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Das ist sie: die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika in Trier. Das ist sie: die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika in Trier.

Trier

Ab 1. Advent erklingt sie in ihrer ganzen Fülle

Neun Jahre Planung, unzählige Arbeitsstunden, große Unterstützung durch Paten und Sponsoren – ein Projekt nähert sich seinem Abschluss und Höhepunkt: Am 1. Advent wird die neue Hauptorgel der Konstantin-Basilika in Trier mit einem großen Festgottesdienst eingeweiht.

Freut sich auf das leuchtende Klangbild der neuen Orgel: Kantor Martin Bambauer. Freut sich auf das leuchtende Klangbild der neuen Orgel: Kantor Martin Bambauer.

„Wir sind dem Land Rheinland-Pfalz dankbar für die finanzielle Unterstützung. Aber das allein hätte noch nicht gereicht – wir sind auch dankbar für die Unterstützung von Orgelpfeifenpaten, Spendern und Sponsoren – insbesondere der Evangelischen Kirche im Rheinland, dem Sparkassen-Verbund und der Stadtwerke Trier“, betont Pfarrer Reinhard Müller von der Evangelischen Kirchengemeinde Trier. „Jetzt freuen wir uns auf den Festgottesdienst am 1. Advent.“

3,42 Millionen. Euro Gesamtkosten galt es für die neue Hauptorgel aufzubringen. 633.000 Euro hat die Evangelische Kirchengemeinde Trier übernommen - nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern allein durch Spenden, Patenschaften und Sponsoren. Mehr als 600 Orgelpfeifenpaten haben so zum Beispiel mit ihrer Orgelpfeifenpatenschaft ein Stück Trierer Kulturgeschichte geschrieben und dazu beigetragen, dass die neue Hauptorgel in ihrem ganzen Umfang realisiert werden konnte.

Orgel im Weltkulturerbe

Das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer der Konstantin-Basilika hat den Bau der neuen Orgel mit rund 2,8 Millionen Euro maßgeblich finanziert. Dass die Planung und Umsetzung der neuen Hauptorgel nicht immer einfach war, weiß Brigitte Coen vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) aus eigener Erfahrung „Es ist ein besonderes Projekt, weil es besonders heikel ist, Änderungen durchzuführen, da die Basilika Unesco-Weltkulturerbe-Status hat.“

Der LBB war vom Finanzministerium des Landes Rheinland-Pfalz beauftragt worden, gemeinsam mit dem Ministerium das Projekt „Neue Hauptorgel“ umzusetzen. 2005 begannen die ersten Überlegungen und Planungen. Die äußere Gestaltung der Orgel wurde durch das Architekturbüro Auer Weber in Stuttgart umgesetzt, nachdem dieses einen Architektenwettbewerb für sich entschieden hatten.

Konstruktionsgerüst statt Kran

Vieles galt es bei den Planungen zu bedenken, so eben auch bauliche und denkmalpflegerische Aspekte der Basilika: Die Wand, an der die neue Hauptorgel nun ihren Platz gefunden hat, ist keine original römische Wand mehr, „nur deshalb war der Bau möglich“, so Brigitte Coen. Auch andere Herausforderungen erforderten Einfallsreichtum und Flexibilität: „Aufgrund der Größe der Orgel und der Höhe der Basilika mit über 30 Metern hat es ganz besondere Herausforderungen baulicherseits gegeben: Wir konnten nicht mit einem Kran arbeiten“, erläutert Coen. Ein Konstruktionsgerüst half – dieses musste jedoch mehrfach umgebaut werden, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Firma Hermann Eule Orgelbau aus Bautzen hat 2011 den Auftrag für den Bau der Orgel erhalten – nach einer europaweiten Ausschreibung für den Orgelbau. Seit rund 140 Jahren werden in Bautzen Orgeln hergestellt, so stammt die Orgel der Nikolaikirche in Leipzig von Eule.

Am Platz der ersten Hauptorgel

Nun hängt die neue Eule-Orgel an genau dem Platz, an dem es bis zum Zweiten Weltkrieg noch die erste Hauptorgel der Konstantin-Basilika gab. Mit der neuen Orgel ist der Wiederaufbau der Basilika nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vollendet. Dabei ist die eigentliche Funktion der Basilika von entscheidender Bedeutung gewesen. Brigitte Coen: „Die Orgel ist genehmigt worden, weil die Basilika eine Kirche ist und die Orgel ein liturgisches Instrument.“

Im April 2014 hatte die Montage des Instruments begonnen, die ersten LKWs aus Bautzen fuhren vor der Konstantin-Basilika vor. Seit Anfang Juli ist die Basilika für Besucherinnen und Besucher geschlossen gewesen: Die neue Orgel wurde intoniert. Pünktlich zum 1. Advent nun haben die Register ihren ganz eigenen Charakter und ihre klangliche Balance zum sie umgebenden Raum, wird die Eule-Orgel in ihrer ganzen Klangfülle erklingen.

