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Etwa sechs bis sieben Gottesdienste im Jahr  gestaltet Jona Luther als Prädikant in seiner Kirchengemeinde in Bergisch-Gladbach. Etwa sechs bis sieben Gottesdienste im Jahr gestaltet Jona Luther als Prädikant in seiner Kirchengemeinde in Bergisch-Gladbach.

Ahnenfolge

„Bei uns predigt Luther!“

Ein Nachfahre des Reformators ist Prädikant in Bergisch Gladbach. Wie ist es, mit Martin Luther verwandt zu sein, seinen Namen zu führen und auch noch Prediger zu sein? Der Familienvater Jona Luther aus der Nähe von Köln kann davon erzählen.

Nein, er sieht nicht aus wie Luther, er ist viel schlanker. Aber er heißt Luther und ist ein Luther. Und auch er steht sonntags auf der Kanzel und predigt: Jona Luther ist Prädikant in Bergisch Gladbach und mit Martin Luther verwandt. Der 56-Jährige stammt aus der Linie Jacob Luther (1490-1571), des einzigen Bruders des berühmten Reformators. Die Verbundenheit mit der Kirche sei ein ausgeprägter Zug in seiner Familie, sagt Jona Luther: „Mein Vater und Großvater waren Pfarrer, ebenso zwei Onkel und zwei Cousins. Und meine Schwester ist Religionslehrerin.“

Natürlich wird Jona Luther oft auf den Namen angesprochen und gefragt, ob er verwandt sei. „Ich sage dann: Ja! Und klar, das bietet oft die Möglichkeit, ein Gespräch anzufangen.“ Allerdings weist er bescheiden darauf hin, dass es natürlich kein Verdienst sei, ein Luther zu sein. „Und etwas schenken tut man mir deswegen auch nicht“, sagt der Prädikant schmunzelnd. Aber immerhin kann seine Gemeinde in Bergisch Gladbach, die evangelische Heilig-Geist-Kirche, von sich sagen: „Bei uns predigt Luther!“

Etwa 5.000 Luther-Nachkommen gibt es weltweit

Schon als Kind habe ihm sein Vater ein dickes Buch gezeigt mit der Ahnentafel, in die er mittlerweile auch aufgenommen ist als offizieller Nachfahre der Seitenlinie Martin Luthers, berichtet Jona Luther. Etwa 5.000 Nachkommen des Reformators gebe es weltweit, sagt der Genealoge Hans Peter Werner von der Lutheriden-Vereinigung, in der sich Nachkommen und Verwandte zusammenfinden, die Ahnentafel pflegen und Familientreffen organisieren.

Werner, der in der zwölften Generation über Martin Luthers Sohn Paul aus der direkten Linie stammt, betont, dass nicht alle heute in Deutschland lebenden Menschen mit Nachnamen Luther auch tatsächlich mit ihm verwandt seien: „Manchmal ist der Name auch einfach entstanden oder Menschen haben sich bewusst so genannt.“

Der Name Luther aus der direkten Linie des Reformators selbst sei um 1756 ausgestorben: „Danach gab es keine männlichen Vertreter mehr, die den Namen weitergaben“, sagt Werner. Wer heute Luther heißt und mit ihm verwandt ist, stammt also wie Jona aus der Seitenlinie von Luthers Bruder Jacob.

Ein berühmter Verwandter? Kein Grund, sich selbst zu feiern

Jona Luther bedeutet seine Ahnentafel nicht allzu viel: „Ich fände es albern, mich selbst zu feiern, nur weil ich einen berühmten Verwandten habe.“ Zwar habe er aus dem elterlichen Pfarrhaus natürlich den christlichen Glauben mitgenommen. „Aber als junger Erwachsener habe ich mich eher anders orientiert, mich für Philosophie und andere Weltreligionen interessiert.“ Erst als er mit 30 Jahren seine koreanische Ehefrau kennenlernte, lebte er wieder den christlichen Glauben.

Der gelernte Versicherungsfachwirt, der fünf Kinder hat, machte eine zweijährige Ausbildung zum Prädikanten, wurde voll ordiniert und steht seitdem regelmäßig auf der Kanzel. Etwa sechs bis sieben Gottesdienste gestaltet er im Jahr. „Pro Gottesdienst bedeutet das eine Vorbereitungszeit von 30 bis 40 Stunden.“ All das tut Jona Luther ehrenamtlich, neben der vollen Berufstätigkeit.

Luther könne den Menschen heute durchaus noch einiges sagen, findet er: „Er hat viel erreicht und dabei großen Mut bewiesen.“ Heute gebe es wenig solche Menschen, „die auch unter Lebensgefahr widersprechen und sich treu bleiben“. Zudem habe der Reformator stets versucht, mit der Kraft seiner Worte zu überzeugen.

Komplexe Persönlichkeit mit Schattenseiten

Doch Jona Luther idealisiert seinen berühmten Vorfahren nicht. Luther sei weder Liberaler noch Freiheitskämpfer gewesen, betont er. „Ihm ging es um die Schrift, die Bibel, von der er sich gebunden fühlte. Und wenn es ihm nicht gelang, jemanden von seinen Vorstellungen zu überzeugen, dann wurde er sehr grantig.“

Luther sei eine sehr komplexe Persönlichkeit gewesen, auch mit Schattenseiten. „Aber wofür ich ihn bewundere, ist, dass er die Gemeinde auch durch selbst verfasste Lieder zum Singen gebracht hat, was vorher nur Aufgabe des Chors war.“

Und er habe die Menschen durch seine Bibelübersetzung in die Lage versetzt, selbst die Bibel zu lesen. „Er hat sie dazu aufgefordert, Gottes Wort selbst und unmittelbar zu erfahren und zu hinterfragen, was die Kirche den Menschen als richtigen Glauben lehrte und überstülpen wollte.“ Alles in allem also ein Name, für den man sich nicht schämen muss.

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ekir.de / epd/Barbara Driessen, epd-bild/Max Groenert / 21.09.2017



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