Klaus Lohmann (1910-2002) Klaus Lohmann (1910-2002)

NS-Zeit

Mutiger Prediger in unklaren Zeiten

„Arbeit (Predigt). Besuche.“ So kurz, knapp und harmlos lautet einer der Tagebucheinträge. Im selben Jahr 1939, am 1. September, notiert Klaus Lohmann in seinem Tagebuch: „…es scheint tatsächlich Krieg zu geben. Gott behüte uns!“ 

Die Tagebücher des Vikars und Pastors der Bekennenden Kirche im Rheinland, Klaus Lohmann (1910-2002), aus den Jahren 1935 bis 1939 liegen nun veröffentlicht vor. „Frei ist heute nur, wer beten kann.“ So lautet der Titel des Bandes, den der rheinische Archivdirektor Dr. Stefan Flesch herausgegeben hat. Eine 23 Seiten umfassende biografische Skizze erleichtert den Einstieg in die Tagebücher, bringt den Theologen näher. Auch die zahlreichen Fotos tragen dazu bei.

Lohmann ist 25, von der Theologie Karl Barths geprägt und in kritischer Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus, als er 1935 Vikar der Bekennenden Kirche in Wuppertal wird. So erlebt er konspiratives Wirken von BK-Theologen hautnah mit, vor allem Johannes Schlingensiepen vom Bruderrat und innersten Kreis der rheinischen BK.

Herausgeber Flesch über Lohmann: „In seinen Tagebüchern werden wir Zeuge, wie ein junger Mann den Alltag im NS-System erfährt: Als Adlatus von Johannes Schlingensiepen in Wuppertal verkehrt er in den engsten BK-Zirkeln, in Trier predigt er mutig nach der Pogromnacht 1938 für die Juden als ,Christi Brüder’.“ Im Tagebuch heißt es dazu am 13. November 1938 lapidar: „Ich predige über Matth 25,31.46.“ Tags darauf: „Morgens telefoniert mich die Stapo an: ich solle erscheinen! Verhör wegen meiner gestrigen Predigt.“

Erlebte Kirchengeschichte

Flesch: „Aber er hat natürlich auch ein Privatleben, er wandert viel, feiert gern, verliebt sich, hat Schwierigkeiten mit seinen Ausbildern.“ Deshalb sind die Tagebücher „erlebte Kirchengeschichte, sie bilden aber auch eindrücklich den Alltag unter den Bedingungen eines totalitären Systems ab.“

Dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 vorausgegangen sind infolge der Trierer Predigt mehrere Vorladungen durch die Gestapo. Die Einberufung zur Kriegsmarine bei Kriegsausbruch rettet Lohmann vor weiterer Verfolgung. Bei seiner Beerdigung 2002 heißt es, Lohmann „focht für Klarheit in unklaren Zeiten“.

Stefan Flesch (Hg.): „Frei ist heute nur, wer beten kann.“ Die Tagebücher von Klaus Lohmann – Vikar und Pastor der Bekennenden Kirche im Rheinland 1935 – 1939. Schriften des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland Nr. 38, Düsseldorf 2013 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 23. September 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 25. September 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 25.09.2013



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