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Gedenkkerze in der Duisburger Salvatorkirche Gedenkkerze in der Duisburger Salvatorkirche

Loveparade-Katastrophe

"Die Namen der Verstorbenen nicht noch lange dieser Ruhelosigkeit aussetzen"

Hinterbliebene von Opfern der Loveparade-Katastrophe haben am Montag dem Oberlandesgericht Düsseldorf rund 362.000 Unterschriften einer Internet-Petition überreicht. Mit der Petition auf der Plattform change.org, von der Mutter eines Opfers angestoßen, wollen Angehörige und Opfer die Eröffnung eines Strafprozesses erreichen 

Das sagte die Rechtsanwaltskanzlei Baum, Reiter & Collegen, die nach eigenen Angaben etwa hundert Opfer und Hinterbliebene des Duisburger Unglücks vertritt. Am 24. Juli 2010 kamen im Gedränge und bei einer Massenpanik auf dem Veranstaltungsgelände des Musik-Großereignisses 21 Menschen ums Leben, mehr als fünfhundert wurden verletzt.

"Jeder mitfühlende Mensch hat großes Verständnis für das Bedürfnis der Hinterbliebenen, aller Opfer der Loveparade-Katastrophe sowie der Öffentlichkeit, die Gründe und Ursachen dieser Tragödie zu erfahren", erklärte Andreas Vitek, Pressesprecher des Oberlandesgerichts, am Montag. "Wie auch die anwaltlichen Vertreter der Hinterbliebenen zum Ausdruck gebracht haben, kann und wird der zuständige Senat unabhängig von der Petition ausschließlich nach Recht und Gesetz über die Beschwerde entscheiden."

Das Landgericht Duisburg hatte in erster Instanz im April die Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zugelassen und die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgelehnt. Als Begründung wurde darauf verwiesen, dass das für das Verfahren zentrale Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still nicht verwertbar sei.

Unter anderem monierte das Gericht, dass Still sich bei den Unglücksursachen lediglich auf örtliche Begebenheiten beschränkt und andere mögliche Ursachen nicht berücksichtigt habe. Nach Ansicht der Richter kommen als Ursachen aber nicht nur Planungs- und Genehmigungsfehler, sondern auch Maßnahmen wie Polizeiketten infrage.

Gegen diese Entscheidung hatte die Staatsanwaltschaft, die vier Mitarbeitern der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Bediensteten der Stadt Duisburg unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorwirft, eine Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt. Aufgrund der Bedeutung des Falles wurde die Generalsstaatsanwaltschaft eingeschaltet. Schließt sie sich der Beschwerde an, gehen die Akten an das Oberlandesgericht zur Entscheidung.

21 Glockenschläge

Am sechsten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe in Duisburg haben Hinterbliebene und Betroffene bei einer Gedenkfeier der Todesopfer gedacht. 21 Glockenschläge erinnerten bei der nicht-öffentlichen Veranstaltung der "Stiftung Duisburg 24.7.2010" am Sonntag am Unglücksort an die Verstorbenen. Am Abend war an der Gedenkstätte ab 21 Uhr wieder die von der Stadt ausgerichtete, öffentlich zugängliche "Nacht der 1.000 Lichter" geplant. Bereits am Samstag gedachten Eltern der Opfer in einem Gottesdienst ihrer ums Leben gekommenen Kinder.

Der Gedenkgottesdienst in der evangelischen Salvatorkirche in Duisburg fand auf Wunsch der Angehörigen nicht-öffentlich statt. Pfarrer Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Kuratoriumsmitglied der "Stiftung Duisburg 24.7.2010", rief in einer Ansprache zur Aufklärung der Katastrophe auf. Es gehöre auch zur Würde der Verstorbenen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahren müsse, sagte pensionierte rheinische Pfarrer und ehemalige Vorsitzende der Kindernothilfe, der sich auch als Vorsitzender des rheinischen Bibelwerks engagiert.

Nachdem das Landgericht Duisburg die Eröffnung eines Strafprozess abgelehnt habe, müssten nun juristisch und politisch neue Anstrengungen unternommen werden, "dass die Namen der Verstorbenen nicht noch lange dieser Ruhelosigkeit ausgesetzt bleiben", erklärte Thiesbonenkamp laut Predigtext. Er rief die Trauernden auf, sich gerade im Namen der Opfer dem Leben zu öffnen, das diesen verwehrt geblieben sei zu leben.

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epd / 25.07.2016



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