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Praktisches Willkommen: Nähkurs für Flüchtlingsfrauen in der Tersteegenkirche in Düsseldorf. Praktisches Willkommen: Nähkurs für Flüchtlingsfrauen in der Tersteegenkirche in Düsseldorf.

Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit

Überm Nähen einander kennenlernen

Die Willkommenskultur für ankommende Flüchtlinge in Düsseldorf kennt keine Grenzen. Seit Monaten sind Menschen meist ehrenamtlich im Einsatz, um die neuen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu empfangen.

Sprachunterricht erteilen. Den Kindern bei Sommerhitze ein Eis spendieren. Neunachbarn zu einer Kulturveranstaltung einladen. Die Evangelische Tersteegen-Kirchengemeinde im Stadtteil Golzheim betreut mehr als 200 Flüchtlinge im benachbarten ehemaligen Seniorenheim. Seit einigen Wochen gibt es dort einen Nähkurs.

Donnerstagnachmittag 16 Uhr im Gemeindehaus. Auf einer langen Tischtafel liegen Stoffballen, Scheren und Maßbänder. Mehrere Frauen beratschlagen, was sie heute aus den Tüchern machen wollen.

Christine Neuerburg erläutert den Umgang mit der Nähmaschine. Christine Neuerburg erläutert den Umgang mit der Nähmaschine.

Christine Neuerburg ist eigentlich Kunsterzieherin. Aber seit Jugendtagen ist Nähen ihr Hobby. Deshalb leitet sie die kleine Gruppe an – in Englisch und Deutsch. „Ich habe mal einen Schnitt für T-Shirts vorbereitet. Wir haben Jersey-Stoffe gespendet bekommen von einem Kölner Stoffgroßhändler. Riesige Ballen mit Nähgarn und Reißverschlüssen.“

Am Nachbartisch schneidet Svenja Göttler verschieden große Papier- und Stoffteile zurecht. „Ich fertige jetzt ein Muster an, und wem das gefällt, der kann sich das in seiner Größe fertig nähen." Sie weiß: Die afrikanischen Frauen mögen die bunten Stoffe lieber. "Bei den arabischen Frauen – die haben schon wieder einen anderen Geschmack. Das merkt man ganz deutlich.“

Schon bald sitzen die Ersten an den hochmodernen Nähmaschinen. Es rattert munter vor sich hin. Es sind unter anderem Spenden einer 90-jährigen Frau aus der Kirchengemeinde – für Christine Neuerburg ein Segen: „Das ist wunderbar gerade für Anfänger, wenn man mit einer neuen Maschine näht, weil die nicht so oft hängen bleibt.“

Eine Frau näht auch zu Hause weiter

Doch dann muss sie bei Stella einen anderen Schnitt einstellen. Die junge Frau aus Nigeria ist äußerst geschickt, merkt die Nähkursleiterin an. „Stella hat im Wohnheim auch eine Nähmaschine. Die nimmt auch was mit, näht dann begeistert zu Hause weiter." Es gibt auch einen syrischen Schneider, auch er auch eine Nähmaschine auf seinem Zimmer. Doch heute fehlt er in der Frauenrunde.

Auf einem weichen Teppich in einer anderen Ecke des Raums betreut Melanie Michlen Babys und Kleinkinder. Die Physiotherapeutin macht dies natürlich auch ehrenamtlich. „Wir versuchen so ein bisschen zu unterstützen, dass die Kleinen lernen zu krabbeln." Die Gemeinde hat inzwischen auch eine Schwangerschaftsberatung und einen Kurs mit einer Hebamme eingerichtet. "Das ist auch wichtig für die Frauen.“

Nächster Schritt wäre die Integration mit den eigenen Freundinnen

Nach mehr als zwei Stunden gibt es erste vorzeigbare Ergebnisse: eine Babymütze und ein ärmelloses T-Shirt. Das Strahlen in den Gesichtern der Hobbyschneiderinnen ist unübersehbar. Auch Christine Neuerburg wirkt zufrieden. „Das ist ganz toll, dass sie hier Anregungen kriegen und so intensiv mitmachen. Dann ist es natürlich ein Treffpunkt. Das ist auch sehr schön."

Ihr Wunsch geht weiter: dass es stärker Integrationsarbeit wird. "Meine Freundinnen zum Beispiel, die schon immer nähen wollten, dass die auch hierher kommen und dann ein reger Austausch stattfindet“.

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evdus.de / Ulrike Paas, Fotos: Andreas Vollmert / 30.07.2015



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