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Konstantin-Basilika Verpasst der Orgelpfeife den letzten Schliff: Hannes Kunath, der zweite Mann im Intonationsteam.

Konstantin-Basilika in Trier

Mit Orgamat und Babyfon

Exakt 6006 Orgelpfeifen sind es, die die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika in Trier zum Klingen bringen werden. Bevor dies aber passieren kann, braucht jede Pfeife natürlich ihren ganz eigenen und vor allem „richtigen“ Ton.  

Genau das ist die Aufgabe von Gregor Hieke, Chefintonateur der Orgelbaufirma Hermann Eule aus dem sächsischen Bautzen. Er stimmt jede einzelne der 6006 Orgelpfeifen selbst, unterstützt wird er dabei lediglich von seinem Assistenten, Hannes Kunath, selbst Orgelbauer von Beruf.

Der technische Einbau der neuen Hauptorgel ist zwar vollendet – aber der entscheidende Prozess beginnt in diesen Tagen: Die Intonation der Orgelpfeifen. Und das ist weit mehr als nur das Stimmen auf die richtige Tonhöhe: „Ich bin kein Stimmer, dann wäre ich nach einer Woche fertig“, erläutert Hieke den feinen Unterschied. „Ich bringe die Pfeifen zum richtigen Klang. Deshalb Intonateur.“ Und das bedeutet in der Tat weit mehr: „Abzutasten, was die Einzelpfeife benötigt, damit sie unten richtig wahrgenommen wird – das ist das Besondere“, erklärt Hieke, der gut 13 Jahre Erfahrung als Intonateur mitbringt. Und die braucht es auch – denn die Intonation ist im Fall der neuen Hauptorgel in der Konstantin-Basilika eine ganz eigene Herausforderung.

Noch versteckt sie sich hinter dem Gerüst, am 1. Advent wird sie dann in ihrer ganzen Pracht zu sehen sein: die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika Trier. Noch versteckt sie sich hinter dem Gerüst, am 1. Advent wird sie dann in ihrer ganzen Pracht zu sehen sein: die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika Trier.

Orgel ist nicht gleich Orgel und Raum nicht gleich Raum

Ungefähr 30 Orgeln hat Hieke schon intoniert, in dieser Größe aber erst etwa vier, wie beispielsweise die der Nikolai-Kirche in Leipzig. Der Kniff dabei: „Jede Pfeife ist anders. Und auch bei 87 Registern muss die Vielfalt gleich 87 sein“, beschreibt Hieke die Besonderheit der großen Orgeln. Der gelernte Orgelbauer ist sich dabei der Wichtigkeit seiner Aufgabe bewusst: „Die Menge macht es nicht. Man darf nie denken, man kann’s, auch nicht nach 1000 Orgeln“, so Gregor Hieke.

Und dann ist ja schließlich auch Orgel nicht gleich Orgel und Raum nicht gleich Raum: „Bei diesem Raum hier ist es sehr wichtig, dass der Klang der Orgelpfeifen klar bleibt. Die Polyphonie muss zu hören sein.“ Die Voraussetzungen dafür sind allerdings ausgezeichnet: „So eine Akustik, so eine Halle wie die Konstantin-Basilika zu beschallen, das hat man nicht alle Tage“, schwärmt der sonst so gelassene Hieke.

Dass die Akustik der Basilika sowie die neue Orgel an ihrem historischen Standort tatsächlich gut zu einander passen, weiß auch der Kantor der Konstantin-Basilika, Martin Bambauer, schon nach wenigen Klangproben zu bestätigen: „Die Klarheit, Durchhörbarkeit und charaktervolle Intonationsqualität ist sehr beeindruckend!“, so Bambauer begeistert.

Mit Hammer und Haken den richtigen Schliff

Beeindruckend ist übrigens auch das Werkzeug, mit dem Gregor Hieke und Hannes Kunath die Intonation der 6006 Orgelpfeifen vornehmen: Das Wichtigste ist selbstverständlich ihr Gehör – daneben aber braucht es Orgamat und Babyphone, Hammer und Haken, um den Orgelpfeifen den richtigen Ton zu verleihen. Mit dem so genannten Orgamaten, einer Art Fernsteuerung, kann der Intonateur die Orgel auch von unten her anspielen – ein entscheidender Faktor: „Die Pfeife wird von unten angespielt – um den Klangeindruck aus dem Raum zu bekommen. Denn die Orgel ist ja für die Menschen unten“, erläutert Hieke.

Chefintontateur Gregor Hieke bedient mithilfe der Tatstatur den Orgamaten oben an Orgel aus der Mitte des Raumes  - damit Ton, Klang und Raum perfekt harmonieren. Chefintontateur Gregor Hieke bedient mithilfe der Tatstatur den Orgamaten oben an Orgel aus der Mitte des Raumes - damit Ton, Klang und Raum perfekt harmonieren.

Und das Babyphone? „Das macht die Verständigung mit dem Assistenten oben an der Orgel leichter – das hat sich so herausgestellt, das ist das Allerbeste“, schmunzelt Hieke. Und wenn dann der richtige Ton gefunden ist, verpasst Hannes Kunath den Orgelpfeifen mit Hammer und Haken den richtigen Schliff – für das perfekte Zusammenspiel, damit die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika am Sonntag, 30. November 2014, im Einweihungsgottesdienst tatsächlich das erste Mal in ihrer ganzen Klangfülle erklingen kann.

Einweihungsgottesdienst am 1. Advent mit Präses Rekowski

Der Einweihungsgottesdienst der neuen Hauptorgel in der Konstantin-Basilika wird am 1. Advent – Sonntag, 30. November, um 10 Uhr gefeiert. Die Predigt hält Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Liturg ist Pfarrer Guido Hepke von der Evangelischen Kirchengemeinde Trier. Musikalisch wird der Gottesdienst zudem durch den Bachchor sowie den Caspar-Olevian-Chor Trier mitgestaltet. Der Gottesdienst anlässlich der Einweihung der neuen Hauptorgel am 1. Advent wird zeitgleich im Deutschlandfunk übertragen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 29. Juli 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 30. Juli 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Maike Roeber / Fotos: ekkt.de / 30.07.2014



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