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Schmiede-Aktion Mit einer Schmiede-Aktion für den Frieden präsentierte sich das Projekt "heißes Eisen - kalter Stahl" der Evangelischen Jugend Essen im Juni beim Kirchentag in Stuttgart.

Interview

Schmiede-Aktion, Freiwilligendienste und Friedensnetzwerke

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) hat Orientierungen für eine friedensethische Praxis herausgegeben. Der rheinische Jugendbildungsreferent Ulrich Suppus erläutert im ekir.de-Interview Positionen und Impulse.

Ulrich Suppus Ulrich Suppus

Jeden Tag liefern die Medien neue Bilder kriegerischer Auseinandersetzungen. Täuscht der Eindruck, dass das Thema Bedrohung durch Krieg und Gewalt heute trotzdem weniger Raum im Bewusstsein junger Menschen einnimmt als in früheren Jahrzehnten?

In den 80er Jahren, angesichts der atomaren Bewaffnung und des Kalten Krieges, war die Bedrohung sehr stark im Bewusstsein. Aber wir machen aktuell die Erfahrung, dass Krieg und Gewalt auch heute sehr präsent sind. Im Moment überdeckt die Flüchtlingsdiskussion zwar alles andere, aber auch da ist zu sagen: Kriege sind die Ursache dafür. Das politische Bewusstsein bei jungen Leuten wird zudem wieder wach. Das sagt auch die aktuelle Shell-Jugendstudie.

Welche Rolle spielt die Aussetzung der Wehrpflicht?

Die spielt eine große Rolle, weil junge Männer sich nicht mehr automatisch zwischen Bundeswehr und Zivildienst entscheiden müssen. Die Gewissensentscheidung findet aber im Zusammenhang mit der Berufswahl weiter statt – und anders als früher gilt das jetzt auch für junge Frauen.

Wie können die unterschiedlichen Positionen in unserer Gesellschaft vom bedingungslosen Pazifismus bis zur Politik der militärischen Intervention in die Diskussion eingebracht werden?

Die Evangelische Jugend Pfalz hat 17 Friedensthesen veröffentlicht, die wir im Rheinland auch diskutieren. Wir werden in verschiedenen Arbeitsbereichen mit Fragen von Krieg und Frieden konfrontiert. Das ist eine Chance auf junge Menschen zuzugehen. Das gilt zum Beispiel in der wachsenden Zahl der Freiwilligendienste. Wir selbst, die Evangelische Kirche im Rheinland, bieten einen internationalen Freiwilligendienst an, auch die Vereinte Evangelische Mission. In der Vorbereitung auf die Dienste und mit den Rückkehrerinnen und Rückkehrern werden die Fragen miteinander be- und erarbeitet.
Eine Jugendgruppe aus Essen hat etwa das Thema „Schwerter zu Pflugscharen“ mit einer echten Schmiede-Aktion für den Stuttgarter Kirchentag umgesetzt.
Außerdem haben sich Friedensnetzwerke gebildet, die das Thema in die Schulen bringen, in denen ja die Bundeswehr seit Jahren verstärkt für sich wirbt.
In Kooperation mit der Evangelischen SchülerInnenarbeit und dem Hackhauser Hof als außerschulischem Lernort, führen wir mit Schulklassen und Gruppen aus Schulen Friedensseminare durch, in denen über das Prinzip der Gewaltfreiheit, internationale Konflikte und unsere Verstrickung dabei gearbeitet wird. In Koblenz zeigen wir gerade die Ausstellung „Frieden geht anders“, mit der belegt wird, dass auch internationale Konflikte gewaltfrei gelöst werden können und müssen.

Welche Impulse können die „Orientierungen für eine friedensethische Praxis“ für die Arbeit an der Basis gehen?

An erster Stelle soll natürlich der Impuls gegeben werden, sich verstärkt mit den Fragen von Frieden und Krieg auf dem Hintergrund unserer Glaubensüberzeugung für Gewaltfreiheit auseinanderzusetzen. In den letzten Kapiteln werden viele Möglichkeiten für das Handeln dargestellt. Zum Beispiel besteht die Chance auch bei Jugendfreizeiten, an denen ja noch jedes Jahr viele Jugendliche teilnehmen, durch unterschiedlichste Initiativen für die Fragen zu einem Gerechten Frieden zu sensibilisieren. Das geht von der Gewaltfreiheit im persönlichen Umgang bis zur Einsicht, dass kriegerische Auseinandersetzungen kein Mittel der Konfliktlösung sein dürfen.

Wie entwickelt die Evangelische Jugend ihre Positionen weiter?

In der Evangelischen Jugend gibt es viele Ebenen. Die Orientierungen für eine friedensethische Praxis hat die Bundesebene herausgegeben. Wir haben die erwähnten 17 Friedensthesen jeweils auf ein T-Shirt drucken lassen und werden sie unter dem Motto „Diese These ziehe ich mir an“ von den Delegierten der Evangelischen Jugend im Rheinland (EjiR) in die Kirchenkreise bringen lassen. In den Kirchenkreisen können dann diese Thesen wahrgenommen, diskutiert, weiterentwickelt und mit praktischen Aktionen verbunden werden. In der darauf folgenden Delegiertenkonferenz werden wir dann versuchen aus den Erfahrungen, Meinungen und Aktionen Positionen herauszubilden.
Aktuell hat sich die EjiR auf ihrer jüngsten Delegiertenkonferenz für den Abzug der Atomwaffen aus Büchel in der Eifel eingesetzt.

Ulrich Suppus ist Jugendbildungsreferent für die Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er war Mitglied der Expertengruppe zur Erarbeitung der Orientierungen. Sein Büro ist in Koblenz.

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ekir.de / rtm / Fotos: Sergej Lepke, privat / 28.10.2015



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