Vor der Kreuzeskirche in Essen, von links: Pfarrer Thomas Nawrocik, Rainer Alt (Bauunternehmer und neuer Eigentümer der Kreuzeskirche), Reinhard Wiesemann (Kreativunternehmer und privater Investor), Pfarrer Steffen Hunder (Vorsitzender des Presbyteriums d Bild-LupeV.l.: Pfarrer Thomas Nawrocik, Rainer Alt, Reinhard Wiesemann, Pfarrer Steffen Hunder,Stefan Schwarz, Prof. Dr. Oliver Scheytt, Andy von Oppenkowski und Christian Kromberg.

Essen

Weit mehr als eine Sanierung

Die Kreuzeskirche in der City in Essen wird ein Ort der Begegnung, des Glaubens und der Kultur, des Feierns, der Erinnerung und des Dialogs. In den nächsten zwölf Monaten wird das traditionsreiche, stark sanierungsbedürftige Gotteshaus saniert.

Ihr Turm wurde schon vor Jahren renoviert, nun ist die Kreuzeskirche wohl endgültig gerettet: Nachdem mit dem Unternehmer Reinhard Wiesemann ein finanzstarker privater Investor gefunden wurde, die Evangelische Kirche im Rheinland dem bislang beispiellosen Nutzungs- und Eigentümerkonzept zugestimmt und das Land Nordrhein-Westfalen eine finanzielle Unterstützung der Außensanierung zugesagt hat, sollen die rund 3 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten noch Mitte Januar beginnen.

Am Ende soll, wie es auf einer Pressekonferenz hieß, ein neues Zentrum entstehen, dessen Impulse in die nördliche Innenstadt und die Stadt Essen ausstrahlen, das den Dialog von Kirche und Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft fördert und das seinerseits auf vielen Ebenen zu positiven, nachhaltigen Veränderungen beiträgt.

Vorerst letzter Gottesdienst

Erst einmal aber findet dort am Sonntag, 5. Januar, um 10 Uhr der letzte Gottesdienst statt und am Donnerstag, 9. Januar, lassen Professor Roland Maria Stangier, Titularorganist der Kreuzeskirche, und Kantor Andy von Oppenkowski um 19.30 Uhr noch einmal die kräftigen Basstöne der Orgel erklingen. In den Tagen darauf wird das Instrument dann „eingehaust“, wie das Bewahren vor Staub und Schmutz bei Bauarbeiten fachmännisch heißt. Gottesdienste und Amtshandlungen werden in die nahegelegene Marktkirche, nicht das schlechteste Ausweichquartier, verlegt.

Mit dem Beginn des Umbaus kann ein komplizierter Planungsprozess, der vor mittlerweile 18 Jahren begann, doch noch erfolgreich abgeschlossen werden. Der Neustart der Umbaupläne ist nun dem Unternehmer Reinhard Wiesemann zu verdanken: Wiesemann, der in der nördlichen Innenstadt bereits das „Unperfekthaus“ und das „GenerationenKult-Haus“ betreibt, sagte rund 1,4 Millionen Euro für die Umgestaltung des Innenraums zu.

Insgesamt 3 Millionen Euro

Für die Außensanierung kommen 1,2 Millionen Euro hinzu, die das Land Nordrhein-Westfalen aus seinem Förderungsprogramm für Stadtentwicklung beisteuert. Die für die Außensanierung dann noch fehlenden 300.000 Euro werden durch private Spenden gedeckt, die der Kirchbauverein eingeworben hat. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen somit fast 3 Millionen Euro.

Die an den Kirchenumbau anschließende Renovierung der renommierten und musikalisch hochwertigen Schuke-Orgel, die einen mobilen Spieltisch erhalten soll, wird noch einmal bis zu 500.000 Euro kosten – ein erster Großspender, der zurzeit noch ungenannt bleiben wolle, habe sich für dieses Projekt schon gewinnen lassen, hieß es auf der Pressekonferenz. Aus dem Kreis der Unterstützer nicht wegzudenken ist schließlich auch die Stadt Essen, deren Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement das Projekt über alle Höhen und Tiefen hinweg die Jahre hindurch nach Kräften gefördert hat.

