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Krimi Die Nonnen flüchten aus dem Kloster: Im Krimi von Daniela Wander stirbt eine von ihnen, eine weitere wird entführt

Krimi

Wer erdolchte Anni?

Martin Luther hat die Kirche reformiert. Und er gehörte zu denen, die das Mittelalter aus- und die Neuzeit eingeläutet haben. Was das für Frauen bedeutet hat, zeigt der Krimi „Tod in Wittenberg“: Gegen Widerstände klären zwei Bürgerinnen einen Mord und die Entführung einer geflüchteten Nonne auf. 

Gibt man beim Online-Buchhändler Amazon den Begriff „Martin Luther“ ein, führt das zu 17.095 Ergebnissen. Nur zum Vergleich: „Albert Einstein“ bringt es auf 2289 Treffer, und der eingegebene Begriff „Papst“ führt 8397 Bücher auf. Rund um das derzeit gefeierte Jubiläum der Reformation haben Bücher über den Theologen und Reformator Martin Luther also eine gute Chance verlegt und gekauft zu werden. Mit Martin Luther kann man die Bibel entdecken, man kann mit ihm mittelalterliche Gerichte nachkochen, durch Sachsen-Anhalt wandern, Tischsprüche auswendig lernen und sogar Mordfälle lösen.

Ein solcher Luther-Krimi ist „Tod in Wittenberg“ der Düsseldorfer Autorin Daniela Wander. Oder vielmehr: Das Buch ist ein Kriminalroman, der im Jahr 1523 in Luthers Wohnort spielt. Der Reformator ist in dem Roman nämlich nur ein Sidekick – eine zwar wichtige Figur, die den Hauptdarstellerinnen Katharina Roeseling und Marga Tilfer aber nur am Rande zur Seite gestellt wird. Denn Martin Luthers Auftritte in dem Buch lassen sich an einer Hand abzählen, wenn’s hochkommt sagt er drei bis vier Sätze.

Eine mittelalterliche Miss Marple

Mehr braucht Luther in dieser Kriminalgeschichte aber auch nicht zu tun. Immerhin hatte er mit seinen Thesen die Menschen aufgerüttelt, ihnen die Freiheit vor Gott zugesagt und sie damit ermutigt, ihr Untertanentum abzuschütteln. Die Kaufmannsfrau Katharina Roeseling greift das gerne auf. Denn die von den Damen damals verlangte „Demut, Fügsamkeit und Ergebenheit“ liegen ihr nicht. Sie hält sich nicht an das, was ihr Ehemann fordert: „Ich will, dass Du tust, was Deine Aufgabe ist: Bestell das Haus.“ Denn Katharina ermittelt lieber.

Bereits in Wanders vorigem historischem Krimi, dem im Frühjahr 2015 erschienenen „Aufruhr in Wittenberg“, hatte Katharina hartnäckig wie eine mittelalterliche Miss Marple den angeblichen Suizid einer jungen Frau untersucht und einen Mord aufgeklärt. In „Tod in Wittenberg“ hat sie es nun mit ihrer Freundin, der Bürgerstochter Marga Tilfer, gleich mit zwei Verbrechen zu tun: Ex-Nonne Anni steckt ein Dolch in der Brust, Ex-Nonne Dorothee ist verschwunden.

Geschändet und gerettet

Beide Opfer waren zuvor mit Käthe von Bora und anderen Mitschwestern auf der Flucht aus dem Kloster Marienthron gewesen. Es wird drastisch, wenn Autorin Daniela Wander beschreibt, was einer Frau im ausgehenden Mittelalter bis hin zu einer Gruppenvergewaltigung zugestoßen ist, wenn sie sich alleine auf den Weg gemacht hat. Die körperlichen und seelischen Narben trägt die Figur im Buch auch nach ihrer Rettung ein Leben lang mit sich.

Autorin Daniela Wander studierte Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik an den Universitäten Hamburg und Köln und schloss 1987 mit dem Magister Artium ab. Anschließend arbeitete sie zehn Jahre als Kunstexpertin. Daniela Wander ist verheiratet, das Paar hat eine erwachsene Tochter und lebt in Düsseldorf.

Daniela Wander: Tod in Wittenberg, 336 Seiten, emons: verlag, Köln, 11,90 Euro, ISBN 978-3-7408-0009-3.

Tipp: Autorin Daniela Wander liest im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf am 29. November 2016 ab 17 Uhr aus ihren historischen Kriminalromanen „Aufruhr in Wittenberg“ und „Tod in Wittenberg“. Die Lesung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Literatur im Landtag“ und findet in Kooperation mit dem Beauftragten der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung NRW, Kirchenrat Thomas Weckelmann, statt.

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ekir.de / eis / Foto: Buchcover "Tod in Wittenberg", emons: verlag / 24.11.2016



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