EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Waren auf der Tagung zur Konfirmandenarbeit: (von links) Kai Steffen, Dr. Stefan Drubel, Dr. Ute Sparschuh und Georg Hardecker. Berieten über Konfirmandenarbeit: (von links) Georg Hardecker, Dr. Stefan Drubel, Dr. Ute Sparschuh und Kai Steffen.

Konfi-Studie

Konfirmanden sind ein wichtiges Potenzial

Jährlich werden in Deutschland eine Viertelmillion Jugendliche konfirmiert. Eine Tagung in Bonn stellte die Ergebnisse der neuesten Studie zu Konfirmandenarbeit vor. Nicht alle sind erfreulich, auch wenn die Konfi-Arbeit insgesamt positiv bewertet wird. 

Es wird die in der Konfirmandenarbeit Engagierten nicht alles gefreut haben, was sie bei dieser gut besuchten Tagung im Bonner Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) zu hören bekamen. Der Religionspädagoge Georg Hardecker war von der Universität Tübingen angereist, um ihnen „als Sehhilfe“ den Teil der „Zweiten bundesweiten und internationalen Studie zur Konfirmandenarbeit“ von 2015 vorzustellen, der die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) betrifft.

„Wir versprechen uns von den Ergebnissen Erkenntnisgewinn. Wir wollen wissen, wohin die heutigen Jugendlichen sich bewegen“, hatte Dr. Stefan Drubel, Kirchenrat für Außerschulische Bildung, in der Begrüßung gesagt. Man wolle für die künftige Konfirmandenarbeit, aber auch für die Jugendarbeit von den Anregungen profitieren, also schauen, was man in die praktische Arbeit mit aufnehmen könne.  

Konfi-Unterricht stärkt den Glauben  

Erst einmal beleuchtete Hardecker, wie die in der Studie befragten 650 Jugendlichen der rheinischen Kirche ihr Verhältnis zum Glauben beschreiben. Die große Mehrheit der heutigen rheinischen Konfirmandinnen und Konfirmanden käme ihrer Selbsteinschätzung nach nicht aus einem religiösen Elternhaus. Nur ein Drittel sei noch mit dem Sprechen eines Abendgebets vertraut. Nur die Hälfte habe vor dem Konfirmandenunterricht überhaupt noch Kontakt zur Gemeinde gepflegt, erläuterte Hardecker. Immerhin 56 Prozent der rheinischen Konfirmierten hätten gegen Ende ihres Kurses einen glaubensstärkenden Effekt der Arbeit bezeugt. Gestiegen sei zur vorhergehenden ersten Studie zur Konfirmandenarbeit die Hoffnung, der Glaube helfe besonders in schwierigen Lebenssituationen.  

Jugendliche besser kennenlernen  

Andererseits hätten die jungen Leute aber die Frage, ob der Unterricht ihnen die wichtigsten Glaubensfragen schlüssig erkläre, nur mit deprimierend knappen 50 Prozent bejaht, so Hardecker. „Viele empfinden gerade die Evolutionstheorie als Konkurrenz zur biblischen Schöpfung und wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Die Diskrepanz müsste im Konfirmandenunterricht dringend besser thematisiert werden“, forderte Hardecker.

Nur 41 Prozent der Konfirmandinnen und Konfirmanden im Rheinland bescheinigten den kirchlichen Mitarbeitern, die für sie wichtigen Glaubensfragen überhaupt zur Sprache gebracht zu haben – 85 Prozent der Mitarbeiter wiederum hatten das in der Studie als sicher angenommen. Hardeckers Vorschlag an die in der Konfi-Arbeit Tätigen laute deshalb, das Gespür für heutige junge Leute unbedingt zu stärken, sie intensiver kennenzulernen, indem man etwa die obligatorische Freizeit an den Anfang des Unterrichts stelle. 