Tiefgreifende Umgestaltung

In der Pressekonferenz betonten die Verantwortlichen, dass es sich bei den Plänen nicht um eine bloße Sanierung, sondern eine tiefgreifende Umgestaltung der Kirche handelt, der ein ausgefeiltes Eigentümer- und Nutzungskonzept zugrunde liegt und die modellhaft sein kann für weitere große Kirchen in anderen Städten, die vielfach ja vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Den Umbau des Gotteshauses übernimmt der Bauunternehmer Rainer Alt, der auch Eigentümer der Kreuzeskirche wird. Die Regelungen des Landes NRW lassen ihm zwölf Monate Zeit, um die Kirche zu einem multifunktionalen Veranstaltungsraum mit mobiler Bühne und Funktionsräumen umzugestalten.

Von Rainer Alt mieten die Evangelische Kirchengemeinde Altstadt, das Forum Kreuzeskirche und Reinhard Wiesemann die Kirche je für ihre nebeneinander gleichberechtigten, sich ergänzenden Ziele und Nutzungszwecke an: die Gemeinde im Umfang von 40 Prozent als liturgischen Ort für Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen, für Amtshandlungen, Andachten und Schulgottesdienste.

Diskussionen, Ausstellungen, Konzerte

Das Forum Kreuzeskirche, ein Bürgerverein mit mehr als 200 Mitgliedern aus Universitäten, Kirche und Stadtgesellschaft, ebenfalls im Umfang von 40 Prozent, für Konzerte mit der Essener Kantorei und dem Essener Barockorchester sowie für Diskussionsforen, Vorträge und Ausstellungen zu Themen an den Schnittstellen von Religion, Kultur und Wissenschaft.

Und schließlich Reinhard Wiesemann im Umfang der verbleibenden 20 Prozent, für die – durchaus gewinnorientierte – Ausrichtung von Firmentreffen und Familienfeiern, Konferenzen und Tagungsveranstaltungen. Als weiteres Alleinstellungsmerkmal wird Wiesemann, der sich selbst als einen „der Kirche und ihrer Arbeit sehr zugewandten Agnostiker“ bezeichnet, in der Kreuzeskirche ein sogenanntes „Memorabilium“ errichten: Alle Bürgerinnen und Bürger können in der Kirche eine Vitrine anmieten, um dort Erinnerungsstücke auszustellen, die an Verstorbene erinnern – etwa ein Lieblingsbuch oder die letzte Brille.

Gastfreundlicher Ort

Wiesemann: „Die Kreuzeskirche soll zu einem gastfreundlichen Ort der Achtung und Wertschätzung auch für Teile der Gesellschaft werden, die keine Beziehung zur Kirche haben. ‚Zu Gast bei Kirche’ wird das Motto lauten. In der Kreuzeskirche wird der evangelische Glaube als unglaublich attraktives Modell sichtbar.“

„Ich habe in den letzten Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt und die Erfahrungen haben mich vorsichtig gemacht“, gibt der Vorsitzende des Kirchbauvereins, Christian Kromberg, zu. Nun freue er sich auf den „ziemlich ungewöhnlichen Vorgang in der Geschichte des Vereinswesens, wenn ein Verein seinen Zweck erfüllt hat und sich auflösen kann“ Und für Professor Oliver Scheytt, Vorsitzender des Forums Kreuzeskirche, und die Pfarrer Steffen Hunder und Thomas Nawrocik ist die Nachricht vom beginnenden Umbau das schönste Weihnachtsgeschenk.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 27. Dezember 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 27. Dezember 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / kirche-essen.de / 27.12.2013



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