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Shopping kurz vor der Bescherung? In NRW dürfen Lebensmittgeschäfte dieses Jahr an Heiligabend für vier Stunden öffnen. Einige Ketten haben das aber bereits ausgeschhlossen. Shopping kurz vor der Bescherung? In NRW dürfen Lebensmittgeschäfte dieses Jahr an Heiligabend für vier Stunden öffnen. Einige Ketten haben das aber bereits ausgeschhlossen. Foto: fotolia.com/nikoendres

Weihnachten

Kein Shopping kurz vor der Bescherung

Ist der Sonntag ein Tag der Besinnung oder der ideale Einkaufstag? Seit Jahren streiten Kommunen, Handel und Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen über Ladenöffnungen. Dass Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, befeuert die Debatte neu.

Von Ruhe und Besinnung ist in der Adventszeit im Einzelhandel meist wenig zu spüren. Die Suche nach Geschenken in übervollen Innenstädten empfinden sowohl die Beschäftigten als auch die Kundinnen und Kunden vor allem als Stress.

Vor diesem Hintergrund befeuert die Vorweihnachtszeit alljährlich die Debatte um die Notwendigkeit verkaufsoffener Sonntage. In diesem Jahr kommt als Besonderheit hinzu, dass Heiligabend und der vierte Advent zusammenfallen und am letzten Adventssonntag ein Teil der Geschäfte seine Türen öffnen darf. 

In Nordrhein-Westfalen können dann von 10 bis 14 Uhr zumindest Lebensmittelmärkte, Bäckereien und Verkaufsstellen für Weihnachtsbäume öffnen – so sieht es das Ladenöffnungsgesetz vor. Bei allen anderen Geschäften bleibt die Ladentür jedoch geschlossen.

Einen klassischen verkaufsoffenen Sonntag in den letzten Stunden vor der Bescherung wird es also nicht geben. Aber schon die Möglichkeit einer Teilöffnung sorgt für Ärger: „Wir sind für den arbeitsfreien Sonntag für die Beschäftigten“, betont Nils Böhlke, Sekretär bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di NRW. 

"Der Job des Verkäufers zählt zu den stressigsten überhaupt"

„Die Menschen haben ohnehin schon genügend Stress im Alltag, und der Job des Verkäufers zählt zu den stressigsten überhaupt“, sagt Böhlke. An zwei Adventssonntagen können die NRW-Innenstädte wieder zum Shopping locken – allerdings nur in Verbindung mit einem anderen Anlass, der in der Adventszeit meist aus einem Weihnachtmarkt besteht. Wenn ein solcher Anlass für Kundenströme sorgt, dürfen die Einzelhändler mitziehen und öffnen, so die Regelung.

Generell sieht man bei ver.di die Sonntagsöffnung kritisch – nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Insgesamt sind in den NRW-Städten pro Jahr vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt, jeweils verbunden mit einem entsprechenden Anlass.

In der Vergangenheit hatte ver.di oft erfolgreich gegen solche Sonntagsöffnungen geklagt, wenn der jeweilige Anlass – beispielsweise ein Trödelmarkt – für nicht ausreichend angesehen wurde. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden so mehr als 70 von den NRW-Kommunen geplante verkaufsoffene Sonn- und Feiertage gerichtlich untersagt.

Unterstützung bekommt die Gewerkschaft von den Kirchen. Auch dort kommt dem Sonntag traditionell als Tag der Arbeitsruhe, der Erholung, der freien Zeit für Familie und Freunde und natürlich auch für Gottesdienst und Gebet eine besondere Bedeutung zu.

Der stellvertretende Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Wolfgang Beiderwieden, hält zudem eine Ladenöffnung am sonntäglichen Heiligabend nicht für nötig, da die Menschen bis in den Samstagabend hinein einkaufen könnten. „Es wäre eine gute Gelegenheit, den Verkäufern deshalb am Heiligabend frei zu geben.“

Anzahl der  verkaufsoffenen Sonntage soll sich verdoppeln

Künftig aber könnten in NRW aus Sicht von ver.di und den Kirchen schwierigere Zeiten anbrechen. Die schwarz-gelbe Landesregierung will die Anzahl der erlaubten verkaufsoffenen Sonntage pro Jahr von vier auf acht verdoppeln und zugleich den Anlassbezug wegfallen lassen.

Ziel sei die Belebung der Innenstädte, die Herstellung eines zukunftsfähigen Einzelhandels sowie die „Sichtbarkeit der Kommune als attraktiver Standort für Bürger und Unternehmen“, heißt es in einem Positionspapier des Wirtschaftsministeriums. Schon im Frühjahr 2018 könnte das neue Gesetz in Kraft treten.

Der Einzelhandel zeigt sich über die Pläne erwartungsgemäß erfreut.  „Der Sonntag ist der Tag, an dem die Menschen Zeit haben und entspannt einkaufen wollen“, sagt die Sprecherin des Handelsverbands NRW, Simone Schwan.

Davon profitierten nicht nur die Geschäfte, sondern auch die Restaurants und Cafes einer Stadt. Zugleich könne der Handel mit einer Sonntagsöffnung einen Akzent gegen die Konkurrenz des Internetshoppings setzen, das wegen der freien Zeit an Sonntagen beliebt sei.

Doch zumindest für den Heiligabend zeichnet sich ab, dass die umstrittene Teilöffnung der Geschäfte überwiegend ausbleibt – auf eigene Entscheidung des Handels. „Wir gehen derzeit davon aus, dass mehr als die Hälfte der Geschäfte die Möglichkeit nicht nutzen wird und ihren Mitarbeitern frei gibt“, sagt Schwan. Viele große Handelsketten haben bereits eine Entscheidung getroffen: die Märkte von Aldi, Rewe und Penny bleiben nach eigener Ankündigung geschlossen.

Im Saarland soll die Sonderregelung noch kurzfristig gekippt werden

Im Saarland wurde die Ladenöffnung in den letzten Wochen heftig diskutiert, so dass die Landesregierung nun die bisherige Sonderregelung zur Sonntagsöffnung an Heiligabend möglichst noch in diesem Jahr streichen will. Dass die Geschäfte an Heiligabend geschlossen halten, befürwortet auch  der Beauftragte für die Evangelischen Kirchen im Saarland Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann. „Dieser Tag verkörpert traditionell die Freiheit des Menschen von einer rein ökonomisch orientierten Lebensweise. An diesem Tag, zumal an Heiligabend, steht einmal nicht im Vordergrund, was ein Mensch leistet. Vielmehr geht es um das, was jeder zu einem Leben für sich und die Gemeinschaft mit anderen benötigt. Dazu gehört auch, gemeinsam freie Zeit zu haben“, erklärte Hofmann.

In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen gilt eine solche Regelung bereits: Dort dürfen auch Lebensmittelgeschäfte an einen Heiligabend, der auf einen Sonntag fällt, nicht öffnen.

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ekir.de / epd/Frank Bretschneider/red, Foto: fotolia.com/nikoendre / 10.11.2017



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