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Produktion des Audio-Magazins „Refugee FM“im Studio von „Radio Wuppertal 107,4“. Der Syrer Ahmad Idriss (links) recherchiert bei dem Projekt mit seinem Landsmann Delchad Heji Berichte und Nachrichten für die Fluechtlinge in der Stadt. Unterstützt werden s Produktion des Audio-Magazins „Refugee FM“im Studio von „Radio Wuppertal 107,4“. Der Syrer Ahmad Idriss (links) mit Chefredakteur Georg Rose (Mitte) und Projektkoodinatorin Katja Dummer (rechts).

Medienethischer Sonderpreis der Kirchen

Ausgezeichnetes Online-Magazin für Flüchtlinge

Tipps für Handy-Tarife und Warnung vor Abzocke: Flüchtlinge in Wuppertal werden durch das Magazin "Refugee FM" unterstützt, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dieses wurde nun mit dem Medienethischen Sonderpreis der Kirchen in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. 

Sie leben in einem fremden Land, in dem sie sich Schritt für Schritt zurechtfinden müssen: die Sprache lernen, eine Wohnung finden, Arbeit suchen oder eine Ausbildung beginnen. Dieser Herausforderung müssen sich die rund 8.000 Flüchtlinge in Wuppertal ebenso wie in anderen Städten und Gemeinden stellen.

Alltagstaugliche Tipps und Informationen für den Start in der neuen Heimat fehlen oft, zumal die Flüchtlinge in Wuppertal dezentral in Wohnungen untergebracht sind. Eine besondere Hilfe bietet ein Audiomagazin des Lokalfunks, bei dem Flüchtlinge mitarbeiten und das übers Internet abgerufen werden kann.  

Ausgezeichnet von den Kirchen

Nur wenige Monate nach dem Start im Sommer wurde das bundesweite Pilotprojekt „Refugee FM“ des Privatsenders „Radio Wuppertal 107,4“ nun ausgezeichnet: Es erhielt den Medienethischen Sonderpreis der evangelischen und katholischen Kirchen in NRW zu den Hörfunkpreisen der Landesanstalt für Medien (LfM) in NRW.

Die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung  wurde bei der Vergabe der diesjährigen Hörfunkpreise der LfM durch Kirchenrat Volker König, Leitender Dezernent für Politik und Kommunikation im Landeskirchenamt der rheinischen Kirche, überreicht. Er ist für die evangelischen Kirchen Mitglied in der Medienkommission der LfM und leitet dort den Ausschuss für Medienentwicklung und Medienordnung.

"Wir schaffen das" 

Die Verleihung des Medienethischen Sonderpreises sei sicherlich ein Highlight der diesjährigen Hörfunkpreisverleihung gewesen, so König. Das zeigte sich auch beim Online-Dienst Twitter, wo jemand twitterte: "Wenn ein syrischer Neubürger einen deutschen Hörfunkpreis bekommt und sagt ,Es ist ein Traum', dann weißte: Wir schaffen das."

Die Kirchen würdigen mit dem 2015 gestifteten Sonderpreis herausragende Beiträge in den 45 Privatradios in NRW, die Grundwerte des gesellschaftlichen Zusammenlebens thematisieren oder sich am christlichen Menschenbild orientieren. Der LfM-Hörfunkpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Insgesamt zeichneten die Jurys elf Produktionen in zehn Kategorien aus.

Die Redaktion stemmt „Refugee FM“ aus eigener Kraft

Das Magazin „Refugees FM“ verbreitet alle zwei Wochen online Berichte auf Deutsch, Arabisch und Englisch, von denen viele auch im normalen Radioprogramm laufen - alle Hörer bekommen so mit, was Flüchtlinge in ihrer Stadt bewegt. Die Beiträge warnen beispielsweise vor Abzocke bei der Wohnungssuche durch sogenannte Schwarzmakler, stellen günstige Handy-Tarife für Telefonate ins ferne Ausland vor oder berichten über Zwangsheirat und Gewalt gegen Frauen. Kriminalität und islamistische Gewalt werden nicht ausgeblendet und auch ein Thema wie Sankt Martin, das den christlichen Kulturkreis näherbringen soll, kommt zur Sprache.  

