seine ungewöhnliche Konfi-Gruppe viel Freude gemacht. Zum Abschluss des Unterrichts lud er deshalb alle in eine Pizzeria ein. „Eines der Kinder, das kaum sprechen kann, ergriff während des Essens plötzlich meine Hand und streichelte sie“, erzählt er. „Gibt es einen schöneren Sympathiebeweis?“ 

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ekir.de / Ulrike Klös, Fotos: Thomas Seeber / 17.07.2015



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