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'Moiré' von Sheila Khatami, jetzt in der Saarbrücker Johanneskirche zu sehen. "Moiré" von Shila Khatami, jetzt in der Saarbrücker Johanneskirche zu sehen.

Ausstellung in Saarbrücken

Wenn die Kunst ein Flirren erzeugt

„Moiré“ – das sind drei übermenschenhohe, mit drei verschieden groß gerasterten Löchern versehene Holztafeln, die verschiedene Ein-, Aus- und Durchblicke ermöglichen. Zugleich führt das Licht, das auf Shila Khatamis Skulptur fällt, das Werk als Bodenmalerei  fort. Das Werk ist derzeit in der Saarbrücker Johanneskirche zu sehen.

Beim Umschreiten der Skulptur zeigt sich der sogenannte Moiré-Effekt – ein physikalisches Phänomen, das bei der Überlagerung feiner, unregelmäßiger Raster auftritt und ein Flirren erzeugt. Mit jedem Schritt ergeben sich neue Perspektiven und Durchsichten. Die Skulptur nimmt Bezug auf das Selbstverständnis der evangelischen Kirche, die Menschen ermutigen möchte, eigene Standpunkte zu entwickeln. Die Skulptur von Shila Khatami - die Künstlerin ist in Saarbrücken geboren - gehört zum  Kunstprojekt „reFORMation – transFORMation“ der Evangelischen Kirche im Rheinland zum 500. Reformationsjubiläum.

"Das große X" von Karl Manfredc Rennertz

Die Ausstellung nach Stationen unter anderem in Düsseldorf, Köln und Essen bis 18. März in Saarbrücken zu sehen. Schwarzer Block – oder doch eine Fotografie? Jedenfalls ein Werk, in das man sich einsehen muss, das zur Meditation einlädt. Ein Selbstporträt des Künstlers. „Die Versuchung“ heißt die Arbeit von Konstantinos Angelos Gavrias.

Der hölzerne Rahmen einer ausgedienten Orgel – neu mit Leben gefüllt, umgewandelt zu einer Harfe, die eine Schattenzeichnung an die Wand wirft: „Licht- und Schatten-Harfe“ heißt die Arbeit von Zipora Rafaelov.

Elf Künstlerinnen und Künstler hat die rheinische Landeskirche  eingeladen, ihre Vision einer Kirche von morgen mit Skulpturen, Rauminstallationen, Fotografien und Malereien darzustellen. „Was Martin Luther mit seiner Rückbesinnung auf die Bibel anstieß, hat zu einem Wandlungsprozess, zu einer Transformation biblischer Impulse in die Moderne geführt“, sagt Kirchenrat Volker König, Leitender Dezernent im Landeskirchenamt und zuständig für das Kunstprojekt. „Wie entwickelt sich die Kirche 500 Jahre nach der Reformation weiter? Was macht 2017 Reformation aus? Diese Fragen haben wir Künstlerinnen und Künstlern gestellt, weil sie Fachleute dafür sind, Visionen zu entwickeln, ihnen Gestalt zu geben und den Blick für Veränderungen zu schärfen.“ Alle Werke seien deutungsoffen und vermittelten Perspektiven.

An die Meinungsfreudigkeit der Besucherinnen und Besucher der Ausstellung appelliert Holger Hagedorn, Kurator der Ausstellung und Mitglied des Arbeitskreises Kirche und Kunst der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Die neuen vielfältigen Impulse, Standpunkte und Perspektiven der elf Künstlerinnen und Künstler weisen polyvalente Bezüge zu protestantischen Ideen und Inhalten, zu Reform und Transformation auf: Paradigmen sind Freiheit, Partizipation, persönliche Perspektive und Dialog. Nunmehr sind Kirche und Besucher gefordert, mittels Auseinandersetzung, Meinungsbildung und deren Kommunikation neue Herangehensweisen zu entwickeln.“

Die Künstlerinnen und Künstler zeichne eine kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum, insbesondere mit der protestantischen Kirche und ihrem derzeitigen Zustand, Perspektive sowie ihrer Rolle in der Gesellschaft aus. „Die Begriffe Protest und Reform haben für jetztzeitige bildende Künstler nicht mehr die Relevanz wie in den stark politisierten 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als es deutliche Transformationen  der Gesellschaft gab. Die Inhalte und Themen der Kunst werden zumeist nicht mehr so augenscheinlich plakativ dargestellt.“

Hagedorn verweist zugleich auf die vielfältigen Wurzeln der mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler. „Mit israelischen, iranischen, estnischen, bulgarischen und griechischen Abstammungen können auch orthodoxe und muslimisch vorgeprägte Sichtweisen neben katholischen und selbstverständlich evangelischen Wurzeln konstatiert werden. Trotz der unterschiedlichen Paradigmen ist jedoch allen die Autonomie der zeitgenössischen Kunst gemeinsam. Es kommt hier also keineswegs zu einem Clash of cultures, der von Samuel Huntington prognostiziert wurde und durchaus in der aktuellen weltpolitischen Situation aufzuweisen ist.“

Citykirchenpfarrer Herwig Hoffmann freut sich, dass diese hochkarätige Ausstellung in der Johanneskirche zu sehen ist. Er erwartet sich von ihr eine kreative Auseinandersetzung mit den Themen der Reformation und wesentliche Impulse für ihre Transformation in die heutige Zeit, für die Menschen von heute.

Termine

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen

Sonntag, 4. Februar, 11 Uhr: Gottesdienst zur Ausstellung mit Pfarrer Herwig Hoffmann, Gast: Holger Hagedorn, Kurator, anschließend: Führung durch die Ausstellung. 15 Uhr: Führung mit Holger Hagedorn

Freitag, 16. Februar, 19 Uhr: Vortrag von Cornelia Coenen-Marx: „Aufbrüche in Umbrüchen. Christsein und Kirche in der Transformation“

Sonntag, 18. Februar, 11 Uhr: Gottesdienst zur Ausstellung mit Cornelia Coenen-Marx

Sonntag, 18. März, 18 Uhr: Finissage, Konzert: mit dem Duo “2 Flügel“. Lieblingslieder und Geschichten

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ekir.de / Helmut Paulus / 16.01.2018



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