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Reformation Am Anfang war der Buchdruck. Was die Reformation in Zukunft weiterbringt, zeigt das Magazin „500 und jetzt?“. Das haben junge Kreative bei einem Workshop in nur neun Tagen produziert.

Reformation

Unglaublich!

Martin Luther? Ja klar, der. Die evangelische Kirche? Kennt man wohl. Reformation? War bestimmt ganz okay. Alles gesagt, alles geschrieben, alles durchgenudelt. Kann da überhaupt Neues kommen? Es kann: Das Magazin „500 und jetzt?“ beweist, dass die nächste Generation fit ist für die Veränderung.

Ein Magazin in neun Tagen zu produzieren, das ist eigentlich kaum machbar. Eine Konzeption entwerfen, recherchieren, schreiben, fotografieren, das Layout erstellen und mehrere Korrekturschleifen durchlaufen: Eine Gruppe junger Kreativer aus Sozialwissenschaft, Design, Fotografie und Kommunikation hat das in diesem Zeitraum geschafft: Bei einem Workshop der rheinischen Kirche zusammen mit dem Kölner gemeinnützigen Verein „Froh!“ schuf sie in genau neun Tagen das Heft „500 und jetzt?“. Inhalt ist die Reformation und ihre Bedeutung für die Zukunft.

Das Ergebnis ist schier unglaublich. In den Händen gehalten, wird es fassbar. Denn das Magazin ist schon haptisch ein Erlebnis – seine Seiten sind mal seidenglatt, mal spröde und riffelig, mal dünnhäutig wie eine abgegriffene Bibel. Die Augen erfreuen sich währenddessen an Hochglanzfotos, an Experimenten mit Lücken im Text und überbelichteten Bildern. Das kommt davon, wenn sechs bis sieben Gestalter und Gestalterinnen an einem Heft arbeiten und sich die Ideen zuspielen – und nicht wie bei den Print-Magazinen da draußen meist üblich, einfach wegrationalisiert werden.

Keine Schere im Kopf, keine Klischees im Geist

Unglaublich ebenso, was bei freier Hand, ohne Schere im Kopf und abseits aller über Jahre eingeschliffener Klischees im Geist inhaltlich alles möglich ist. In ihren Beiträgen haben die Anfang 20- bis Mitte 30-Jährigen kurzerhand die katholische und die evangelische Kirche zur Paartherapie gebracht. Sie haben 33 Luthers in Düsseldorf ausfindig gemacht und sie angerufen. Sie haben mit Kindern über Himmel und Hölle und mit künstlichen Intelligenzen über den Urknall gesprochen. Sie haben mit Medizinern den Menschen aufs Maul geschaut.

Erstaunliches gibt es dabei zu erfahren: Frau Luther ist eine IT-Projektmanagerin, die sich gerne mehr ehrenamtlich engagieren würde, Herr Luther wiederum war einer der ersten Grünen und spielt heute Golf. Die zehnjährige Mila meint, dass Knochen für den nächsten Menschen wiederverwertet werden, und ein Computerprogramm konstatiert: „Die Menge an Informationen, die in einem Anwalt gespeichert ist, wird von einer Maschine locker übertroffen werden.“

Jede Generation hat ihr Spezielles

Das Magazin blickt in die Zukunft. Sein Titel „500 und jetzt?“ war die grundlegende Frage bei Konzeption, Recherche und Gestaltung. Das Produkt lässt ahnen, wie es mit der nächsten Generation weitergeht, was sie reformieren und Tragfähiges schaffen wird. Denn im Heft denken die Jungen fundiert über Verantwortung und Nächstenliebe nach.

Da ist es hinnehmbar, dass „Ich“, „Wir“ und „Uns“ im Heft so oft vorkommen. Es mag an helikopternden Eltern oder den stetigen Ego-Botschaften der Sozialen Medien liegen, wenn in die Texte einfließt, dass die Magazinmacherinnen und -macher sich beim Autofahren langweilen, dass sie Hunger verspüren oder stolz auf ein Praktikum sind. Und schließlich hat die Generation davor ja auch ihr Spezielles: Trägt sie doch lustige Doppelnamen und verbreitet Binsenwahrheiten über die Wichtigkeit von Emotionen. Auch das ist im Magazin dokumentiert.

Eine Hommage an Druck und Nachtgebet

Zeit also für etwas Neues. Zeit, auf die junge Generation zu hören und das Magazin in die Hand zu nehmen. Es schmeißt ja auch nicht gleich alles über den Haufen, knüpft viel mehr in einer Geschichte an das Politische Nachtgebet der 80er Jahre an und feiert die Verbreitung des Buchdrucks mit einem beigelegten Pinup-Poster der Druckmaschine „Heidelberg“.

Sprache ist auch heute im Wandel. Seltener als gedruckt, fließen Wörter im binären Code. Damit umgehen kann keiner besser als die Digital Natives, aufgewachsen und zu Hause in der Welt des Internets. Fürs Magazin „500“ erschufen sie unter anderem eine großartige und mehrseitige Grafik, bei der man wirklich sehen kann, welche Worte und damit Inhalte bei einem biblischen Genesis-Text im Laufe der Jahrhunderte verändert worden sind.

Und jetzt? Gibt es in Zukunft mehr davon? Immerhin steht links oben auf dem Magazintitel „No 1“. Das lässt hoffen.

500 Magazin, März 2017, Auflage 3.500, kostenlos zu bestellen bei der Evangelischen Kirche im Rheinland unter christina.nahnsen@ekir-lka.de, Telefon 0211 4562-372

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ekir.de / Text: Sabine Eisenhauer / / 07.04.2017



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