Hilfe für Wohnungslose

Notunterkünfte für den Schutz vor Kälte

Nicht nur im Winter ist eine Bank im Freien ein schlechter Schlafplatz: Jetzt beginnt für viele wohnungslose Männer und Frauen aber eine besonders schwierige Zeit.

Jan Orlt Jan Orlt

„Niemand in den großen Städten muss in dieser Zeit draußen schlafen“, sagt Jan Orlt, Referent für Wohnungslosenhilfe der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Auch die Diakonie unterhält eigene Einrichtungen für Wohnungslose vor allem im städtischen Raum. In kleineren Kommunen empfiehlt der Diakonie-Referent bestimmte öffentliche Gebäude zugänglich zu lassen. Ab und zu müsse ein Auge zugedrückt werden und es solle zum Beispiel nicht aus den Bahnhöfen verwiesen werden. Das gelte auch für Menschen, die sich nachts nicht von ihrem Hund trennen wollen. „Man muss das ernst nehmen und nach Lösungen suchen, auch wenn Hunde nicht in jede Einrichtung passen“, sagt Orlt. Es gebe aber auch Menschen, die sagten: „Nein, ich gehe in keine Einrichtung“. Das habe zum Beispiel mit der Angst zu tun, mit vielen anderen in einen Zimmer zu sein.

„Einige städtische Unterkünfte haben zudem einen schlechten Ruf“, so Orlt. In vielen Kommunen sei das Problem aber erkannt und man arbeite daran, die Situation zu verbessern. „In den Städten hat man eingesehen, dass alte abgewrackte Kellerräume mit Hausmeister nicht hilfreich sind“, sagt er. Generell lobt er die hohe Bereitschaft der Kommunen, mit freien Trägern zusammenarbeiten. Um dauerhaft zu helfen, sei ein Gesamtsystem nötig.

Einen Kältebus wie in Berlin hält Orlt als Hilfsangebot in Nordrhein-Westfalen nicht für nötig. Die Öffentlichkeitsarbeit der vergangenen Jahre habe durchaus gefruchtet. Bürgerinnen und Bürger meldeten häufig in ihren Kommunen, wenn sie Menschen in Not sehen. Im vorigen Winter habe es in NRW weniger Kältetote gegeben als im Jahr zuvor.

Doch nicht nur die Kälte gefährdet wohnungslose Männer und Frauen. „Wir sind das ganze Jahr da“, betont Orlt. Und damit meint er nicht nur zusätzlich zum Winter die Sommermonate, in denen die Hitze auf der Straße gefährlich werden kann.

Handreichung "Den Kältetod von Wohnungslosen verhindern!"

In einer Handreichung hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. dargestellt, welche Pflichten der Staat und die Kommunen haben. Außerdem werden in der Handreichung mit dem Titel „Den Kältetod von Wohnungslosen verhindern!“ den Kommunen konkrete Empfehlungen gegeben, die das Erfrieren von Menschen verhindern sollen. Dazu zählen neben einer ausreichenden Anzahl von menschenwürdigen Notunterkünften, die Einrichtung eines „Kältenotrufs“ für Betroffene und das verstärkte Aufsuchen von Wohnungslosen auf der Straße.

Auch die BAG Wohnungslosenhilfe setzt auf eine Kooperation zwischen den Kommunen und den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe, wie der Diakonie. „Freie Träger besitzen ein großes Maß an Wissen, wenn es um Hilfeangebote für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen geht“, so Geschäftsführer Thomas Specht. Durch eine Kooperation der Kommunen mit den freien Trägern könne erkannt werden, ob weitere Hilfe nötig ist.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 1. Februar 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 1. Februar 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / Fotos: Petra Dirscherl/pixelio.de / Diakoni-RWL / 01.02.2012



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