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Detail Teschemacher-Orgel Die Holzpfeifen des Registers Fleut Travers 4' sind sorgfältig beschriftet. Von diesem Register sind alle Originalpfeifen erhalten. Foto: Lichtbildatelier Schafgans Bonn ©Schafgans DGPh/Boris Schafgans

Historische Orgel

„Eine absolute Sensation“

In der Emmanuelkirche in Köln-Rondorf wird gerade eine barocke Teschemacher-Orgel restauriert. Sie gilt als älteste Orgel in der Region und wurde von der Stiftung Orgelklang im April zur „Orgel des Monats“ erklärt.

Unter der Aufsicht von Restaurator Friedemann Burkert (hinten rechts) werden die Einzelteile der Orgel vom Museum in die Werkstatt transportiert. Foto: Lichtbildatelier Schafgans Bonn ©Schafgans DGPh/Boris Schafgans Unter der Aufsicht von Restaurator Friedemann Burkert (hinten rechts) werden die Einzelteile der Orgel vom Museum in die Werkstatt transportiert. Foto: Lichtbildatelier Schafgans Bonn ©Schafgans DGPh/Boris Schafgans

„Es sieht aus wie ein Scheiterhaufen, aber es ist eine absolute Sensation.“ Mit diesen Worten begann im Jahr 2004 ein Zeitungsartikel über die Entdeckung einer Orgel im Keller des Kölner „Museums Schnütgen“ für mittelalterliche Kunst. Das in Einzelteile zerlegte Instrument konnte dem bergischen Orgelbauer Jacob Engelbert Teschemacher (1711 - 1782) zugeordnet werden. Er hat es wahrscheinlich im Jahr 1744 geschaffen, mit einem Gehäuse aus braun gebeiztem Eichenholz und Pfeifen in vergoldeter Rokokoeinfassung.

Die historische Bedeutung verweist alle anderen Orgeln der Region auf ihre Plätze, denn nicht nur das Alter der Barockorgel ist sensationell: „Es gibt weltweit nur noch vier Instrumente, die ein vergleichbares Labialsystem haben“, sagt Thomas Hübner, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Rondorf. Die Teschemacher-Orgel wird in der dortigen Emmanuelkirche zurzeit wieder aufgebaut. 

Das Instrument hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich: Sie beginnt mit dem Bau in der Werkstatt Teschemachers in Wuppertal-Elberfeld. Von dort aus findet die Orgel für 161 Jahre einen Platz in der evangelischen Kirche zu Kaldenkirchen. Nachdem sie dort ausgemustert und über Umwege an den Kunstsammler Alexander Schnütgen (1843 – 1918) verkauft wird, geht sie auf dessen Wunsch hin 1910 in die städtische „Sammlung Schnütgen“ über, aus der wenige Jahre später ein Museum wird.

Dort wird das wertvolle Instrument für eine Ausstellung zunächst wieder aufgestellt, anschließend aber erneut zerlegt – und dies auf höchst unsachgemäße Weise, findet Thomas Hübner: „Aus Platzgründen wurden die Metallpfeifen liegend eingelagert, dadurch sanken sie im Laufe der Zeit regelrecht in sich zusammen.“

Trotz des desolaten Zustands sorgte die Orgel für Aufruhr

Auch das Gehäuse nahm Schaden – so wird das Bild des „Scheiterhaufens“ zu erklären sein, das sich bei der Wiederentdeckung 2004 geboten haben muss. Trotz ihres desolaten Zustands sorgte die Orgel für einigen Aufruhr in Fachwelt und Presse. Einigkeit bestand darin, dass das Instrument restauriert werden und wieder erklingen müsse. Allein der Ort, an dem dies geschehen sollte, stand noch nicht fest.

