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Der neu sanierte Innenraum der evangelischen Kreuzeskirche in der Essener Innenstadt (unsere Aufnahme entstand am 10. November 2014). Mit einem bundesweit einzigartigen Nutzungs- und Veranstaltungskonzept wird die Kreuzeskirche nach einjährigem Umbau am 2 Mit einem bundesweit einzigartigen Nutzungs- und Veranstaltungskonzept wird die Kreuzeskirche in Essen nach einjährigem Umbau wiedereröffnet.

Kreuzeskirche in Essen

Sie wird ein Zentrum der Kultur

Immer mehr Gemeinden geben ihre Kirchen aus Finanznot auf. Die Gotteshäuser werden zu Jugendherbergen oder Architekturbüros. Eine Essener Gemeinde geht einen anderen Weg. In ihrer Kirche gibt es bald Konzerte und Firmenfeiern - aber weiterhin auch Gottesdienste.

Kirche und Kultur, das ist eine erprobte Allianz. Kirche und Kommerz dagegen fremdeln eher. Umso bemerkenswerter, dass alle drei sich zum Erhalt der Kreuzeskirche in der Essener Innenstadt zusammengetan haben. Das Ergebnis ist ein bundesweit einzigartiges Konzept zur gemeinsamen Nutzung des gut 100 Jahre alten Baus: ein multifunktionales Veranstaltungszentrum, das anteilig von der Gemeinde, einem Kulturforum und kommerziell genutzt wird. Nach einjähriger Bauzeit ist jetzt die Eröffnung am 1. Adventswochenende geplant, mit einem Orgelkonzert, einer Soul-Nacht samt Aftershow-Party und einem Festgottesdienst am Sonntag.

"Wir sind froh, dass unser Gotteshaus jetzt ein Gastraum ist, der für eine vielfältige Nutzung und für alle offen ist", sagt der Essener Pfarrer Steffen Hunder, der die ungewöhnlich Allianz maßgeblich geschmiedet hat. Bauherr und Eigentümer jedoch ist nicht mehr die Kirche, sondern der Essener Bauunternehmer Rainer Alt.

Er vermietet die Kirche zu je 40 Prozent an die Gemeinde und an das Forum Kreuzeskirche, das dort seit langem Kulturveranstaltungen anbietet. Die verbliebenen 20 Prozent gehen zur kommerziellen Nutzung an den Essener Kreativunternehmer und Mäzen Reinhard Wiesemann vom "Unperfekthaus" für Feiern, Konferenzen oder Firmenevents. Wiesemann hat rund die Hälfte der drei Millionen Euro teuren Sanierung finanziert, die andere Hälfte stammt aus der Städtebauförderung der Stadt Essen und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bundesweiter Trend zur Umnutzung

Die Kreuzeskirche reiht sich ein in einen bundesweiten Trend zur Umnutzung von Kirchen, Kapellen und Gemeindehäusern. Die Evangelische Kirche im Rheinland etwa zählt allein seit dem Jahr 2000 rund 130 umgenutzte Kirchen, die jetzt als Architekturbüro, Jugendherberge oder Kolumbarium dienen. "Je näher am ursprünglichen Zweck, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es genehmigt wird", sagt Sprecher Jens-Peter Iven. Dass Kirchen nach einer Umwidmung weiter von der Gemeinde genutzt werden, ist selten.

Gründe für Umwidmungen sind immer weniger Kirchenmitglieder und geringere Finanzmittel. In ländlichen Gebieten kommt es dabei seltener zu einer Umnutzung als in Städten, wie die Stiftung Kirchenbau (KiBa) in Hannover festgestellt hat.

Kirche als Kulturort gefragt

Kirche als Kulturort in der City ist gefragt - vor allem wegen ihres unverwechselbaren Ambientes. Das spielte auch bei der Investition in die Kreuzeskirche eine Rolle. Bauunternehmer Rainer Alt betont, er habe den sakralen Charakter bewusst erhalten: "Ein Gotteshaus ist keine normale Veranstaltungsstätte", betont er. "Der Raum der Kirche sollte immer präsent sein."

Genau das hat Alt baulich umgesetzt, wie ein Blick in den lichten, weiten Innenraum zeigt: Er wird von zwölf schneeweißen Säulen getragen, schieferfarbene Bodenplatten und schlichte Fenster bilden den Rahmen dazu. Statt Kronleuchtern an der Decke ist dort unauffällig modernste Technik mit Scheinwerfern für Lichtinstallationen angebracht.

"Altar und Kreuz sollen immer sichtbar bleiben"

Die Blickfänge des Innenraums mit seinen 400 Sitzplätzen sind nach wie vor der Altarraum und die Orgel auf der Empore gegenüber. "Altar und Kreuz sollen immer sichtbar bleiben", sagt Alt. Erhalten geblieben sind die Buntglasfester aus den fünfziger Jahren als Farbakzent. Altar, Taufbecken und das Rednerpult sind dagegen von einer Künstlerin eigens für den neuen Raum aus Erde und Stahl gestaltet worden. Markant und immer präsent ist das schlichte neue Kreuz an der Stirnseite.

Mögliche Konflikte zwischen Kirche, Kultur und Kommerz sind bereits im Vertragswerk berücksichtigt worden. "Wir haben einen Konsens darüber, dass wir Rücksicht aufeinander nehmen", sagt Oliver Scheytt, Vorsitzender des Forums Kreuzeskirche. Er sieht in der Kreuzeskirche bereits das neue Kreativzentrum der nördlichen Essener Innenstadt. "In Zukunft wird es hier um die Begegnung von Glaube, Wissenschaft und Kunst gehen", sagt der Kulturexperte, der das Konzept für die Kreuzeskirche mitentwickelt hat.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 13. November 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 13. November 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / epd-West Bettina von Clausewitz, Foto: epd / Stefan Arend / 13.11.2014



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