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Block und Stift gezückt: Boran (r.) und Thomas (M.) begleiteten eine Stadtführung von Obdachlosen und kamen schnell mit Veronica ins Gespräch. Block und Stift gezückt: Boran (r.) und Thomas (M.) begleiteten eine Stadtführung von Obdachlosen und kamen schnell mit Veronica ins Gespräch.

News4U

Erste Schritte als Reporter

Zwölf Jugendliche nehmen in diesem Jahr am evangelischen Nachwuchs-Medientraining „News4U“ teil. Jeder von ihnen bringt eine andere Motivation mit – aber alle wollen Geschichten erzählen. Ein Besuch beim Workshop in Düsseldorf.

Boran und Thomas sitzen in der Straßenbahn Richtung Süden. „Das ist unser erster richtiger Reportereinsatz“, sagt Boran (18). Und dafür haben sich die beiden Schüler ein Projekt ausgesucht, das sie schon auf dem Papier beeindruckt: eine Stadtführung in Düsseldorf, die Obdachlose in den Fokus rückt.

„Ich will wissen, was diese Menschen bewegt. Was ihnen passiert ist“, sagt Thomas (17), „ich glaube, die Gesellschaft stempelt Obdachlose oft ab.“ Nun schlüpft er also in die Rolle eines Reporters. „Wir wollen informieren und vielleicht sogar Mitgefühl wecken“, sagt Boran. Ein bisschen Aufregung ist im Spiel, schließlich wissen die beiden nicht, was sie erwartet.

Im vergangenen Jahr bewarben sich Boran und Thomas für das evangelische Nachwuchs-Medientraining „News4U“. Der eine aus Köln, der andere aus Gebhardshain. Zwölf Plätze gab es in dem beliebten Programm, das die Evangelische Kirche im Rheinland seit 20 Jahren auflegt – inzwischen unter Beteiligung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

"Es ist gut, dass ich so viele verschiedene Eindrücke bekomme"

Boran und Thomas ergatterten zwei der Teilnehmerplätze. „Ich habe schon ein Praktikum beim Fernsehen gemacht“, sagt Boran, „ich will Journalist werden.“ Aber das Feld sei weit. Nun wolle er herausfinden, welcher Bereich für ihn der richtige sei. Das wünscht sich auch Thomas. „Ich habe mich bisher vor allem auf Fotografie konzentriert“, sagt der 17-Jährige, „es ist gut, dass ich während des Programms so viele verschiedene Eindrücke bekomme.“

Im Februar traf sich die Gruppe zum ersten Workshop, lernte sich kennen und wuchs zusammen. Damals ging es um Medienrecht, Online-Medien und Fotografie. „Wir haben viel gelernt“, sagt Thomas, „das war ein guter Start.“

Aber beim zweiten Treffen in Düsseldorf sind die Jugendlichen nun selbst gefragt. Referent Nils Hille hat den ersten Tag in der Text-Werkstatt bereits genutzt, um allerlei Wissen rund um das Schreiben von Berichten an die Jugendlichen weiterzugeben. Nun haben sich die Schüler aus dem Rheinland und Westfalen Themen ausgesucht und sich auf den Weg gemacht.

"Wahnsinn, jetzt könnte ich ein Buch schreiben"

Als Thomas und Boran das Büro  der Düsseldorfer Obdachlosen-Initiative „fiftyfifty“ erreichen, blicken sie sich noch kurz fragend an, dann springen sie ins kalte Wasser. Sie stellen sich und ihr Projekt vor und lernen Jörg und Veronica kennen. Beide lebten auf der Straße, haben Drogen, Gefängnis und Verzweiflung hinter sich und sind bereit, aus ihrem Leben zu erzählen. Thomas zückt Stift und Block und beginnt zu schreiben.

Zwei Stunden später, nach der Stadtführung, legt er einen vollen Block zur Seite. „Wahnsinn“, sagt er leise, „jetzt könnte ich ein Buch schreiben.“ Gemeinsam mit Boran macht er sich auf den Rückweg in die „Deutsche Akademie für Public Relations“, wo die Jugendlichen an diesem Wochenende lernen und tagen. Die andern sind längst zurück von ihren Ausflügen. Sie tippen auf ihren Laptops, beginnen ihre Geschichten zu erzählen.

Ann-Kathrin war mit zwei Kollegen beim Kindertag des Eishockey-Clubs, Franka will über die Rivalität zwischen Kölnern und Düsseldorfern schreiben und hat dazu Interviews geführt, und Sandra war mit einigen anderen Teilnehmern bei einer Ausstellung im Hauptbahnhof. Am nächsten Morgen um 10 Uhr soll ihr Bericht fertig sein, dann werden sie ihn mit dem Profi besprechen und schließlich auf ihrem Projekt-Blog veröffentlichen. Und vielleicht werden sie ihrer Berufswahl schon ein Stück näher sein.

Selbstständigkeit, Teamarbeit - es gibt viele Lerneffekte

„Das wünschen wir uns für die Jugendlichen des Programms“, erklärt Katrin Winter, Referentin bei der EKiR und Projektleiterin, „dass sie nach dem Programm eine Entscheidung treffen können, welchen Weg sie gehen wollen.“ Selbstständigkeit, Teamarbeit, auf andere Menschen zuzugehen: Es gebe viele Lerneffekte die „News4U“ ermögliche.

Bis November treffen sich die Jugendlichen noch sechs Mal – in unterschiedlichen Städten, mit immer anderen Themenschwerpunkten. Sie schnuppern in die Welt des Fernsehens, des Radios und der Printmedien, absolvieren ein Praktikum, lernen Technik und journalistisches Handwerk kennen.

Thomas und Boran hat dieser Tag verändert. Menschen mit berührenden Schicksalen haben den beiden Jungs ihre Geschichte erzählt. Und ihnen wollen die jungen Reporter nun eine Stimme geben.

 

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ekir.de / Text und Foto: Theresa Demski / 16.03.2018



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