Evangelische Grundschulen

Freude über die gute Resonanz

Wie die Evangelische Kirche im Rheinland die evangelischen Grundschulen fördert: ein ekir.de-Interview mit Landeskirchenrat Eckhard Langner, stellvertretender Leiter der Bildungsabteilung.

Landeskirchenrat Eckhard Langner LupeLandeskirchenrat Eckhard Langner

Sie haben mit Leiterinnen und Leitern kommunaler evangelischer Grundschulen in NRW intensiv beraten und Erfahrungen ausgetauscht. Alle Seiten sind von dieser Veranstaltung angetan und haben verabredet, diesen Austausch und die gemeinsame Arbeit fortzuführen. Was ist praktisch geplant?

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass die Initiative auf gute Resonanz gestoßen ist. Nach längerer Zeit haben wir, das heißt die Zwischenkirchliche Schul- und Bildungskonferenz der drei evangelischen Kirchen in NRW mit ihren Fortbildungsinstituten, gemeinsam verabredet, eine solche Tagung mit Schulleiterinnen und Schulleitern evangelischer Grundschulen in NRW durchzuführen. Insgesamt sind 27 Schulleiterinnen und Schulleiter unserer Einladung gefolgt. In der gastlichen Atmosphäre des PTI in Bonn-Bad Godesberg ist es gut gelungen, über die spezifischen Situationen der öffentlichen evangelischen Grundschulen in NRW ins Gespräch zu kommen. Das heißt insbesondere, über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, die die einzelne Schule vorfindet. Es macht einen Unterschied, ob sie sich im ländlichen Raum oder im städtischen Ballungsgebiet befindet.

Bei der gemeinsamen Arbeit wurde zusammengetragen, was die einzelnen Schulen mit konkreten Bausteinen eines evangelischen Profils ihrer Schule bereits zusammengetragen haben, oder dieses planen. Dabei sind die Vielfalt und der Reichtum dieser konfessionell orientierten Schulart beeindruckend gewesen.

„Evangelisch aus gutem Grund“ präsentiert sich mit einem profilierten religiösen Angebot von Schulgottesdienst, Einkehrtagen, Schulseelsorge und Kontaktstunde mit einem Erziehungs- und Bildungskonsens, in dem die religiöse Bildung einen deutlich elementaren Stellenwert besitzt. Es hat sich auch gezeigt, wie der Grundgedanke der Konfessionellen Kooperation die ökumenische Orientierung dieser Schulen bestimmt. Eine klare Bekenntnisorientierung schließt auch die Kooperation mit anderen Konfessionen und Religionen ein. Das ist gut evangelisch!

Praktisch geplant ist, eine Folgetagung im nächsten Jahr durchzuführen. Wir hoffen dort auch noch weitere Schulleiterinnen und Schulleiter ansprechen zu können. Verabredet wurde inhaltlich zum Thema „Inklusion“ gemeinsam zu arbeiten. Ein Thema, das derzeit alle Schulen in NRW beschäftigt. Aus der Perspektive eines evangelischen Bildungsverständnisses, das theologisch von der Gottebenbildlichkeit und der Teilhabegerechtigkeit geprägt ist, werden wir uns in dieser Arbeit mit einem Herzstück evangelischer Bildungsarbeit befassen.

Austausch ist das weitere Tagungsstichwort: Es hat sich gezeigt, dass das Lernen miteinander und voneinander in der Frage, was es heißt als evangelische Grundschule im öffentlichen Schulsystem unterwegs zu sein, von zentraler Bedeutung ist. Auch dafür soll genügend Raum sein.

Sie sagen, Themen der evangelischen Grundschulen sind beispielsweise Schulgottesdienste stärker etablieren und mit Kirchengemeinden vernetzen. Inwieweit gibt es daher bislang Defizite?

Ich würde nicht so gerne von Defiziten sprechen. Wir haben in der Tagung deutliche Signale vernommen, dass die Schulen eine große Bereitschaft signalisieren, mit den Kirchengemeinden vor Ort in eine stärkere Kooperation zu treten. Und das betrifft die natürlichen Schnittstellen, wie den Schulgottesdienst, die Kontaktstunde, aber auch Tage religiöser Orientierungen und andere gemeinsame Projekte. Hier gibt es in weiten Bereichen schon eine gute Praxis. Aber gute Praxis lässt sich immer noch ausbauen.

Inwiefern können PTI und PI dabei hilfreich mitwirken?

Bei der Tagung wurde auch deutlich, wie wichtig die Unterstützungssysteme der Kirche sind. Da spielen natürlich die beiden Institute der rheinischen und westfälischen Landeskirchen, also das PTI in Bonn-Bad Godesberg und das PI in Villigst, eine zentrale Rolle. Des Weiteren die Gemeinschaft Evangelischer Erzieher - ein kompetenter Ansprechpartner der Schulen für Schulentwicklungsfragen.

Die Schulreferate in den Kirchenkreisen sind natürlich unter dem Gesichtspunkt der Ortsnähe zumeist die primären Adressaten für die Anliegen der evangelischen Schulen. Ob es um Fortbildungen, ob es um Beratungsprozesse in den Schulen geht, oder manchmal auch um Vermittlungsdienste zwischen Kirchengemeinde und Schule.

Was werden die Grundschulkinder und ihre Eltern von diesen Dingen konkret spüren?

Sie erleben schon jetzt, dass das Bildungsangebot der evangelischen Grundschulen ihnen ein besonderes Erziehungs- und Bildungsprofil bietet. Es wäre schön, wenn es zukünftig gemeinsam gelingt, noch stärker zu verdeutlichen: „Wo evangelisch draufsteht ist auch evangelisch drin“ - um ein Wort von Altbischof Huber zu zitieren.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Schulen in beeindruckender Weise hier ihre konkreten Antworten finden und sie auch beispielsweise in Schulprogrammen oder Bildungs- und Erziehungskonsensen in Worte fassen. Wenn eine Schule beispielsweise formuliert „Als Geschöpf Gottes ist jeder Mensch einzigartig und wertvoll, unabhängig von seiner Leistung“, können Eltern sehr deutlich erkennen, was das Profil und das Leben einer Konfessionsschule prägt.

Wie wichtig sind der rheinischen Kirche die evangelischen Grundschulen?

Insgesamt haben wir in NRW an die hundert evangelischer Bekenntnisgrundschulen. Den evangelischen Kirchen in NRW sind diese Schulen wichtige Erziehungs- und Bildungspartner. Wir wollen sie darin unterstützen, ihr evangelisches Profil auszubauen, sie religionspädagogisch begleiten und eine Netzwerkbildung untereinander fördern.

Bekenntnisschulen sind - wie Gemeinschaftsgrundschulen - öffentlich-rechtliche Schulen in kommunaler Trägerschaft, also in der Regel Städtische Katholische oder Evangelische Grundschulen. Die Wahl der Schulart - Bekenntnisschule, Gemeinschaftsgrundschule oder Weltanschauungsschule - steht den Eltern zu Beginn eines jeden Schuljahres frei. In Bekenntnisschulen werden Kinder nach den Grundsätzen des betreffenden Bekenntnisses unterrichtet und erzogen. An Bekenntnisschulen dürfen Kinder aufgenommen werden, wenn sie dem entsprechenden Bekenntnis angehören, sowie Kinder, die dem Bekenntnis nicht angehören, deren Eltern aber die Unterrichtung und Erziehung im Sinne des Bekenntnisses der Schule ausdrücklich und übereinstimmend wünschen. In NRW gibt es 82 Bekenntnisschulen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 22. März 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 27. März 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 22.03.2012



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