Farbschattierungen wie beim Malen

Kantor Martin Bambauer weiß, was die Besucherinnen und Besucher des Festgottesdienstes erwartet: „Wir können uns auf ein leuchtendes, gut zeichnendes Klangbild freuen." Mit der neuen Orgel sei es nun endlich möglich, den großen Bereich der Orgelliteratur ab der Mitte des 19. Jahrhunderts angemessen dazustellen, erläuterte Bambauer weiter, der seit 1999 Kantor und Organist der Evangelischen Kirchengemeinde Trier ist.

Eine neue Orgel in diesem Format – das ist auch für Bambauer etwas ganz Besonderes: „Die neue Orgel zu spielen macht sehr viel Freude, ist aber auch eine Herausforderung. Besonders das Registrieren, also das genaue Festlegen der einzelnen Klangfarben für eine bestimmte Komposition, braucht viel Zeit.“ Das sei ähnlich wie beim Kochen eine Frage der exakten Feinheiten: „Da nehmen sie ja auch eine Prise hiervon und eine davon, um richtig abzuschmecken“, beschreibt der Kantor die Faszination orgelmusikalischer Klanggestaltung. Es gehe nicht darum, „möglichst viele Klangfarben anzuhäufen mit dem Ziel möglichst großer Lautstärke“, so Bambauer. „Vielmehr geht es darum, sehr differenziert auswählen zu können, so wie ein Maler seine Farbschattierungen variiert.“

Statt Sprints nun zwei Spieltische

Aber nicht nur die 6006 Orgelpfeifen, verteilt auf 87 Register und sechs Werke, sind Grund für die große Freude, sondern auch die beiden Spieltische. Besonders der zweite mobile ebenerdige Spieltisch ermöglicht zum einen das genaue Registrieren, da der Spieler die Orgel dann wie die Zuhörenden aus dem Raum heraus wahrnehmen kann. Darüber hinaus erleichtert er liturgische Abläufe im Gottesdienst – der Wechsel zwischen Orgel und Chor erforderte bisher aufgrund der Entfernungen mitunter Sprints.

Und die Schuke-Orgel, die bisherige Orgel der Basilika? Bleibt! „Die Schuke-Orgel wird natürlich nicht in den Dornröschen-Schlaf fallen“, betont Bambauer. Auch wenn die neue Orgel in den Vordergrund rücke, werde die Schuke-Orgel auch weiterhin in Gottesdiensten zu hören sein. Die Schuke-Orgel tauge bestens für frühe Orgelmusik bis Ende des 18. Jahrhunderts, die neue Eule-Orgel ab dem 19. Jahrhundert. So verfügt die Basilika nun über zwei völlig unterschiedliche Orgeln, die sich gegenseitig perfekt ergänzen.

Hinweise

Der Festgottesdienst am Sonntag, 30. November, beginnt um 9.50 Uhr. Er wird live im Deutschlandfunk übertragen. Die Predigt hält der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. Die musikalische Leitung des Festgottesdienstes liegt bei Kantor Bambauer – die Besucherinnen und Besucher können sich auf Orgelimprovisationen, das Zusammenspiel von Chor, Bläsern und neuer Orgel und natürlich Gemeindelieder mit Orgelbegleitung freuen. Im Anschluss an den Gottesdienst folgen Grußworte der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, von Präses Manfred Rekowski, der Geschäftsführerin der Firma Eule Anne-Christin Eule sowie des Trierer Oberbürgermeisters Klaus Jensen. Um 17 Uhr gibt es gleich noch einmal Gelegenheit, in den Hörgenuss der neuen Eule-Orgel zu kommen: Dann spielt Kantor Martin Bambauer ein Orgelkonzert mit Werken von Sir William Walton, Edwin H. Lemare, Marcel Dupré, Johann Sebastian Bach sowie Charles-Marie Widor, der Eintritt ist frei. Den ganzen Dezember über gibt es darüber hinaus zahlreiche Konzerte und damit weitere Gelegenheiten, die Klangfülle und die auf den Raum der Basilika perfekt abgestimmte Klangschönheit der Eule-Orgel selbst zu erleben.

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ekir.de / Maike Roeber / 28.11.2014



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