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Präses Manfred Rekowski taucht in das Freizeitprojekt 'Mini-Nippes' ein. Präses Manfred Rekowski tauscht sich mit Larissa und Lucia aus, die ihn durch das Sommerferienangebot "Mini-Nippes" führen.

Präses besucht Planspiel "Mini-Nippes"

"Null Bock ist hier selten"

„Das ist ja eine gigantische Organisation!“ Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, ist einfach begeistert vom Kinderferienangebot "Mini-Nippes" in Köln. Stolz trägt er sein Teamer-Shirt, das er für seinen Besuch des Planspiels bekommen hat. So taucht er flugs ins Geschehen ein.

In der Bäckerei der Kinderstadt In der Bäckerei der Kinderstadt "Mini-Nippes".

Man merke, dass ein solches Projekt nur durch ein intensives Zusammenspiel aller Beteiligten möglich sei, erklärte der Präsees weiter. Er besucht jetzt im Sommer mehrere Projekte in der Evangelischen Kirche im Rheinland, nun also der Blick in die Jugendarbeit. „Mich interessiert, welche Motivation Jugendliche haben, sich so zu engagieren“, sagte er im Gespräch mit einigen der insgesamt 40 Teamerinnen und Teamer, die zusammen mit drei Hauptverantwortlichen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes und der ev-angel-isch gGmbH das zweiwöchige Ferienprogramm auf dem Gelände der evangelischen Lutherkirche im Kölner Stadtteil Nippes realisieren.

160 Kinder, 15 von ihnen aus Flüchtlingsfamilien. Sie sind zwischen neun und zwölf Jahre alt. Sie nehmen jeweils eine Woche an dem rieisigen Planspiel teil, in dem es darum geht, die alltäglichen Abläufe einer Stadt spielerisch zu erfahren, Verantwortung in einem Gemeinwesen zu erproben und Berufe auszuprobieren. Erwachsene bleiben außen vor, nur die Teamerinnen und Teamer stehen den Kids zur Seite. Und an diesem einen Tag darf der Präses in seinem Teamer-Shirt ausnahmsweise mit durch diese Kinderstadt spazieren.

Die KInder verwalten ihre Stadt selbst - und auch ihr Geld. Die KInder verwalten ihre Stadt selbst - und auch ihr Geld.

Bezahlt wird mit Nippis

Der Ablauf ist jeden Tag derselbe: Nach dem Einchecken gehts in die Bürgerversammlung - dort werden die Gruppen eingeteilt. Danach wählen die Kinder im Jobcenter zwischen rund 20 Berufen und Tätigkeiten. Müllabfuhr, Radiosender oder Zeitungsredaktion sind im Angebot. Eine Smoothie-Bar, ein Juwelier und eine Nähstube, eine Bäckerei, ein Sportpark, ein Lebensmittelgeschäft und ein Baumarkt. Auch eine Seelsorgerin gab es schon. Die Kinder können jeden Tag eine andere Aufgabe übernehmen oder auch mehrmals am Tag wechseln.

Natürlich wird auch Geld verdient. Es gilt die Camp-Währung Nippi. Fünf Nippis gibt es für eine halbe Stunde Arbeit. Die können dann in der Freizeit wieder ausgeben werden – allerdings erst, nachdem ordentlich Steuern beim Finanzamt gezahlt wurden.

Natürlich hat Natürlich hat "Mini-Nippes" auch eine Polizei.

Demokratische Suche nach Lösungen auf der Bürgerversammlung

Mini-Nippes hat natürlich auch eine Bank, eine Polizei und eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister. „Die Kandidaten bereiten gerade ihre Wahlkampfreden vor, denn heute Abend wird in der Bürgerversammlung der Bürgermeister für diese Woche gewählt“, erklärt Katrin Reher, Geschäftsführerin der ev-angel-isch gGmbH und eine der Hauptorganisatorinnen.

Während der Bürgerversammlung können die Bewohnerinnen und Bewohner von Mini-Nippes Probleme ansprechen, Anträge stellen oder Beschwerden einreichen. Gemeinsam mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister werde demokratisch nach Lösungen gesucht – zum Beispiel, wenn die Polizei zu rabiat vorgeht, die Freizeitangebote verbessert werden müssen oder gar die Bank ausgeraubt wird.

