EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Richard Brand Richard Brand ist Referent für Umwelt, Klima, Energie der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Mobilität

Mal eben nach Paris jetten?

Der Mensch von heute ist mobil. Das eröffnet tolle Möglichkeiten – und große Probleme für die Umwelt, sagt der EKiR-Umweltreferent Richard Brand. Im Juni veranstaltet er mit der Evangelischen Akademie in Bonn eine Tagung zum Thema Mobilität.

Herr Brand, wie sind Sie heute morgen zur Arbeit gekommen?
Mit dem Zug, wie jeden Tag. Ich pendele von Bonn nach Düsseldorf. Das ist eine recht weite Strecke, die ich nicht mit dem Auto fahren möchte. Zum einen, weil die Autobahn immer sehr voll und die Fahrt damit stressbeladen ist. Zum anderen, weil die Bahn das umweltfreundlichere Verkehrsmittel ist. Das nutze ich gern.

Eine größere Entfernung zum Arbeitsplatz ist heute nichts Ungewöhnliches. Die Menschen sind mobiler geworden. Woran liegt das?
Das Potenzial der modernen Raumüberwindung bietet die Möglichkeiten dazu. Der Mensch kommt einfacher von A nach B als noch vor 50 Jahren. Wohn- und Arbeitsort fallen auseinander. Urlaubsreisen werden häufiger, die Ziele liegen weiter weg. Auch das Freizeitverhalten hat sich verändert. Man sagt heute: Ich möchte mal zum Konzert nach Köln oder nach Wuppertal zum Tanztheater Pina Bausch. Das wäre früher mit einem größeren Aufwand verbunden gewesen.

Dass die individuelle Mobilität den Menschen neue Möglichkeiten bietet ist ja einerseits schön. Andererseits bringt sie aber auch viele Probleme mit sich.

Ja, vor allem für die Umwelt. Der Beitrag der Verkehrsemissionen wird weiter zunehmen. Und solange der Verkehr überwiegend fossil geprägt ist und die Angebote zum öffentlichen Verkehr nicht zügig ausgebaut werden, steigt auch der Beitrag zur globalen Erwärmung. Da besteht ein großer Handlungsbedarf. Die CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr sind aber die, die am meisten wachsen. Das hat mit Geschäftsreisen zu tun, aber auch mit den stark zunehmenden Urlaubsreisen. Wenn Leute am Wochenende mal kurz nach London, Paris oder New York zum Einkaufen jetten, dann sind das in meinen Augen unnötige und leicht vermeidbare Emissionen.

Von der Vernunft her ist das nicht schwer zu verstehen und im Prinzip weiß das auch jeder. Warum fällt es vielen so schwer, etwas am eigenen Verhalten zu ändern? 
Sicher verstehen viele Menschen das Problem. Aber man ist schnell in einem Dilemma. Man fragt sich: Wieso gerade ich? Wieso soll ich verzichten, wenn es alle anderen noch tun? Zumal es die Angebote gibt. Aber Freiheit gibt auch immer die Möglichkeit, etwas aus Einsicht nicht zu tun. Ich denke, dass es hilft, sich klarzumachen, dass Veränderung nicht nur heißt, auf etwas zu verzichten, sondern auch, etwas anderes zu gewinnen. Beispiel Urlaub: Wie viel Erholung bleibt noch bei einer Fernreise mit aufwendigen Vorbereitungen, wo man zum Flughafen hetzt und schon völlig gestresst am Urlaubsort ankommt? Kann es nicht viel schöner sein, eine Busreise nach Frankreich zu machen? Da hat man einerseits das Gemeinschaftserlebnis und andererseits die Gelegenheit, entspannt Land und Leute kennenzulernen.

Persönliche Einsicht ist das eine. Wer kann außerdem einen Bewusstseinswandel positiv beeinflussen?
Bei den Rahmenbedingungen ist die Politik gefordert. Sie kann durch Gesetze und Investitionen viel bewirken. Es ist ein Unterschied, ob zum Beispiel sinnlose Regionalflughäfen gefördert werden oder eine gute Verbindung zwischen Schienenfernverkehr und Carsharing-Modellen. Die Wirtschaft – vor allem die Autoindustrie – sollte überlegen, wie sie effiziente und klimafreundliche Leistungen erbringen kann. Es gibt viele Möglichkeiten, den Spritverbrauch zu reduzieren.
Auch die Kirche kann Vorbild und Multiplikatorin sein. Sie erreicht über ihre Mitglieder viele Menschen. Und was in den Kirchengemeinden praktiziert wird, regt die Leute vielleicht ja auch privat zum Nachmachen an. Die Kirche ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen mit gutem Beispiel vorangegangen und hat Positionen bezogen. Deshalb sollte sie sich unbedingt in die Debatte über Mobilität einbringen. Was für die Gesellschaft richtig und zukunftsfähig ist, muss aber gemeinsam mit Politik und Wirtschaft erarbeitet werden.

Sie veranstalten mit der Evangelischen Akademie im Rheinland im Juni eine Tagung zum Thema Mobilität. Ist das ein Weg für Kirche sich in die Debatte einzubringen?
Ja, wir wollen Impulse geben für die Umweltarbeit von Gemeinden und Einrichtungen und insgesamt die Bemühungen zur Bewahrung der Schöpfung stärken. Die grundlegende Idee der Tagung ist, das Bedürfnis nach Mobilität aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Da ist die wissenschaftliche Sicht, die aufzeigt, wie viel Zeit und Geld Mobilität kostet, wie viel CO2 ausgestoßen wird. Aus theologisch-diakonischer Sicht wird gefragt, wie Menschen ihr Bedürfnis nach Mobilität befriedigen können und was Kirche dazu beitragen kann, Mobilität zu erhalten. In einem zweiten, praktischen Teil zeigen wir, wie Ökomanagement für kirchliche Institutionen aussehen kann: am Beispiel von einem Carsharing-Modell, einer Bürgerticket-Initiative, der Entwicklung der Aktion Autofasten und Mobilitätsbildung in Kindergarten und Grundschule.

Die Tagung „Mobilität – Zur Zukunft eines menschlichen Grundbedürfnisses“ findet vom 13. bis 14. Juni 2014 in der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn statt.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 23. April 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 28. April 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / cs / 24.04.2014



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.