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Familie Almasri Sybille Berg (2.v.r.) hilft Familie Almasri im Alltag.

Kulturvermittler helfen Flüchtlingsfamilien

"Das Gefühl, dass sie unsere Schwester ist"

Sie helfen bei der Suche nach Sprachkursen, begleiten zu Behörden, übersetzen Briefe und geben Alltagstipps: In der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Garath unterstützen Ehrenamtliche als Kulturvermittler neu angekommene Flüchtlingsfamilien beim Einleben. 

Man stelle sich das vor: Nach traumatisierenden Erlebnissen und einer gefährlichen Flucht kommt eine Familie in der Fremde an und erhält die Chance, dort weiterzuleben. Doch zunächst versteht keines der Familienmitglieder die fremde Sprache, kennt keiner die Behörden, die bürokratischen Regeln, die Wohnumgebung oder gar die Gepflogenheiten des Landes.

„Wir wollen jeder Flüchtlingsfamilie einen persönlichen Betreuer anbieten, denn alle Menschen sind unterschiedlich“, erklärt Corrie Voigtmann. Für die Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf-Garath hat sie das Projekt der „Kulturvermittler“ mit entwickelt, das es dort seit Ende November 2014 gibt. Dabei steht ein ehrenamtlicher Helfer als fester Ansprechpartner der neu angekommenen Flüchtlingsfamilie zur Seite und hilft bei allen Wegen in den neuen Alltag.

„Ich bin für die Familie jederzeit erreichbar. Ich helfe in bürokratischen Dingen oder dabei, einen Sprachkurs zu finden“, nennt Kulturvermittlerin Sybille Berg Beispiele ihres Einsatzes. Seit die syrische Flüchtlingsfamilie Almasri vor vier Monaten in Düsseldorf-Garath angekommen ist, leistet Sybille Berg Eingewöhnungshilfe für Vater, Mutter und die vier Kinder.

Schon jetzt spricht der 19-jährige Sohn Osama sehr gut Deutsch, gehen der 15-jährige Kenan und die elfjährige Nour in eine Einsteigerklasse speziell für Ausländer im Gymnasium und die vierjährige Dima in den Kindergarten. Auch beide Eltern besuchen Sprachkurse, verstehen schon gut Deutsch, müssen aber selber noch auf Englisch reden. „Wir haben das Gefühl, dass sie unsere Schwester ist“, sagt Familienmutter Chehada Khawla über „ihre“ Kulturvermittlerin. „Sie ist so freundlich, fragt immer, wie es uns geht und hört zu.“ Ehemann Haisam ergänzt: „Wir sind so glücklich, weil Frau Berg unsere Kultur kennt und uns respektiert.“

"Fremd ist mir nicht fremd"

Ihre Aufgabe sei es, zu recherchieren, Informationen einzuholen und Dinge zu erklären, sagt Sybille Berg. Doch Familie Almasri sei auch selbst sehr aktiv und brauche oft nur ein kleines bisschen Unterstützung. Sohn Kenan wollte gerne Fußball spielen. Den Verein hatte er sich schnell selbst gesucht und es brauchte nur ein wenig Hilfe, dass er Mitglied werden konnte. Osama, der Älteste der Kinder, möchte später gerne Medizin studieren. Sybille Berg half ihm, einen anspruchsvollen Deutschkurs an der Uni zu finden, um sprachlich schnell für das Studium qualifiziert zu sein. Für die relativ hohen Kursgebühren haben die Projektverantwortlichen der Kirchengemeinde sogar einen privaten Geldgeber gefunden. 

Die Kulturvermittlerin hat den Almasris erklärt, was Karneval ist, war mit ihnen schon am Benrather Schloss und beide Familien haben sich gegenseitig zum Abendessen nach Hause eingeladen. „Das macht mein Leben reich und bunt“, sagt Sybille Berg. "Fremd ist mir nicht fremd.“ Hauptberuflich arbeitet sie als Erzieherin in einer Einrichtung in Düsseldorf-Hassels, und schon immer ist sie gerne gereist. „Ich war auch im Libanon und habe Flüchtlingslager gesehen“, erzählt sie und kommt damit auf ihre Motivation für den ehrenamtlichen Einsatz zu sprechen. Sie habe die Nachrichten nicht mehr anschauen können und das Bedürfnis gehabt, wirklich zu helfen.

Herausfinden, wer gut zusammen passt

Es gebe viele Menschen, die sich gemeldet hätten, um Flüchtlingen zu helfen, bestätigen Corrie Voigtmann und Gunter Rehnelt von der Kirchengemeinde Garath. Doch die Kulturvermittler müssen relativ viel Zeit und eine hohe Kontinuität mitbringen, weil sie sich auf mindestens ein Jahr Begleitung festlegen müssen. Die größte Herausforderung an dem Projekt sei es, herauszufinden, wer gut zusammen passt, sagt Corrie Voigtmann. 

Vier von neun Flüchtlingsfamilien, die Ende November 2014 in Düsseldorf-Garath angekommen sind, nehmen die persönliche Unterstützung durch einen Vermittler in Anspruch. Die Evangelische Kirche im Rheinland unterstützt das Projekt mit einem Budget für Sprachkurse, Ausflüge oder Fortbildungen - durchaus auch für die Kulturvermittler. 

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ekir.de / sto / 27.03.2015



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