Flüchtlinge in Marokko

Lage dramatisch verschlechtert

Verschärfte Repressalien gegen schwarzafrikanische Flüchtlinge in Marokko bestürzen diejenigen in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die sich seit längerem für diese Menschen einsetzen.

Spuren der Zerstörung: Die marokkanische Polizei geht immer schärfer gegen schwarzafrikanische Flüchtlinge vor. LupeSpuren der Zerstörung: Die marokkanische Polizei geht immer schärfer gegen schwarzafrikanische Flüchtlinge vor.

Immer rigoroser geht die marokkanische Polizei gegen die afrikanischen Flüchtlinge vor, deren menschenunwürdige Lebensverhältnisse sich zuletzt Ende Januar eine Delegation der rheinischen Kirche bei einem Besuch in Marokko ansah. Bereits im September und Dezember 2011 hatte es massive Razzien in Rabat und Casablanca gegen schwarze Flüchtlinge in Marokko gegeben. Nun haben Anfang April in Oujda auf dem Universitätsgelände und in den Wäldern, wie auch in Nador sowie in Hoceima nahe der Grenze zu Melilla erneute, noch heftigere Razzien stattgefunden. Unter anderem in Oujda war die rheinische Delegation im Januar selbst gewesen.

Der Jülicher Superintendent Jens Sannig sagt: „Bei unserer Reise konnte ich mich persönlich von den unhaltbaren und unmenschlichen Lebensumständen der Flüchtlinge überzeugen. Wenn es hier nochmals zu einer Verschärfung der Repressalien gegen die Menschen gekommen sein sollte, sind die Folgen für die Flüchtlinge kaum vorstellbar, weil sie buchstäblich nur mit dem nackten Leben davonkommen.“

Die Polizei soll die illegalen Flüchtlingslager teilweise mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht haben – es ist die Rede von 6 Uhr morgens. Es wurde dabei keine Rücksicht auf schwangere Frauen und kleine Kinder genommen. Flüchtlinge, die gefangen genommen werden konnten, sind über die algerische Grenze getrieben worden, wobei Algerien dies nicht akzeptiert und die wehrlosen Menschen wieder über die marokkanische Grenze zurück jagt.

Da es zu diesem Zeitpunkt in Marokko heftig regnete und es auch sehr kalt war, hat vor allem die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ die Flüchtlinge mit einfachen Plastikbahnen und Decken versorgt, aus denen sich die Flüchtlinge auf die Schnelle einen provisorischen Schutz aufbauen konnten. Aber am Abend ist zufolge von Quellen, die aus Sicherheitsgründen ungenannt bleiben müssen, die Polizei erneut gekommen und hat wiederum alles zerstört und die Menschen hilflos und verzweifelt ihrem Schicksal überlassen. Superintendent Sannig: „Hier können und dürfen wir nicht länger einfach nur zuschauen. Die Situation ist auf jeden Fall völlig untragbar“.

Den Flüchtlingsströmen nach Europa ist durch solche Maßnahmen nicht beizukommen; Krieg, Hunger, Ausbeutung und Unterdrückung in Afrika lassen den Flüchtlingsstrom nach Marokko trotz aller abschreckenden Maßnahmen nicht abreißen, ist man kirchlicherseits überzeugt und hofft auf öffentliche Solidarität. Momentan sind es besonders viele Flüchtlinge aus Mali, die, um ihr Leben zu retten, über Marokko nach Europa wollen.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 19. April 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 19. April 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 19.04.2012



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland – EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung