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Kirchenrat Rafael Nikodemus Kirchenrat Rafael Nikodemus

Herzlich willkommen! Flüchtlingsarbeit in der rheinischen Kirche (1)

„Ganz hervorragende, vielfältige Projekte vor Ort“

Zahlreiche Kirchengemeinden setzen sich für Flüchtlinge, Asylbewerberinnen und -bewerber sowie Migrantinnen und Migranten ein. Über dieses vielfältige Engagement berichtet der für Flüchtlingsfragen zuständige Kirchenrat Rafael Nikodemus im ekir.de-Interview. 

Was ist die Stärke der Flüchtlingsarbeit auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene?

Die Kommunen stehen zur Zeit vor großen Herausforderungen bei einer angemessenen Betreuung und Versorgung von Flüchtlingen. Es ist außerordentlich erfreulich, dass sich unzählige Menschen in unseren Gemeinden und Einrichtungen ehrenamtlich engagieren, um die Lebenssituation von Flüchtlingen zu verbessern. Es werden täglich mehr! Die Stärke ist die Vielfalt der Räume, in denen für Flüchtlinge persönliche Begegnung und Unterstützung erfahrbar wird. Wichtig für die kirchlich-diakonische Arbeit ist dabei die Verzahnung von professioneller Flüchtlingshilfe und ehrenamtlichem Engagement. Dadurch kann tatsächlich eine Willkommenskultur gelingen. Schließlich kann man ja ein Willkommen nicht verordnen und verwalten. Aber da, wo Menschen sich freiwillig einbringen, Flüchtlinge begleiten, ihnen Türen öffnen, geben sie dem Willkommen ein Gesicht.

Verordnet nicht die Bibel ein Engagement für Flüchtlinge?

„Verordnen“ kann man natürlich nicht sagen. Aber die Bibel ist in der Tat voller Geschichten über Menschen auf der Flucht und wie ihnen geholfen wird – vor allem durch Gott. Schon im Alten Testament wird die Geschichte von der Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft erzählt. Dank Gott. Und zugleich wird gemahnt, „Fremdlinge“ zu schätzen. Weil die Erfahrung, wie es sich anfühlt, fremd zu sein, tief in das Gedächtnis des Gottesvolkes eingegraben ist, führt unser Umgang mit Flüchtlingen ins Zentrum unseres eigenen Glaubens. Im Fremden, im Flüchtling, so Jesus, begegnet uns Gott – auf diese Spitze bringt es das Neue Testament. Deshalb können wir nicht anders als uns für Flüchtlinge, Asylbewerberinnen und -bewerber sowie Migrantinnen und Migranten einzusetzen.

Was geschieht praktisch auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene?

Neben der kompetenten und professionellen Beratung in asylrechtlichen Fragen gibt es eine Fülle von niederschwelligen Angeboten, bei denen jede und jeder sich einbringen kann. Die Ehrenamtlichen begleiten Flüchtlinge zum Beispiel beim Arztbesuch oder zur Behörde, übernehmen Sprachkurse oder die Vormundschaft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Gemeinden organisieren Nachbarschaftsfeste und sorgen für Möbel. Sie eröffnen Räume der Begegnung in „Asylcafes“ , beteiligen sie am Gemeindeleben und sind einfach da im Alltag. Ich freue mich sehr über die Bandbreite und das große Engagement in der Flüchtlingsarbeit in der gesamten rheinischen Kirche. Es ist leiser und unauffälliger als vieles, was sich zur Zeit auf unseren Straßen formiert.

Wie unterstützt die Landeskirche?

Die Landessynode hatte ja zu Jahresbeginn 250.000 Euro zusätzlicher Mittel für die Flüchtlingsarbeit in Gemeinden und Kirchenkreisen bereit gestellt – damit können ganz hervorragende, vielfältige Projekte vor Ort entstehen und wachsen. Auch der kommenden Landessynode wird ein entsprechender Antrag vorliegen, denn die Nachfrage und der Bedarf nach konkreten Angeboten in der Flüchtlingsarbeit, die angestoßen werden müssen, ist gewaltig. 

Dieses Interview ist der Auftakt der Serie "Herzlich willkommen! Flüchtlingsarbeit in der rheinischen Kirche". Es folgen Reportagen aus Büchenbeuren, Düren, Lebach, Straelen und Wuppertal.

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ekir.de / neu / 19.12.2014



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