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Buch

"Wir werden nur miteinander bestehen"

Ökumene im katholischen Rheinland, das ist Herausforderung und Chance zugleich. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat das konstruktive Verhältnis zu den anderen Kirchen und besonders auch zur römisch-katholischen Kirche immer wieder gesucht. Das zeigt das gerade erschienene Buch „Nehmt einander an“.

Der von dem Kölner Ökumeniker Hans-Georg Link und Oberkirchenrätin Barbara Rudolph herausgegebene Dokumentarband versammelt bedeutende ökumenische Zeugnisse für die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche sowie zu den Freikirchen und der Orthodoxie.

Das Buch zeigt, „dass es nicht eine erzwungene Notwendigkeit zu Kooperation, Dialog und ökumenischen Begegnungen war, die die Evangelische Kirche im Rheinland antrieb, sondern zutiefst theologische Grundkenntnisse“, wie Barbara Rudolph, die Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene im Landeskirchenamt, sagt.

Die Evangelische Kirche im Rheinland ist in ihrem Selbstverständnis immer auch ökumenisch Kirche gewesen. „Ökumenisch Kirche sein bedeutet, Kirche in Bewegung zu sein, lernende Kirche zu sein“, schreibt Präses Manfred Rekowski im Vorwort des Buches. Eines der Höhepunkte und wiederzuentdecken sind in jedem Fall die Dokumente im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils. Hans-Georg Link führt in dieses Kapitel umfassend ein.

Neue Positionen im ökumenischen Gespräch

So ging Präses Joachim Beckmann in seinem Bericht vor der Landessynode 1961 auf die Ankündigung des Konzils ein. Er schloss damals mit dem Satz: „Wir werden nur miteinander als Christen die auf uns zukommenden Kämpfe bestehen oder miteinander untergehen.“

In den kommenden Landessynoden verfolgte er aufmerksam den Fortgang des Konzils. „Es wird hier eine neue Position bezogen für ein ökumenisches Gespräch, und diese ist für die Geschichte der römisch-katholischen Kirche sicherlich eine nahezu revolutionäre Tat, eine Überraschung, eine Wandlung wie nie zuvor“, sagt er 1965.

Eine ökumenisch im wahren Wortsinn spannende Lektüre ist im Rückblick von mehr als 50 Jahren auch die Mitschrift des Gesprächs, das Präses Beckmann und der Paderborner Erzbischof Dr. Lorenz Kardinal Jäger beim 12. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln 1965 über das Thema: „Katholiken und Protestanten angesichts des Konzils“ führten. Von der bleibenden Lebendigkeit der Reformation ist da bereits die Rede und von hoffnungsvollen Erkenntnissen und Ausgangspunkten.

1973 wurde die erste bahnbrechende Erklärung verabschiedet

Die rheinische Kirche hat zahlreiche Schritte auf dem Weg zu einer lebendigen Ökumene auch mit der römisch-katholischen Kirche getan. 1973 verabschiedete die Landessynode eine erste bahnbrechende Erklärung „über die Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Kirche“. Anlässlich der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 wurde eine „Vereinbarung …zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe“ geschlossen.

Auf die vatikanische Erklärung Dominus Jesus im Jahr 2000 antwortete die rheinische Landessynode 2001 dann gut reformatorisch mit der Stellungnahme: „Der Weg der Evangelischen Kirche im Rheinland bleibt ökumenisch.“ Und machte Presbyterien Mut zum Abschluss weiterer Gemeindepartnerschaften am Ort.

Der von Link und Rudolph vorgelegte Dokumentationsband ist eine Fundgrube für das ökumenische Engagement der Evangelischen Kirche im Rheinland und eine Inspiration für ihren künftigen ökumenischen Weg. Wer geht, sollte sich zuweilen auch die Zeit nehmen zurückzublicken. Das gibt Zuversicht und bewahrt dabei vor mancher Enttäuschung, wenn die nächste Weggabelung in den Blick kommt.

Der Blick des gegenwärtigen Präses ist im Kontext dieser Rückschau auf 50 Jahre vor allem evangelisch-katholischer Ökumene hoffnungsvoll: „Aus dem Imperativ ,Nehmt einander an‘ (Röm 15,7) ist in vielen Arbeitsfeldern unserer Kirchen bereits ein Perfekt geworden: ,Wir haben einander angenommen‘, sagt Manfred Rekowski in Anspielung auf den Titel des Buches.

Hans-Georg Link, Barbara Rudolph (Hg.), Nehmt einander an. Der ökumenische Weg der Evangelischen Kirche im Rheinland zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Reformationsjubiläum (1960–2017), 1. Auflage 2017, 482 Seiten, gebunden, 35 Euro, und als  PDF eBook 27,99 Euro,

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ekir.de / Wolfgang Beiderwieden / 02.06.2017



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