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Seeleute auf Handelsschiffen helfen in der Flüchtlingskatastrophe so gut sie können, stoßen aber an ihre Grenzen. Seeleute auf Handelsschiffen helfen in der Flüchtlingskatastrophe so gut sie können, stoßen aber an ihre Grenzen.

Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen

Überforderte Seeleute in den Blick nehmen

„Ich möchte nie mehr mit meinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren“, sagt ein Seemann, der im Mittelmeer Dienst tut. Nicht nur die Besatzungen der Marine sind mit dem Leid der Flüchtlinge konfrontiert, sondern auch Seeleute auf Handelsschiffen.

Sie sehen Leichen im Wasser schwimmen, Kleidungsstücke und Habseligkeiten von Flüchtlingen. Vor ihren Augen ertrinken Menschen oder sterben nach erfolgreicher Rettung unterkühlt an Bord. Zusätzlich zu dem Schock, den diese Erlebnisse auslösen, haben sie ein schlechtes Gewissen, nicht früher zur Stelle gewesen zu sein.

Wo sie haben helfen können, sind sie mit Aufgaben konfrontiert, die sie überfordern. Die Schiffe sind nicht für die Aufnahme vieler Menschen ausgelegt, es fehlt an sanitären Einrichtungen. Aufgenommene Flüchtlinge leiden unter Traumata. Und die Besatzungen müssen sich ohne Fachwissen um sie kümmern.

Obwohl sie zur Rettung von Schiffbrüchigen verpflichtet sind, werden sie bisweilen an Land als Schlepper diskriminiert und ihnen droht juristischer Ärger. Auf diese Situation weist die Deutsche Seemannsmission jetzt in ihrer aktuellen Publikation „Lass fallen Anker“ hin. Nach Angabe der Zeitung haben Seeleute der Handelsschifffahrt mehr als 5.000 Flüchtlinge gerettet.

"Diese Seite ist bislang kaum im Blick"

Die Seemannsmission ist die weltweit arbeitende Evangelische Seelsorge und Diakonie für Seeleute. Unter anderem in Alexandria, Genua und Piräus steht die Seemannsmission den Seeleuten im Rahmen ihrer Möglichkeiten seelorglich zur Seite. „Was wir von der Seemannsmission hören, hat uns entsetzt“, sagt Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers.

„Diese Seite der Flüchtlingskatastrophe ist bislang kaum im Blick gewesen", so der Superintendent weiter. Sie mache erneut deutlich, "dass dringend politische und humanitäre Schritte unternommen werden müssen, damit kein Mensch mehr flüchten muss und dass, wenn eine Flucht unvermeidbar ist, das Leid minimiert wird“.

Sofortige politische Lösung nötig

Rainer Tyrakowski-Freese, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie gGmbH – Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers, war selbst vor vielen Jahren in Alexandria im Dienst der Seemannsmission tätig. Er  sagt: „Ich habe damals vielen Seefahrern bei ihren Problemen zur Seite stehen können. Was sich aber zurzeit tut, sowohl, was das Leid der Flüchtlinge betrifft, wie auch die Überforderung derer, die helfen wollen, bedarf der sofortigen politischen Lösung.“

Der Kirchenkreis Moers steht in langer Verbundenheit zur Deutschen Seemanssmisssion. Tyrakowski-Freese mit seinem Dienst in Alexandria ist nicht die einzige Verbindung. Der ehemalige Superintendent Jürgen Thiesbonenkamp war in Westafrika als Seemanspastor tätig. Das Jugendzentrum Tempel der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Rheinhausen hatte über Jahrzehnte eine Patenschaft mit der Seemannsmission in Antwerpen. Die Diakonie des Kirchenkreises hatte in früheren Aktionen Wintermäntel für Seeleute im Hafen von Antwerpen gesammelt. 

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ekir.de / Egbert Schäffer, Foto: NAMMA / 09.06.2015



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