Präses Manfred Rekowski beim Besuch in Präses Manfred Rekowski beim Besuch in "Mini-Nippes".

Gerechter als in der realen Welt

„Was bewirkt es denn für die Kinder, die eine Woche in Mini-Nippes dabei waren“, will der Präses von den Teamerinnen und Teamern wissen. Eine der Antworten: „Die Kinder besprechen das zu Hause weiter.“ Beispielsweise sei der Wert des Geldes plötzlich Thema beim Abendessen zu Hause gewesen, weil wegen übergroßer Nachfrage der Preis für das Eis in die Höhe geschnellt war.

Außerdem erleben die Kids Gemeinschaft, dürfen Verantwortung übernehmen und vor allem ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ausleben. In Mini-Nippes gehe es nämlich gerechter zu als in der realen Welt, laute die Rückmeldung vieler Teilnehmender.

Die Aufgabe der Teamer beschreibt einer von ihnen, Johannes, so: „Wir sind da, um die Kinder zu unterstützen und zu begleiten, vor allem am Anfang, wenn sie in ihre Jobs eingearbeitet werden. Dann ziehen wir uns aber langsam zurück und lassen sie gewähren.“ Johannes ist zum vierten Mal als Teamer dabei.

„Und was sagen Eure Freunde, wenn Ihr ihnen erzählt, dass Ihr Euch hier in den Ferien engagiert“, will Rekowski weiter wissen. Die Reaktionen seien gemischt, erfährt er. Manche würden sich ärgern, dass sie sich zu spät als Teamer angemeldet haben, andere verstünden nicht, warum man nicht was Besseres wie zum Beispiel Urlaub in den Ferien mache.

Ein bisschen Ordnung muss sein. Ein bisschen Ordnung muss sein.

„Das, was Ihr macht, hat viel Potenzial“

Rekowski lobt das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen und ihren großen Zeiteinsatz. „Ihr helft dabei, dass Kinder lernen, wie so ein Gemeinwesen funktioniert." Er sei überzeugt, "dass das, was Ihr hier macht, viel Poteztial hat“. Dazu passt Johannes' Einschätzung: „Wir lernen hier ja auch eine Menge und machen wertvolle Erfahrungen.“

Der 13-jährige Luis ist Mini-Teamer, das heißt, bis letztes Jahr war er noch Teilnehmer, wofür er in diesem Jahr zu alt ist. „Wir werden ja nicht gezwungen, hier mitzuarbeiten“, stellt er klar. „Das macht ja auch Spaß. Ich bin dabei, weil ich das Projekt toll finde und hier nützlich bin.“

Ob sie denn auch schon mal von den Teilnehmenden genervt seien, auch das fragt der Präses. Wenn er an seine Konfirmandengruppen denke, die hätten ihn manchmal ganz schön geschafft und es auch mit den von ihm aufgestellten Spielregeln nicht immer so genau genommen. Hanna, zum zweiten Mal bei Mini-Nippes dabei und Teamerin in der Bäckerei: „Wir werden an zwei Wochenenden gut geschult und lernen, als Team zusammenzuarbeiten und mit Konfliktsituationen umzugehen.“ Jeder helfe jedem.

Arbeiten in der Schreinerei Arbeiten in der Schreinerei

Die Kinder entscheiden selbst, und das gefällt ihnen

Luis kommentiert: Letztendlich lerne man aus schwierigen Situationen mit Teilnehmenden eine Menge, das sei doch positiv. Hanna dagegen sieht nicht viele Konflikte: „Die  Kinder können selbst entscheiden, was sie machen wollen, das gefällt ihnen."

Sie können sogar eigene Betriebe gründen. Es gibt ein Startkapital in Höhe von 100 Nippis, dafür gibt die Bank einen Kredit. Natürlich fällt auch Gewerbesteuer beim Finanzamt an. Der neu gegründete Sandwich-Stand zum Beispiel ist sehr erfolgreich. Aber, erzählen Organisatoren, es gibt auch Betriebe, die pleite gehen. Zum Beispiel im letzten Jahr ein Kino, das bei schönem Wetter keinen Zulauf hatte. Für Rekowski ist klar: „Null Bock ist hier also selten.“

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ekir.de / Susanne Hermanns, Fotos Anna Siggelkow / 25.07.2017



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