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Blick in die 1775 erbaute Saarbrücker Ludwigskirche. Blick in die 1775 erbaute Saarbrücker Ludwigskirche. Nun steht ihre Innenrenovierung an.

Innenrenovierung der Saarbrücker Ludwigskirche

Wenige gezielte Korrekturen

"Mit wenigen gezielten Eingriffen und Korrekturen" wird der Raum der Ludwigskirche in Saarbrücken künftig in seiner Substanz geschützt und besser genutzt. Das erklärte die Saarbrücker Architektin Dr. Rena Wandel-Hoefer, Vorsitzende der Jury des Architektenwettbewerbs zur Innenrenovierung der Ludwigskirche.

Prämiert und zur Weiterarbeit empfohlen hat die Jury den Vorschlag des Architektenbüros Oliver Brünjes. Das Büro Brünjes schlägt vor, die Altarinsel auf Nord- und Südseite freizustellen und dazu die im Moment unmittelbar anstoßenden ersten Bankreihen zu entfernen. Der Barock-Baumeister Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) hat die Ludwigskirche erschaffen.

Stengels sorgfältig geplante Geometrie der Bankstellungen soll nun so weit wie möglich rekonstruiert werden. Denn die derzeit nicht befestigten Bankreihen waren im Laufe der Jahre gewandert. Für die verdeckten Anschlüsse der Bankheizungen soll nun deren ursprüngliche Position fixiert werden. Mit angestellten Podesten entsteht mehr Platz rund um den Altar für Chöre und Orchester bei besonderen Gottesdiensten und Konzerten.

Der Infopoint und Aufenthaltsort der Kirchenhüter rechts vom Eingang soll neu gestaltet und vom Flächenbedarf gestrafft werden. „Mit einer dem barocken Innenraum angemessenen Gestaltung kann dieser für die touristischen Besucher der Kirche wichtige Anlaufpunkt besser integriert werden“, erläutert Wandel-Hoefer.

Fürstenstuhl, Empore und Gruft

Geändert werden soll die Nutzung des Fürstenstuhls und der dahinterliegenden Empore. Konfirmandenunterricht, Gesprächskreise oder Regieraum für Kirchenkonzerte sollen die künftigen Nutzungen sein. Problematisch erscheint der Jury dagegen die von Brünjes für die restliche Empore vorgeschlagene Ausstellung zur Geschichte der Ludwigskirche: Sie wäre nicht barrierefrei erreichbar.

„Die deutlichsten baulichen Eingriffe sind im Turm und in der unter der Orgelempore im Untergeschoss liegenden Gruft vorgesehen“, erläutert Wandel-Hoefer. Hier seien seit den 1950er Jahren durch komplizierte Einbauten Nebenräume für Sanitär und Technik entstanden, die grundlegend umgestaltet werden sollen. Dadurch könnten von außen barrierefrei erreichbare Sanitäranlagen geschaffen werden. In der Gruft sollen technische Anlagen Platz finden.

Behutsamer Umgang mit dem barocken Innenraum

Der Entwurf sieht vor, den Raum unter der Orgelempore, dessen Bankreihen nie belegt werden und der sich zum Abstellraum entwickelt hat, bis auf die ersten Bankreihen frei zu räumen. Er soll für die Gemeindearbeit und für Empfänge nach Konzerten nutzbar gemacht werden. Brünjes schlägt vor, eine verschiebbare Trennwand einzubauen. „Dieses architektonische Element stellt an die Architekten sicherlich die größten Ansprüche an behutsame Einfügung in den barocken Innenraum. In Abstimmung mit der Denkmalpflege erschien dem Preisgericht diese Abtrennungsmöglichkeit aber lösbar“, sagt die Jury-Vorsitzende.

Gerade im Vergleich unterschiedlicher Lösungsvorschläge habe sich für die Jury klar ergeben, wie die Ludwigskirche für musikalische, gemeindliche und touristische Zwecke stärker geöffnet und dabei das Werk des Barockbaumeisters Stengel in der historischen Bausubstanz sowie in den Rekonstruktionen des Wiederaufbaus seit dem Zweiten Weltkrieg respektiert werden kann, so Wandel-Hoefer.

Jury entschied einstimmig

Zehn Büros waren eingeladen worden, sich am Wettbewerb zu beteiligen, vier hatten Vorschläge eingereicht. Neben dem ersten Preis vergab die Jury zwei dritte Preise und einen vierten. Zur Jury gehörten unter anderem Julia Gartner-Negrin, Denkmalschützerin aus Paris, der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, sowie Professor Peter Boettcher als Vertreter der Kirchengemeinde. Die Jury entschied einstimmig.

Zur Innenraumrenovierung gehört auch die Erneuerung der Technik, der Einbau einer Warmwasserradiatoren-Heizung, einer neuen Beschallungsanlage und der Elektrik. Superintendent Christian Weyer: „Mit dem Einbau eines modernen Heiz- und Belüftungssystem wird der barocke Raum besser geschützt. Die bisherige elektrische Zusatzheizung, die unter einigen Bankreihen installiert ist, entspricht nicht mehr der heutigen Sicherheits- und Umwelttechnik.“ Außerdem sei es heute wichtig, den modernen Anforderungen an eine Veranstaltungstechnik zu genügen. Dazu hat das Büro Brünjes auch ein Lichtkonzept vorgelegt.

Barock trifft Moderne

Die Arbeiten an der Ludwigskirche gehören zum Projekt „Barock trifft Moderne – städtebauliche Einbindung des Barock-Ensembles Ludwigskirche in das Gesamtprojekt Stadtmitte am Fluss“. Für die Renovierung der Ludwigskirche stehen im Rahmen dieses Programmes 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich wird die Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken neben großem ehrenamtlichem Engagement auch Eigenmittel einbringen.

Schon in dieser Woche beginnen die Arbeiten zur Restaurierung der Steinfiguren auf der Attika des Gotteshauses, also dem Dachgesims. Sie werden mit einem großen Kran abmontiert, in eine Halle der Saarbrücker Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) gebracht, detailliert untersucht und dann restauriert soweit notwendig.

Die prämierten Vorschläge sind in der Ludwigskirche zu sehen, dienstags bis samstags, 11 bis 17 Uhr.

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ekir.de / evks.de, Helmut Paulus / 30.08.2016



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