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'Mitumba'-Aktion beim Jugendcamp 2014. "Mitumba"-Aktion beim Jugendcamp 2014.

Jugendcamp

Das Geschäft mit alten Klamotten

"Come in! Very cheap, very good", preist ein Afrikaner in der Aula des Siegburger Stadtmuseums seine Ware an. Der Raum hat sich kurzzeitig in einen afrikanischen Kleidermarkt verwandelt. "Mitumba - A Happening" heißt die Veranstaltung beim Jugendcamp.

Stephanie Thiersch (Mitte) hat das Mitumba-Projekt vor drei Jahren mit ins Leben gerufen. Stephanie Thiersch (Mitte) hat das Mitumba-Projekt vor drei Jahren mit ins Leben gerufen.

"Mitumba" ist Kisuaheli und bedeutet Alte Kleidung. Diese wird auf dem Markt an verschiedenen Ständen angeboten. Afrikanische Männer und Frauen rufen laut durcheinander, sie versuchen sich zu überbieten und den Besuchern ihre Klamotten zu verkaufen. Straßenmusiker machen Musik, die Händler beginnen zu tanzen. Die jugendlichen Besucherinnen und Besucher sind zunächst verwirrt: Ist das echt oder ist das Performance? 

Es ist ein bisschen von beidem, sagt die Kölner Choreografin Stephanie Thiersch, die "Mitumba" mitentwickelt hat.  Bei dem internationalen Tanzprojekt sind die Marktszenen gestellt, es werden aber echte Altkleider verkauft. 

"Mitumba" ist vor drei Jahren als Zusammenarbeit afrikanischer und europäischer Künstler entstanden. "Altkleider ist ein Thema, das Europäer wie Afrikaner gleichermaßen betrifft", sagt Thiersch. "Viele Menschen in Deutschland glauben, dass ihre Altkleiderspenden in Afrika kostenlos an Arme verteilt werden. Tatsächlich müssen Afrikaner die Kleidung in großen Bündeln kaufen, in mühevoller Arbeit sortieren und einzeln auf Märkten weiterverkaufen."

Oft werde dadurch die lokale Textilwirtschaft zerstört. Die Kleidung, die bei den "Mitumba"-Aufführungen verkauft werden, stammen von solchen Märkten. Thiersch: "Wir kaufen quasi unsere eigenen Klamotten zurück."

Symbolische Verknüpfung: Tänzer und Zuschauer sind durch die Altkleider miteinander verbunden. Symbolische Verknüpfung: Tänzer und Zuschauer sind durch die Altkleider miteinander verbunden.

Mit dem Verkauf der Kleidung und mit eindrücklichen Tanzszenen macht die Mitumba-Gruppe auf das ungerechte Geschäft aufmerksam. Das Publikum wird an viele Stellen einbezogen, zum Beispiel wenn die Tänzer sich und einige der Jugendlichen mit alten Klamotten aneinander binden. "Ich war am Anfang ein bisschen geschockt", sagt Gina, eine 14-jährige Jugendcamp-Teilnehmerin aus Viersen. "Aber es war super so mit eingebunden zu sein."

Klemens (14) aus Langenfeld war ebenfalls von der Aufführung begeistert: "Das war sehr, sehr gut gemacht: die Tanzszenen und dass man zwischendurch gar nicht so genau wusste, was ist Aufführung und was nicht." Die Probleme des Altkleiderhandels seien ihm und seinen Freunden dadurch sehr deutlich geworden.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 20. Juni 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 20. Juni 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de/ Christina Schramm, Fotos: Meike Böschemeyer / 20.06.2014



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