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Frauenanteil in Führungspositionen in den vergangenen zehn Jahren nur marginal gestiege: NRW-Ministerin Barbara Steffens. Frauenanteil in Führungspositionen in den vergangenen zehn Jahren nur marginal gestiegen: NRW-Ministerin Barbara Steffens.

Pionierinnen im Pfarramt (2)

„Wir müssen weiterkämpfen“

Barbara Steffens, Ministerin des Landes Nordrhein-Westfalen für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, kam beim Festtag im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn sofort zur Sache. 

Auf jeden Fall gratuliere sie der Evangelischen Kirche im Rheinland für die nun 40-jährige Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Pfarramt, sagte die NRW-Ministerin. Aber eigentlich sei es dann, wenn es um Leitungsämter gehe, doch in den Kirchen wie in der Gesellschaft immer noch so: „Die Männer haben das Amt. Und die Frauen kochen den Kaffee. Es gibt also weiterhin eine strukturelle Benachteiligung von Frauen. Wir müssen also weiter für die Gleichstellung kämpfen.“

Ein Raunen ging durch den Raum. Das Steffens mit jeder Menge Zahlenmaterial beantwortete. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen sei in den vergangenen zehn Jahren nur marginal gestiegen. Derzeit betrage er in der Gesellschaft immer noch nur 29 Prozent.

Von den 2,7 Millionen Mitgliedern der Evangelischen Kirche im Rheinland seien 55 Prozent Frauen. Aber ganz oben in den Chefetagen säßen sie keineswegs in diesem Anteil, so Steffens. Und auch bei den Pfarrstellen sei es ja wohl so, dass nur 35 Prozent im Rheinland von Frauen besetzt seien, und die Hälfte davon arbeite nur in Teilzeit.

„Was müssen wir also in Gesellschaft und Kirche ändern?“, fragte die Ministerin. Planbare Regelarbeitszeiten und Arbeitsstrukturen müssten her, damit Frauen mit Familie das Pfarramt anstreben könnten. Dazu seien aber auch weitere Hilfen zur Absicherung nötig, gab Steffens auch der Kirche als Rat mit.

Noch sehr viel Luft nach oben: Präses Manfred Rekowski. Noch sehr viel Luft nach oben: Präses Manfred Rekowski.

Präses: "Es gab ein Versagen der Kirchenleitung"

Präses Manfred Rekowski bekannte, dass ihn die Ausführungen der Ministerin, ja der gesamte Festtag sehr zum Nachdanken gebracht hätten. Leitungsämter auch in der Kirche seien mit „viel Unbarmherzigkeit“ verbunden, so Rekowski. „Wir müssen sie so gestalten, dass sie für Männer wie für Frauen gleichermaßen lebbar werden. Wir müssen Verantwortung delegierbar machen. Da ist noch sehr viel Luft nach oben.“

Den Pionierinnen der Rheinischen Kirche zolle er im übrigen großen Respekt. „Es gab da ein Versagen der Kirchenleitung. Da dürfen wir heute nicht einfach den Deckel zumachen.“

Vizepräses Christoph Pistorius würdigte den Kampf der Theologinnen gegen eine wenig hinterfragte Männermacht. Vizepräses Christoph Pistorius würdigte den Kampf der Theologinnen gegen eine wenig hinterfragte Männermacht.

Vizepräses: "Es war ein langer Kampf"

Vizepräses Christoph Pistorius hatte zuvor die 40 Jahre Gleichberechtigung im Pfarramt gewürdigt. „Ohne die Pfarrerinnen wäre unsere Kirche heute geistlich, theologisch, spirituell und zwischenmenschlich um vieles ärmer, langweiliger und geistloser.“ Die Landeskirche habe allen Grund zur Freude über den gemeinsamen Dienst, den Pfarrerinnen und Pfarrer seitdem in der Kirche täten.

Es habe aber lange gedauert, ehe 1975 dieser Teil der Gleichberechtigung Wirklichkeit geworden sei: „Es war ein langer Kampf. Viele unschöne Auseinandersetzungen mussten geführt werden für etwas, was uns heute so selbstverständlich ist. Diese Auseinandersetzung haben vielfach Frauen geführt – gegen eine nur wenig hinterfragte Männermacht.“

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ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Fotos Anna Siggelkow / 20.11.2015



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