EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Die Blumen zeugen vom Gedenken für ertrunkene Flüchtlinge vor Lampedusa. Die Blumen zeugen vom Gedenken für ertrunkene Flüchtlinge vor Lampedusa.

EU-Außengrenzen

Gedenkfeier für ertrunkene Flüchtlinge

Mit einer Zeremonie im Mittelmeer vor Lampedusa haben Landtagsabgeordnete und evangelische Kirchenvertreter aus Nordrhein-Westfalen an das Schiffsunglück vom 3. Oktober 2013 erinnert, gemeinsam mit der Bürgermeisterin von Lampedusa. 

Vereint zum Gedenken: Vizepräsident Albert Henz, Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller (westfälische Kirche, vl.), Superintendent Jens Sannig, Paolo Naso (Bund Evangelischer Kirchen in Italien) und Dr. Thomas Weckelmann (Ev. Büro NRW). Vereint zum Gedenken: Vizepräsident Albert Henz, Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller (westfälische Kirche, vl.), Superintendent Jens Sannig, Paolo Naso (Bund Evangelischer Kirchen in Italien) und Dr. Thomas Weckelmann (Ev. Büro NRW).

Zur Erinnerung an die mindestens 366 ertrunkenen Flüchtlinge warfen die Besucher zusammen mit Bürgermeisterin Giuseppina Maria Nicolini am Ort des Unglücks einen Blumenkranz ins Wasser. Die Gruppe von NRW-Landtagsabgeordneten sowie Vertretern der evangelischen Landeskirchen in Westfalen und dem Rheinland trafen am Montag zudem den Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania, Enzo Bianco.

Bei der Trauerzeremonie vor Lampedusa sagte Bürgermeisterin Nicolini, die Tragödie vom Oktober 2013 sei zwar nicht das schwerste Bootsunglück der letzten Jahre gewesen. Es sei aber besonders schwer zu ertragen, weil die Menschen das rettende Ufer vor Augen gehabt hätten. Das Unglücksschiff war nach einem Feuer gekentert.

Die überwiegend aus Somalia und Eritrea stammenden Flüchtlinge seien aber nicht umsonst gestorben, fügte die Bürgermeisterin der Inselgemeinde hinzu: "Das Unglück hat etwas verändert." Der Vizepräsident der westfälischen Kirche, Albert Henz, erinnerte bei der Zeremonie auf einem kleinen Kutter an die Verantwortung aller Europäer für die Menschen, die bei der Überfahrt aus Nordafrika im Mittelmeer ertrinken.

Die Politiker und Kirchenvertreter wollen sich diese Woche ein Bild von der Lage der Flüchtlinge in Süditalien machen. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen mit Regierungsvertretern und Flüchtlingsexperten diskutiert werden. An einer internationalen Flüchtlingskonferenz in Rom beteiligt sich auch eine weitere Reisegruppe aus NRW, die sich auf Einladung der evangelischen Landeskirchen bis Mittwoch in Griechenland über den dortigen Umgang mit Flüchtlingen informiert.

Bürgermeister mahnt Solidarität an

Der Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania, Enzo Bianco, forderte bei dem Treffen mit der Delegation aus NRW mehr europäische Solidarität. Die gesamte Mittelmeerregion befinde sich in einer Ausnahmesituation, sagte Bianco. Auf der italienischen Mittelmeerinsel seien in den vergangenen Monaten Zehntausende Bootsflüchtlinge eingetroffen. Dies habe in einer der ärmsten Regionen Italiens und Europas nur durch großzügige Unterstützung der Bevölkerung bewältigt werden können.

Konkret verlangte Bianco Änderungen bei der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, ein stärkeres Vorgehen gegen Schlepperbanden und schnellere Asylentscheidungen. Er könne sich außerdem vorstellen, dass beispielsweise in Marokko und Ägypten Stellen eingerichtet werden, bei denen Menschen ein "anerkannter Status" für eine legale und sichere Überfahrt nach Europa bescheinigt werden könne, sagte der frühere italienische Innenminister. Er ließ offen, ob er damit sichere Fluchtkorridore meint oder letztlich auch eine Verlagerung der Asylentscheidung nach Nordafrika.

Rettungen von Flüchtlingen

Vor der libyschen Küste waren erst am Wochenende mehr als 3.500 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet worden. 1.411 Menschen wurden von zwei Schiffen der Bundeswehr aufgenommen. Andere Schiffe retteten insgesamt weit mehr als 2.000 Menschen aus mindestens fünf weiteren Booten. Die Geretteten wurden nach Sizilien gebracht.

Seit Beginn der Mission der beiden deutschen Marineschiffe im Mittelmeer Anfang Mai retteten diese insgesamt 3.419 Menschen aus Seenot. Die "Hessen" nahm 2.428 Flüchtlinge auf und die "Berlin" 991. Die Verbesserung der Seenotrettung war ein Ergebnis des EU-Krisengipfels Ende April nach einem erneuten Bootsunglück mit mindestens 800 Toten im Mittelmeer.

 

 

Die Gruppe mit Landtagsabgeordneten und Kirchenvertretern aus NRW beim Bürgermeister von Catania. Die Gruppe mit Landtagsabgeordneten und Kirchenvertretern aus NRW beim Bürgermeister von Catania.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

epd / Ingo Lehnick / 09.06.2015



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.