Der Gottesdienst gilt zumindest als Treffpunkt  

Mit dem Verhältnis zum Gottesdienst sei es auch bei den rheinischen Konfirmandinnen und Konfirmanden schlecht bestellt, führte Hardecker anhand von Zahlen aus. Nur 29 Prozent wollten überhaupt eine Predigt hören. Nur 40 Prozent wollten in der Kirche beten. 46 Prozent meinten, Gottesdienste seien per se langweilig. Aber 53 Prozent hofften, dort zumindest nette Leute, also ihre Freunde, zu treffen. Während wiederum 93 Prozent der kirchlichen Mitarbeiter im Rheinland davon ausgingen, sie hätten ihren Konfirmierten jugendgemäße Gottesdienste geboten, hatten ihnen gerade mal 48 Prozent der Jugendlichen das auch attestiert. „Beteiligen Sie die Konfirmandinnen und Konfirmanden mehr. Geben Sie ihnen einen geschützten Raum, selbst liturgisch handeln zu können“, riet Georg Hardecker.  

Kirche und Konfi-Arbeit werden insgesamt positiv bewertet  

Ihr Verhältnis zur Konfirmandenarbeit bewerteten drei Viertel der Jugendlichen trotzdem insgesamt als positiv, verwies der Referent schließlich auf erfreuliche Zahlen. Sie hätten von einer „guten Gemeinschaft“ profitiert, aber wünschten sich vielfältigere Unterrichtsformen. „Es ist also bestimmt zielführend, wenn Sie ganz zu Beginn des Kurses einen Tag nur für konzeptionelle Fragen freihalten“, riet Hardecker. Ihr Verhältnis zur evangelischen Kirche generell hätten die befragten rheinischen Jugendlichen ebenso als gut geschildert. 84 Prozent wollten ihre Kinder später ebenfalls taufen lassen. 46 Prozent schätzten es gegen Ende des Konfirmandenunterrichts als wichtig ein, Teil gerade dieser Kirche zu sein. Zu Anfang des Unterrichts hatten das nur 39 Prozent so gesehen. Es herrsche auf jeden Fall ein wachsendes Interesse bei jungen Menschen, an die positiven Erfahrungen im Unterricht anzuknüpfen, resümierte der Referent. „Und das führt bei immer mehreren dazu, sich selbst in der Kirche zu engagieren.“  

Bitte die heutige Jugend nicht schlecht reden  

Den Bogen von geglückter Konfirmandenarbeit bis zum Erlernen gesellschaftlicher Verantwortung hatten in ihren Grundsatzreferaten auch Dr. Ute Sparschuh vom Amt für Jugendarbeit der EKiR und PTI-Dozent Kai Steffen gezogen. Man möge die heutige Jugend doch bitte nicht ohne Not schlecht reden, forderte Sparschuh mit Blick auf die aktuelle EKD-Mitgliedschaftsbefragung „Jugend, Glaube, Kirche“ sowie auf die 19. Shell-Jugendstudie von 2015. Eine durchgehende Säkularisierung finde, alle Generationen betreffend, doch schon seit den 1960er Jahren statt. Auch Jugendliche gäben an, Kirchenmitglieder zu sein, „weil es sich so gehört“ und weil die Kirche vorbildlich sozial tätig sei. Sie bürste zudem in der Gesellschaft vieles wohltuend gegen den Strich.  „Laut Shell-Studie sagt die Jugend: Gut, dass es die Kirche gibt. Aber sie muss sich ändern“, erläuterte Spatschuh.  

Kai Steffen betonte die gesellschaftliche Relevanz, die gerade heute ein mit Leidenschaft gestalteter Konfirmandenunterricht für die Reifung junger Menschen habe. Immerhin werde jährlich eine Viertelmillion Jugendlicher in Deutschland konfirmiert. „Sie sind ein wichtiges Potential für uns alle. Denn woher soll der frische Blick auf unseren Glauben kommen, wenn nicht von ihnen?“, fragte Steffen. Die Kirche stehe in der Pflicht, ihnen zu helfen, diese Zeit als positives Gruppenerlebnis außerhalb der Familien zu erfahren und ihren Platz in der Glaubensgemeinschaft zu finden. „Jetzt müssen wir uns nur noch fragen, wie viel Mut wir wirklich haben, den jungen Menschen diesen Raum auch zu geben.“     

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / ham / 18.02.2016



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland – EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung