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 Initiieren das Stück "Ich fürchte nichts...": Pfarrer Martin Engels (v.l.) und vom N.N. Theater Didi Jünemann, Irene Schwarz und Gregor Höppner.

Bühnenstück

Andere Zeiten, gleiche Geschichte

„Ich fürchte nichts...“ – unter diesem Titel entwickelt das Kölner N.N. Theater in Zusammenarbeit mit der rheinischen Kirche gerade ein Bühnenstück über Luther anlässlich des Reformationsjubiläums 2017. Regisseur Gregor Höppner erzählt im Interview, was ihn an Luther fasziniert und was an der Reformation brandaktuell ist.

Was hat das N.N. Theater gereizt, ein Stück über die Reformation zu entwickeln?

Die Figur Martin Luther. Wir finden es reizvoll, ihn mal anders zu beleuchten. Nach unseren Recherchen erscheint uns Luther als ein Held wider Willen. Einer, der gar nicht so begeistert war, zur Galionsfigur der Reformationsbewegung zu werden. Und wir fanden es spannend herauszufinden, was das alles mit uns heute zu tun hat.

Was haben Sie denn dabei herausgefunden?

Vielerlei. Zum einen bewegt die Spaltung der Kirche unsere Gesellschaft nachhaltig bis heute. Zum anderen ist die Zeit der Reformation unserer jetzigen gar nicht so unähnlich: Es ging um Macht, Ausbeutung, Misswirtschaft. Wenn man sich zum Beispiel die Fugger-Familie anschaut – welche Intrigen da gesponnen wurden! Die Menschen waren unzufrieden, besorgt um ihr Leben und um ihr Seelenheil. Das geht uns heute auch so. Im Prinzip bewegt die Menschen – damals wie heute - das Gleiche.

Sie haben das Stück „Ich fürchte nichts...“ genannt. Warum dieser Titel?

Einen Titel für ein Stück zu finden, das es noch nicht gibt, weil es gerade noch geschrieben wird, ist schwer. Es wird um Luther gehen, es aber einfach nur „Luther“ zu nennen, fanden wir langweilig. Luther ist heute immer noch durch seine Worte präsent. Ständig wird er zitiert, vielleicht sogar unwissentlich. Wir sind viele seiner Zitate durchgegangen und haben uns letztlich für „Ich fürchte nichts ...“ entschieden. Das setzt so unglaublich viele Gedanken in Bewegung: Was heißt denn das? Fürchte ich wirklich nichts? Oder: Was fürchte ich, was macht mir Angst? Die Antworten können ganz persönlich oder auch global sein.

Warum finden Sie, dass Theater ein geeignetes Mittel ist, um die Wirkung der Reformation auf Politik und Gesellschaft darzustellen?

Weil man sehr vielschichtig nach außen treten kann. Und weil es zwischen Kirche und Theater – und speziell uns als N.N. Theater – eine gewisse Parallelität gibt. In der Reformation hat Kirche sich nach außen, an das Volk, gerichtet. Hat den Glauben sozusagen raus aus den Gebäuden geholt und mitten unter die Menschen gebracht. Das machen wir als Theatergruppe auch. Wir haben ursprünglich als Straßentheater angefangen und haben da gespielt, wo die Leute sind – das ist doch ein sehr reformatorischer Ansatz!

Mitten unter den Leuten möchten Sie auch Ihr Theaterstück zur Reformation inszenieren. Und es geht sogar noch darüber hinaus: Kirchengemeinden sollen nicht nur Aufführungen von „Ich fürchte nichts...“ zu sich holen, sondern auch mitmachen. Wie können sie das tun?

Indem sie einen Chor stellen. Projektchöre sind Teil der Inszenierung. Unser Komponist und Chorleiter wird Musik aufbereiten und den Chören das Material zur Verfügung stellen. Wir werden die jeweiligen Chöre mit einer kleinen Abordnung besuchen und vorbereiten. Am Tag der Aufführung wird es eine Generalprobe geben.

Und wenn Gemeinden keine Chöre haben?

Dann sollen sie einen gründen! Das lohnt sich. Die Chöre ziehen Leute an, zum Beispiel die Angehörigen und Freunde der Chorsängerinnen und -sänger. Und die Gemeinde wird so ein Teil des Ganzen.

Wer sich für eine Aufführung des N.N. Theaters in seiner Gemeinde interessiert, kann unter 2017@ekir.de oder kontakt@nntheater.de die Broschüre zum Projekt anfordern und Interesse an einer Aufführung anmelden.

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Interview: Christina Schramm, Foto privat / 21.03.2016



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