Dies war die Stunde der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf in Köln. Die Gemeinde lebt das, was man einen „musikalischen Schwerpunkt“ nennt. 250 Schüler hat die gemeindeeigene Musikschule, die Grundstein ist für die gesamte Kinder- und Jugendarbeit. Es gibt eine Brassband, eine Kurrende für Kinder und Jugendliche, ein Orchester, einen Oratorienchor, Musikunterricht im Kindergarten und jedes Jahr eine Kinder-Musikfreizeit.

Das Untergehäuse in der Werkstatt von Orgelbau Klais in Bonn. Foto: Lichtbildatelier Schafgans Bonn ©Schafgans DGPh/Boris Schafgans Das Untergehäuse in der Werkstatt von Orgelbau Klais in Bonn. Foto: Lichtbildatelier Schafgans Bonn ©Schafgans DGPh/Boris Schafgans

Seit Januar sind die Arbeiten am Instrument in vollem Gang

Sofort nach Bekanntwerden des Orgel-Fundes wurde Pfarrer Thomas Hübner tätig: Er bot der Leitung des „Museums Schnütgen“ an, das Instrument restaurieren zu lassen und in der Rondorfer Emmanuelkirche aufzustellen. Acht Jahre sollte es dauern, bis diesem Wunsch entsprochen wurde. Doch das Warten hat sich gelohnt: Seit Januar sind die Arbeiten an der Orgel endlich in vollem Gang. „Untergehäuse und Pfeifen sind fertig saniert“, berichtet Hübner, „nun ist die Windlade an der Reihe, die gesamte Mechanik muss rekonstruiert werden, ebenso der Spieltisch, die Register und Pedale“.

Die Wiederherstellung des wertvollen Instruments ist aufwendig, und die Sanierer nehmen ihre Aufgabe ernst: Für die korrekte Restaurierung der Windanlage soll ein Schweizer Parallelmodell aufgesucht werden, eine Exkursion zu einer Teschemacher-Orgel in den Niederlanden ist schon unternommen. Ebenso genau sind die zeitlichen Planungen: Am 1. Advent soll der 270 Jahre alte Neuzugang mit einem großen Einweihungskonzert in der Emmanuelkirche gefeiert werden.

In Rondorf gibt es noch eine andere historische Orgel

Dort wird die barocke Kabinettorgel dann das erste Mal gemeinsam mit ihrer jüngeren, romantischen Schwester erklingen, die in der „Musikkirche“ in Rondorf schon vorhanden ist: Die Gerhardt-Orgel aus dem Jahr 1880 galt bis zur Entdeckung des Teschemacher-Instruments als älteste Orgel Kölns. „Wir haben sie von einem Dachboden gerettet“, sagt Hübner stolz.

Übung bei der Restaurierung eines historischen Instruments ist also durchaus vorhanden – aber wie steht es mit der Finanzierung einer weiteren Orgel? 239.864 Euro wird die Rundum-Erneuerung kosten. Eine tragende Rolle kommt hier der Stiftung Orgelklang der Evangelischen Kirche in Deutschland zu, die die Teschemacher-Orgel im April zur Orgel des Monats erklärte. Mehr als die Hälfte des Gesamtbetrags, ganze 127.332 Euro, wird sie zur Verfügung stellen. Davon stammen 117.332 Euro aus einer Projektspende des örtlichen Fördervereins.

Damit ist ein entscheidender Schritt getan. Im Blick auf das noch fehlende Geld macht sich Thomas Hübner keine Sorgen. Seit 32 Jahren ist er in Rondorf tätig, und er weiß: „Unsere Mitglieder sind bereit, Geld zu spenden, wenn es um die Unterstützung der Gemeinde geht – insbesondere um die musikalische Förderung, die ja auch ihren Kindern zugute kommt“. Und so ist es wohl nicht nur Gottvertrauen, das durchklingt, wenn der Pfarrer sagt: „Wenn man den Mut hat, etwas zu unternehmen, dann wird es auch etwas.“ 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 15. April 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 17. April 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / EKD / 16.04.2014



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