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Marokko

"Was dort geschieht, geschieht im Namen Europas"

Von katastrophalen Zuständen berichtet eine Delegation aus der Evangelischen Kirche im Rheinland nach dem Besuch afrikanischer Flüchtlinge in Marokko, Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen.

Gespräch mit Flüchtlingen in Marokko, u.a. mit dem Jülicher Superintendent Jens Sannig (l.). LupeGespräch mit Flüchtlingen in Marokko, u.a. mit dem Jülicher Superintendent Jens Sannig (l.).

Flüchtlinge leiden größte Not: mangels Essen, wegen nächtlicher Minusgrade und durch ständige Übergriffe der marokkanischen Polizei. Im ekir.de-Audio-Interview berichtet das stellvertretende nebenamtliche Kirchenleitungsmitglied Achim Schwabe von den Gesprächen mit Flüchtlingen, die die Delegation in illegalen Lagern traf. Menschen, die nach Europa wollten, Marokko nur als Durchgangsstation sehen und nun dort in notdürftigen Behausungen aus Ästen und Plastikfetzen leben, in und unter verrosteten Zügen auf Abstellgleisen. Ein Baby nur in einem Unterhöschen.

"Was dort geschieht, geschieht im Namen Europas", sagt Schwabe. Er ruft dazu auf, die Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Kirche in Marokko noch mehr zu unterstützen und politisch Druck zu machen. Die Abschottung an den EU-Außengrenzen sei Unrecht, führe zur Verletzung fundamentaler Menschenrechte. Langfristig gelte es, für bessere Lebenschancen der Menschen in ihren Herkunftsländern zu kämpfen.

 

Katastrophale Zustände: Interview mit Achim Schwabe

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Flüchtlinge in Marokko - sie leben u.a. unter abgestellten Zügen. LupeFlüchtlinge in Marokko - sie leben u.a. unter abgestellten Zügen.

Not und Elend der Flüchtlinge in Marokko seien schockierend, heißt es im Bericht über die Reise, an der neben Schwabe mit Susanne Degenhardt ein weiteres stellvertretendes nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied dabei war, dazu der Jülicher Superintendent Jens Sannig, die Landessynodale Heidi Janina Stiewink sowie der Migrationsexperte im Landeskirchenamt, Kirchenrat Rafael Nikodemus. Wer in die traumatisierten Gesichter der Flüchtlinge geschaut habe, wisse, wie wichtig die Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Kirche von Marokko ist, so der Bericht. Die Besuchsgruppe war in Lagern in Oujda, Fes und Rabat. Die durch die Blockadepolitik an den EU-Außengrenzen entstandene Lage sei unerträglich.

 

 

Flüchtlinge in Marokko: Kirchenpräsident Samuel Amedro mit einem zwei Monate alten Flüchtlingskind. LupeFlüchtlinge in Marokko: Kirchenpräsident Samuel Amedro mit einem zwei Monate alten Flüchtlingskind.

Persönliche Hilfe ist verboten, die Nothilfe der Kirche wird geduldet: Die kleine Evangelische Kirche in Marokko stellt auf die Beine, was irgendwie geht. Lebensmittelpakete, dringendste medizinische Versorgung - das gehört zu ihrem Notprogramm für die Flüchtlinge, die wund an Körper und Seele in Marokko festhängen. Die dortige Polizei zerstört illegale Lager, selbst notdürftige Zelte, wenn sie ihnen auf die Spur kommt. Mit Kirchenpräsident Samuel Amedro und anderen besprach die Reisegruppe weitere Unterstützung und Projekte aus der rheinischen Kirche in der nächsten Zeit. 

Heidi Janina Stiewink, Landessynodale und seit langem in der Partnerschaftsarbeit mit Burkina Faso aktiv, trifft in Marokko Flüchtlinge aus Burkina Faso. LupeHeidi Janina Stiewink, Landessynodale und seit langem in der Partnerschaftsarbeit mit Burkina Faso aktiv, trifft in Marokko Flüchtlinge aus Burkina Faso.

"Wir wollen nur in Frieden leben, nicht ständig von der Polizei aufgeschreckt und gejagt werden", sagen die beiden Flüchtlinge aus Burkina Faso zur Landessynodalen Heidi Janina Stiewink, die selbst seit Jahrzehnten in Burkina Faso engagiert ist. Die rheinische Delegation hat mit eigenen Augen kurz zuvor polizeilich zerstörte Behelfszelte gesehen.

Für den kommenden Sonntag Reminiszere lädt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zur Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen ein - in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Maghreb. Dabei soll an diesem zweiten Passionssonntag, 4. März, besonders für die Glaubensgeschwister in Algerien, Marokko und Tunesien gebetet werden. Anders als ursprünglich geplant und im gedruckten Materialheft zum Sonntag Reminiszere gilt auch die Kollekte der „Hilfe für verfolgte Christen“ durch die EKD; maßgeblich ist die Online-Version der Materialhilfe.

In den Umwälzungen des "arabischen Frühlings" drohe vielen, auch christlichen Minderheiten in Nordafrika ein "menschenrechtlicher Winter", schreibt der EKD-Ratsvorsitzende und rheinische Präses Nikolaus Schneider im Grußwort des Materialheftes. Für sie soll in den Gottesdiensten am Sonntag gebetet werden.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 24. Februar 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 1. März 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 24.02.2012



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