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Nachdem sie von dem Geist von Pfingsten gehört haben, basteln die Konfistarter Wasserraketen im Repaircafé. Bibelische Inhalte und Spaß: Nachdem sie von dem Geist von Pfingsten gehört haben, basteln die Konfi-Starter Wasserraketen im Repaircafé.

Konfirmationsunterricht

Neue Wege mit Konfis

Kinder an die Kirche binden, solange ihr Interesse an religiösen Inhalten noch stark ist – das ist die Grundidee beim „Konfi-Starter“- Programm der Emmaus-Kirche in Aachen. Ein Jahr lang lernen Achtjährige ihre Gemeinde kennen und sammeln positive Erfahrungen, bevor sie vier Jahre später mit dem Konfirmandenunterricht beginnen.

„Wow“, entfährt es Justus und Justin lachend. Die beiden Neunjährigen haben gerade eine Rakete abgefeuert, obwohl gar kein Feuer im Spiel war. Auch Viktoria schaut mit einer Mischung aus Verwunderung und Stolz dem fliegenden Objekt hinterher. Immerhin hat sie die Rakete gebaut, die mit Wasser und komprimierter Luft dank des Rückstoßprinzips abhebt.

Damit gerechnet, dass ihre Wasserrakete bis auf Dachhöhe des mehrstöckigen Nachbarhauses fliegt, hat sie aber wohl nicht. Die drei sind Teil der zehnköpfigen „Konfi-Starter“-Gruppe in der Aachener Emmaus-Kirche und haben die Himmelsstürmer in einer ihrer Gruppenstunden am Sonntag gebastelt, nachdem sie vom Geist von Pfingsten gehört haben.

Mit dem einjährigen „Konfi-Starter“-Programm geht die Emmaus-Kirche in dem Aachener Stadtteil Forst neue Wege, um Kinder und Familien in der Gemeinde zu beheimaten. „Kinder zwischen acht und zehn Jahren sind noch stark an religiösen Fragen interessiert. Das zieht auch die Familien mit“, erläutert Monica Schreiber, Pfarrerin der Emmaus-Kirche, die Idee. „Wenn sie aber bis zwölf keine Erfahrung mit Kirche gemacht haben, fragen sie sich, warum sie zur Konfirmation gehen sollen.“

Erste Erfahrungen mit den Konfi-Startern machen Mut

In den vergangenen Jahren kamen im Schnitt zehn Jugendliche zum wöchentlichen Konfirmandenunterricht in das an Wiesen grenzende Gemeindehaus in dem sonst dicht besiedelten Stadtteil – mit starken Schwankungen. Mal waren es 15, im nächsten Jahrgang nur fünf. „Der Konfirmandenunterricht hat stark an Stellenwert verloren“, macht sich Schreiber keine Illusionen.

Die ersten Erfahrungen mit den „Konfi-Startern“ machen ihr indes Mut. Nach einigen Erzähl- und Spielstunden am Sonntag parallel zum Gottesdienst sowie spannenden Familienaktionen wie einem Besuch im Tierpark zum Thema Schöpfung oder eine Kirchenrallye scheinen sich Kinder und Eltern selbstverständlicher zum Gemeindeleben dazugehörig zu fühlen. „Die Familiengottesdienste werden gut angenommen, sie bleiben gern beim Kirchenkaffee, einige kommen in den Familienkreis oder besuchen andere Angebote für Kinder. Und die Kinder haben auch schon einige Gemeindeglieder aus anderen Gruppen kennengelernt“, berichtet Schreiber.

Wie Cord Elias. Der Ehrenamtliche leitet in der Gemeinde das Repaircafé, in dem versierte Hobbyhandwerker andere Gemeindeglieder bei kleineren Reparaturen anleiten. An diesem Sonntag baut er mit den „Konfi-Startern“ die Wasserraketen. Mit seiner Hilfe sägen sie mit der Bandsäge Boden und Hals von Kunststoffflaschen ab und verkleben beides mit einer weiteren Flasche zu eben jenen Wasserraketen, die anschließend die Hausdächer und Baumkronen der Umgebung erkunden. Erleben von Selbstwirksamkeit nennt man das wohl im pädagogischen Fachjargon. Die Kinder nennen es Spaß. Alle sind mit Feuereifer dabei.

Der ökumenische Ansatz ist besonders

Andere Gruppen der Gemeinde kennenlernen – das ist ein Teil des Konzepts der „Konfi-Starter“. Das können die Senioren ebenso sein wie die Familien der katholischen Nachbargemeinde St. Katharina. Denn das Projekt ist ökumenisch aufgestellt. Die „Konfi-Starter“ und die Erstkommunionkinder treffen sich in ihrer zeitgleichen Vorbereitungszeit immer mal wieder zu gemeinsamen Aktionen. Zum Beispiel zu einer Sonnenaufgangswanderung zusammen mit ihren Eltern. „Die ursprüngliche Idee der Konfi-Starter kommt aus der Hannoverschen Landeskirche. Dort gibt es dieses Modell fast flächendeckend. Aber unser ökumenischer Ansatz ist vielleicht doch besonders“, glaubt Schreiber.

Ohnehin sind die beiden Gemeinden seit gut einem Jahr enger zusammengerückt – die Katholiken feiern in der Emmaus-Kirche regelmäßig ihre Messen, weil ihre eigene Kirche marode ist. Da sei es naheliegend gewesen, auch die Kinder zusammen zu bringen. Sie kennen sich ohnehin aus der Schule oder der Nachbarschaft. „Hier im überwiegend katholischen Aachen fragen sich die evangelischen Kinder schon, warum für sie nichts angeboten wird, während ihre katholischen Freunde zur Erstkommunionvorbereitung gehen“, nennt Schreiber einen weiteren guten Grund, einen Teil der Konfirmandenzeit einige Jahre vorzuverlegen.

Die Konfirmation aber natürlich nicht. Die jetzigen „Konfi-Starter“ werden in vier Jahren wieder eingeladen, zum zweiten Teil des Konfirmandenunterrichts zu kommen. Die Einladung wird sie in einem Umschlag erreichen, den sie jetzt mit Bildern von positiven Erinnerungen aus der „Konfi-Starter“-Zeit gestalten. „Hoffentlich erinnern sie sich an eine gute Zeit“, hofft Schreiber.

In jedem Fall eine gute Zeit

Eine Wasserrakete könnte also auf dem Umschlag zu sehen sein. Vielleicht aber auch ein breit grinsendes oder scheu um die Ecke guckendes Monster. Die Erzählstunde am Sonntag beginnt nämlich immer so: Nachdem die Kinder nach dem ersten Lied mit einer Kerze aus dem Gemeindegottesdienst gezogen sind, hocken sie sich mit den drei Ehrenamtlichen Rike Odrian, Jamaina Frank und Gunda Lochau-Schwake auf die Erde um eine Kerze und berichten erst mal mit Hilfe von Monster-Bildern, wie es ihnen geht. Julius sucht sich ein fröhliches aus, Viktoria ein schüchternes. Beide lieben gerade dieses wiederkehrende Ritual. „Ich mag es zu zeigen, wie es mir geht“, sagt Viktoria. „Es ist gut zu wissen, wie sich die anderen fühlen“, findet Julius.

Danach gibt es eine biblische Geschichte, mal ein Spiel, mal ein Bastelangebot oder ein gemeinsamer Snack. In jedem Fall eine gute Zeit, wie die Kinder einhellig versichern. Damit ist das wichtigste Ziel der „Konfi-Starter“ bereits im ersten Jahr erreicht: Sie erleben Kirche als einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen und den sie mitgestalten können. Sie erleben die Emmaus-Kirche als ihre Kirche.

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ekir.de / Rauke Bornefeld / Fotos: Andreas Schmitter / 18.05.2017



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