„Wir haben uns überlegt, wie wir als Journalisten den Flüchtlingen helfen können“, erläutert Redaktionsassistentin Katja Dummer, die das Projekt koordiniert. „Dazu ist es wichtig, über Themen zu berichten, die für die Flüchtlinge in der Stadt wichtig sind.“ Chefredakteur Georg Rose betont, Radio Wuppertal verstehe sich als Sender für alle Bürger der Stadt, „und deshalb möchten wir auch für unsere neuen Nachbarn Informationen liefern“. Die Redaktion stemme „Refugee FM“ ohne zusätzliches Budget aus eigener Kraft.  

Zwei geflüchtete Journalisten recherchieren die Themen

Doch wie erfährt man am besten, was Flüchtlingen auf den Nägeln brennt? Dafür sorgen Ahmad Idriss und Delchad Heji. Die beiden 24-jährigen Syrer recherchieren als Mitarbeiter des Senders die Themen und sprechen auch die Beiträge mit ein. Beide sind vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Sie sammelten in ihrer Heimat bereits journalistische Erfahrung und leben nun seit einigen Monaten in Wuppertal.  

„Ich bekomme viele Themen über Freunde und Nachbarn vermittelt“, erzählt Idriss, der zurzeit ein Praktikum bei Radio Wuppertal macht. Bei seinen Recherchen stellte er fest, dass kritische Äußerungen in Medien für manche Flüchtlinge noch Neuland sind. „In Syrien gibt es nur das Staatsfernsehen“, sagt er. „Deshalb haben viele Angst, frei zu sprechen.“ Bei den Flüchtlingsfrauen seien die Hemmungen noch größer. Deshalb werden deren Äußerungen in den Beiträgen oft von einer Redakteurin gesprochen.  

Das Format wird inzwischen auch überregional angeklickt

Knapp zehn Minuten ist jede Ausgabe von „Refugee FM“ lang, gesammelt werden sie auf der Internetseite von Radio Wuppertal. Die Redaktion geht davon aus, dass sich das Format unter den Flüchtlingen herumspricht und inzwischen auch überregional angeklickt wird. „Letztendlich bilden ja die Themen, die Flüchtlinge in Wuppertal bewegen, die Probleme der Flüchtlinge in ganz Deutschland ab“, sagt Dummer. Vor allem Arbeit und Ausbildung stehen nach ihren Worten obenan.  

Chefredakteur Rose kann sich daher gut vorstellen, „Refugee FM“ auch landesweit zu gestalten. Dies sei allerdings eine Budget-Frage. Auch Kollegen anderer Radiosender verfolgten das Format mit Interesse: „Viele würden so etwas auch gerne machen, bekommen es aber mit ihrer Manpower nicht gestemmt.“  

Absolut verdient

Wie in allen Redaktionen ist bei Radio Wuppertal der Arbeitsdruck hoch. „Refugee FM“ wurde mit seinen Redaktionskonferenzen und der Übersetzungsarbeit für die dreisprachigen Beiträge dennoch zwischen die bestehenden Arbeitsabläufe geschoben. „Wir bekommen es gut hin und möchten es auch weitermachen“, sagt Rose. Die Arbeit mit Delchad Heji und Ahmad Idriss habe in der Redaktion alle für die Belange der Flüchtlinge noch offener gemacht. 

Ein Online-Magazin von Flüchtlingen für Flüchtlinge - "schon diese Idee hat Vorbildcharakter", heißt des in der Begründung der Jury, der epd-West-Chefredakteur Ingo Lehnick vorstand. "Überzeugend und beeindruckend ist aber auch die aufwändige Umsetzung der vielfältigen Themen und Formate." Deshalb habe "Refugee FM" den Preis absolut verdient. Die Jury hofft, dass das Projekt als bundesweites Pilotprojekt wirkt und viele Nachahmer findet.

 

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ekir.de / epd, Frank Bretschneider, neu, Foto: epd-Bild / 29.11.2016



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