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Szene bei der Krippenspielprobe: Maria trifft Joseph, nachdem ihr der Engel erschienen ist. Szene bei der Krippenspielprobe: Maria trifft Joseph, nachdem ihr der Engel erschienen ist.

Krippenspiel

"Ruhig mit viel Pathos"

Das Krippenspiel ist in vielen Kirchengemeinden der Weihnachtsklassiker schlechthin. In Essen-Haarzopf wird seit 15 Jahren jedes Mal an Heiligabend dasselbe Stück aufgeführt. Das Interesse ist riesig. In diesem Jahr ist es mit 54 Kindern die größte Aufführung aller Zeiten. Ein Probenbesuch.

„Ich muss Pipi!“ Die Hirten und Schafe haben gerade ihre Positionen eingenommen, als sich das kleine Schaf zu Wort meldet. Direkt fällt zwei weiteren Schafen ein, dass sie auch müssen. „Ihr geht schnell nacheinander, wir machen hier schon mal weiter.“ Elisabeth Müller bleibt entspannt. Das muss man vermutlich auch, wenn man eine Krippenspielprobe mit vielen Kindern im Alter zwischen drei und zwölf Jahren leitet. Und die Pfarrerin hat Routine: Sie führt das Krippenspiel bereits seit 15 Jahren in ihrer Gemeinde auf.

Es gibt vier Proben im Gemeindezentrum Fulerum in Essen-Haarzopf, jeweils zwei bis drei Stunden. Zuerst werden die Szenen geprobt, in denen die kleinen Kinder mitspielen. Die gehen danach nach Hause und die älteren proben in Ruhe ihre Texte. Deshalb beginnt die heutige Probe auch mitten im Stück, mit der Hirtenszene.

Mittlerweile sind alle Schäfchen wieder zurück und ein Engel tritt auf. Der kleine Junge, der den Hirtenhund spielt, soll bellen. Es kommt ein zaghaftes „Wau“. „Lauter“, sagt Elisabeth  Müller. „Wau, wau, wau!“  „Noch mehr!“, feuert Müller an. „WAU, WAU, WAU“ – der kleine Hund gibt alles. „Super“, lobt die Pfarrerin, der Junge strahlt zufrieden. Die Hirtenszene wird weitergeprobt, mit viel Konzentration und Begeisterung sind die Kinder bei der Sache.

"Die Kinder müssen die Geschiche miterleben"

Das Krippenspiel hat Elisabeth Müller vor 20 Jahren selbst geschrieben. „Eigentlich für meine Kinder und die einer Freundin,“ sagt sie. Weil ihr kein Krippenspiel bekannt war, in dem die Weihnachtsgeschichte tatsächlich im Mittelpunkt stand. 

„Gerade für kleine Kinder muss die Weihnachtsgeschichte ganz ausführlich erzählt werden,“ findet sie. „Ruhig mit viel Pathos. Die Kinder müssen die Geschichte miterleben.“  Als eine Art Nachbarschaftsaktion mit zwölf Darstellerinnen und Darstellern hatte das Krippenspiel in einem Gemeindezentrum in Mülheim an der Ruhr Premiere, wo Elisabeth Müller damals lebte.

Als sie dann vor 15 Jahren den Pfarrdienst in Haarzopf aufnahm, hat sie das Stück mitgebracht. „Und seitdem ist es gewachsen,“ erzählt sie. Immer mehr Kinder wollten mitspielen. Durch engagierte Mütter und die Mitarbeiterinnen im gemeindeeigenen Kindergarten erweiterte sich auch der Bestand an Kostümen, Requisiten und Bühnenbildern. In diesem Jahr wirken 54 Kinder bei der Aufführung mit. „Es ist das größte Krippenspiel aller Zeiten“, sagt Müller.

Im Zweifelsfall wird eine Rolle erfunden

Jedes Kind, das mitspielen möchte, bekommt auch eine Rolle. Im Zweifelsfall wird eine erfunden. Elisabeth Müller erinnert sich an ein Jahr, in dem ein größeres Kind unbedingt noch mal mitspielen wollte. Also hat sie den Palm-wedelnden Diener  von Kaiser Augustus erfunden. „Der sagt nichts und fächert dem Kaiser nur die ganze Zeit Luft zu. Mittlerweile ist es aber ein der beliebtesten Rollen.“ 

Gar nicht so sehr gefragt sind die Rollen von Maria und Josef. „Keine Herausforderung“, meint die zwölfjährige Jamy. Außer der Maria hat sie in den letzten neun Jahren fast jede Rolle gespielt: Schaf, Engel, Marktfrau, Hirte, Diener, Augustus. Dieses Jahr ist sie der Präfekt: „Das ist voll der Schleimer, der Augustus helfen soll, aber eigentlich gar keine Lust darauf hat.“

Als Jamy die Szene probt, in der Kaiser Augustus seinem Präfekt die Volkszählung aufs Auge drückt, kriegt sie die Balance zwischen Schmeicheln und sich drücken wollen, gut hin. Jamy mag Rollen, bei denen sie richtig schauspielern kann. Ihre Lieblingsrolle war die des Kaiser Augustus: „Da konnte ich am meisten spielen. Böse, laut und mächtig sein.“ Für Jamy ist es dieses Jahr das letzte  Krippenspiel. Nächstes Jahr gehört sie zu den Konfirmanden und die haben ihr eigenes Stück.

Was war Augustus für ein Typ?

Max, 13, ist bereits Konfirmand. Er hat bei zehn Krippenspielen mitgewirkt und ist damit Rekordhalter. Auch er hatte vom Schaf bis Augustus so ziemlich jede Rollen inne. „Das Krippenspiel macht einfach viel Spaß,“ sagt er. Deshalb habe er jedes Jahr wieder mitgemacht. Jetzt hilft er, indem er die Hirten und Schafe betreut. „Ich helfe  bei der Aufstellung, passe auf, dass alle Hirten ihre Stäbe haben und so was.“

Durch das Krippenspiel kennt Max die Weihnachtsgeschichte in- und auswendig. Und hat sich durch die verschiedenen Rollen auch intensiver mit den Figuren auseinandergesetzt. „Die Weihnachtsgeschichte nimmt man sonst vielleicht kurz in der Schule durch. Und hört von Kaiser Augustus  und seiner Volkszählung. Aber man macht sich keine Gedanken darüber, was das für ein Typ war.“

Das Krippenspiel kommt an. Nicht nur bei den Mitwirkenden, sondern auch bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Mittlerweile gibt es zwei Aufführungen hintereinander, weil der Andrang so  groß ist. Jamy kann das gut nachvollziehen, denn das Krippenspiel ist wirklich schön, findet sie. Und viele aus Haarzopf seien beteiligt: „Es machen Kinder aus der Kirchengemeinde, aus dem Kindergarten und der Grundschule mit. Und die bringen ihre Eltern, Freunde und Nachbarn mit. Das verbindet.“

Aufgeführt wird das Krippenspiel an Heiligabend, nachmittags  um 14.30 und 15.30 Uhr. Für Elisabeth Müller ist das immer der schönste Moment: „Wenn die Kinder die Geschichte spielen und die Worte lebendig werden lassen, dann wird das Stück Wirklichkeit,“ sagt sie. „Das ist mein Weihnachten.“

 

Fortsetzung folgt...

Das war noch nicht alles mit Krippenspiel und Weihnachtszauber bei ekir.de. In den nächsten Tagen kommt unser großes Fotoalbum von der Kostümprobe in Essen-Haarzopf. Umbedingt noch mal vorbeischauen!

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ekir.de / Christina Schramm / 19.12.2017



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