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Mirjam-Sonntag Lea, Rahel, Jakob und die Kinder: Bausteine stellen ihre Beziehung dar.

Mirjamsonntag

Kinder, Karriere und Konkurrenz

Die biblische Geschichte der Schwestern Lea und Rahel ist Thema des Mirjamsonntags am 28. August 2016. Sie wirft Fragen zu Anerkennung und Ablehnung, Wettkampf und Solidarität auf, sagt die Evangelische Studierendengemeinde Aachen, die das Arbeitsheft zum Sonntag erstellt hat.

Die Handlung birgt Stoff für ein Hollywood-Drama: Die Schwestern Lea und Rahel lieben Jakob, der liebt aber nur Rahel, muss Lea jedoch auch heiraten, die ihm ein Kind nach dem anderen schenkt, während Rahel erst gar nicht und später nur nach einem Deal mit Lea schwanger wird.

Beim Mirjamsonntag der rheinischen Kirche steht am 28. August 2016 diese alttestamentliche Geschichte um Lea und Rahel im Mittelpunkt. Benannt nach der Prophetin Mirjam hatte die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland den 14. Sonntag nach Trinitatis zum jährlichen Mirjamsonntag und damit zu einem Tag der kirchlichen Solidarität mit den Frauen bestimmt.

Anregungen für die eigene Gemeinde

Als Vordenkerinnen haben sich in diesem Jahr die Frauen der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Aachen mit dem Text zum Mirjamsonntag auseinandergesetzt. Zur Erzählung um Lea und Rahel aus Genesis 29 und 30 erstellten sie das Arbeitsheft „Zu kurz gekommen, Konkurrenz als Frauenthema“.

Es dient Frauengruppen in der Evangelischen Kirche im Rheinland als Anregung zum Vorbereiten des Mirjamsonntags in der eigenen Kirchengemeinde.

Mehr als ein privates Beziehungsdrama

„Auf den ersten Blick scheint es um eine rein private Geschichte der Familiengründung und des konkurrierenden Werbens um den gemeinsamen Ehemann zu gehen“, sagt Swantje Eibach-Danzeglocke, Pfarrerin der ESG Aachen. Um das Beziehungsgeflecht innerhalb der Handlung zu verstehen, hatte ihr Vorbereitungskreis hölzerne Bausteine mit Gesichtern versehen und sie zueinander, aufeinander und nebeneinander sortiert.

Beim intensiven Beschäftigen mit der Erzählung sei schnell deutlich geworden, dass die als Familiengeschichte stilisierte Erzählung eine Fülle gesellschaftlicher Fragen in sich trage, erklärt Pfarrerin Eibach-Danzeglocke. „Es geht hier um Anerkennung und Ablehnung, um Kränkung und Stolz, um Konkurrenz und Solidarität.“

Erfahrungen aus Industrie und Wirtschaft

Die von der ESG im Arbeitsheft angebotenen Bausteine zu Liturgie, Predigt und kreativer Gestaltung greifen daher auch die Diskussion um Kinder und Karriere auf, sie thematisieren Rabenmütter und Helikoptereltern, den Beistand Gottes für die Schwachen und Unglücklichen sowie die Sicht von Frauen auf andere Frauen.

Die jungen Frauen aus dem Vorbereitungskreis der ESG studieren an der Rheinisch-Westfälischen-Technischen Hochschule und der Fachhochschule Aachen. Beide Hochschulen sind technisch geprägt, der Frauenanteil liegt bei einigen Studiengängen bei 30 Prozent. „Anstelle pädagogisch-theologischer Ansätze, sind bei diesen Vorbereitungen daher Erfahrungen von Frauen eingeflossen, die in Naturwissenschaft, Industrie und Wirtschaft tätig sind“, sagt Pfarrerin Eibach-Danzeglocke.

Tratschen, lästern, schimpfen ...

„Jede von uns war irgendwie stolz auf den Platz, den sie sich in diesem harten Studium und unter all den Männern erkämpft hatte und war nur sehr eingeschränkt dazu bereit, diesen Platz zu teilen – so wurde über die anderen Studentinnen getratscht, gelästert und geschimpft“, beschreibt eine Maschinenbau-Ingenieurin im Arbeitsheft ihre Erfahrungen.

Frauen falle es oft schwer, sich nur auf fachlicher Ebene mit einer Kollegin zu messen: „Ganz automatisch beziehen sie in den Vergleich das Aussehen, den Charakter und die Lebensphilosophie mit ein.“

Konkurrenz entsteht, wo Mangel herrscht

Konkurrenz ist ambivalent. Auch zu diesem Schluss kommen die Frauen der ESG: „Wettbewerb kann die Leistung steigern, er führt aber auch zu Druck und Entsolidarisierung.“ Konkurrenz entstehe dort, wo ein Mangel herrsche, fasst Swantje Eibach-Danzeglocke zusammen: „Fehlt es an Arbeit, Kinderbetreuung oder wirtschaftlicher Sicherheit, droht ein unguter Wettkampf“.

Am Mirjamsonntag seien daher alle Beteiligten eingeladen, sich gemeinsam auf die Suche zu machen – nach Situationen gnadenloser Konkurrenz, bei denen Menschen zu kurz kommen, sowie nach Wegen zu einem guten und solidarischen Miteinander.

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ekir.de / eis / Foto: Evangelische Studierendengemeinde Aachen / 18.04.2016



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