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Stellen sich der Zeitungsfotografin: Präses Manfred Rekowski, Erika Minor, Gisela Theobald-Kürsten und Ilona Schmitz-Jeromin (v.l.). Stellen sich der Zeitungsfotografin: Präses Manfred Rekowski, Erika Minor, Gisela Theobald-Kürsten und Ilona Schmitz-Jeromin (v.l.).

Kinderarmut in NRW

Kinder lieber vorbeugend und nachhaltig schützen

Ein stärkeres Engagement bei der Bekämpfung von Kinderarmut und nachhaltige Maßnahmen zur Stärkung armer Familien hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, eingefordert: „Es braucht eine größere Kraftanstrengung als bisher, damit Kinder einen guten Start ins Leben haben.“

Das sagte der Präses beim Besuch in der Kindertageseinrichtung der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde in Oberhausen. Dort war Rekowski zu Gast, um einen Einblick in Arbeit zu gewinnen. „Ich freue mich, dass in der Arbeit mit den Kindern und ihren Familien so viel gelingt und habe einen hohen Respekt vor dem, was Menschen – hier also die Erzieherinnen – im Dienst am Menschen leisten“, fasste der Präses am Ende vor Journalistinnen und Journalisten seinen Eindruck zusammen. Dabei seien die Herausforderungen im Quartier rund um die Christus-Kirche, die älteste evangelische Kirche in Oberhausen, groß.

„Bei uns gibt es ein buntes Miteinander von Armut und Mittelstand“, beschrieb es die Leiterin der Einrichtung, Gisela Theobald-Kürsten, „das nehmen wir wahr und halten deshalb zum Beispiel beim Essen alle Kinder gleich“. Soll heißen: Zum Konzept der Einrichtung gehört es, dass niemand sein eigenes Frühstücksbrot mitbringen muss.

Stattdessen wird gemeinsam und gesund eingekauft, gekocht und gegessen. So werde ohne groß darüber zu reden Armutsprävention betrieben. Ausflüge werden so geplant, dass für die Eltern möglichst keine Kosten anfallen, damit kein Kind aus finanziellen Gründen auf die Teilnahme verzichten muss. 45 Kinder besuchen aktuell die Kindertageseinrichtung an der Nohlstraße. Etwa 60 Prozent der zwei- bis sechsjährigen Kinder haben einen Migrationshintergrund. 15 Nationen bilden die bunte Kita-Gemeinschaft.

Kibiz auf neue Füße stellen

In einer Stadt wie Oberhausen, in der Arbeitslosigkeit und Armut greifbar seien, sei es eine große Leistung, dass die Stadt 40 Prozent des Trägeranteils der freien bzw. kirchlichen Kita-Träger übernehme, sagte Erika Minor, Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Oberhausen: „Sonst ginge es für uns gar nicht mehr.“

Die Kirchengemeinde trage zwei Kitas und bringe dafür jährlich 80.000 bis 100.000 Euro auf, benannte Pfarrerin Ilona Schmitz-Jeromin die finanzielle Herausforderung für die Gemeinde. Die Finanzierung der Kindertageseinrichtungen, geregelt im nordrhein-westfälischen Kinderbildungsgesetz (Kibiz), müsse auf völlig neue Füße gestellt werden, machte Erika Minor deutlich – eine Forderung, der sich auch Präses Rekowski anschloss. Hier gebe es mit Blick auf die noch immer ausstehende Revision des Gesetzes dringenden Handlungsbedarf seitens der NRW-Landespolitik.

Teufelskreis der Armut beenden

Grundsätzlich benannte Präses Rekowski vier Faktoren, die Kinder aus dem Teufelskreis der Armut befreien könnten: „Wir brauchen einen gerechteren Familienlastenausgleich, die Stärkung der Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungssysteme, Vorrang für präventive Maßnahmen und die wirksame Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit."

Arme Kinder lebten in armen Familien, deshalb sei der Abbau von Arbeitslosigkeit ein wesentlicher Faktor für die nachhaltige Bekämpfung von Kinderarmut. "Und: Was bei der Prävention gelingt, sparen wir ja hinterher ein.“

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ekir.de / Jens Peter Iven / 03.05.2017



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