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Foto: Thorben Wengert Im Organspendeausweis wird die persönliche Haltung zu einer Organspende erklärt.

Orientierungshilfe

Organspende: Fragen und Einwände offen diskutieren

Um Organspende und Organtransplantation geht es in einer Orientierungshilfe der rheinischen Kirche für Mitarbeitende in der Krankenhausseelsorge und andere Interessierte. Die Handreichung legt den Schwerpunkt auf die Aufgabe und Rolle der Seelsorge.

Das Thema Organspende polarisiere nach wie vor, erklärt im Vorwort der zuständige Seelsorge-Dezernent in der Evangelischen Kirche im Rheinland, Kirchenrat Jürgen Sohn. Neben vehementen Befürworterinnen und Befürwortern gebe es ebenso vehemente Gegner der Organspende, auch und gerade in den Kirchen. Dabei sieht Sohn aktuell besonders die Frage der Plausibilität des sogenannten Hirntod-Kriteriums im Zentrum. Nach Ansicht des Leitenden Dezernenten sollten diese Anfragen und Einwände offen diskutiert werden.

Sohn zitiert aus der gemeinsamen Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland und der katholischen Deutschen Bischofkonferenz von 1990. Darin heißt es: „Aus christlicher Sicht ist die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten.“ Diese Sicht werde in der evangelischen Kirche aber nicht durchgängig geteilt.

Individuelle Situation vor normativer Sicht

Die Orientierungshilfe widmet sich auf 34 Seiten den rechtlichen Rahmenbedingungen nach dem deutschen Transplantationsgesetz, ethischen Fragen, der Person des Krankenhausseelsorgers oder der -seelsorgerin sowie den unterschiedlichen Rollen in der Seelsorge. Hinweise zu Literatur und Internetangeboten ergänzen die Veröffentlichung. Einleitend werden Fragen gestellt, die zurzeit gesellschaftlich, bei Betroffenen und im privaten Kreis kontrovers diskutiert werden:

• Ist die Organspende eine christliche, gesellschaftliche Pflicht?
• Bietet die juristisch orientierte Hirntoddiagnostik ein angemessenes Kriterium für das Ende des Lebens?
• Wie können Organe „gerecht“ verteilt werden?
• Wie sind die Folgen einer Organtransplantation ganzheitlich einzuschätzen und wie können sie ethisch eingeordnet werden?

„Evangelische Seelsorge geht in einer konkreten Situation weniger von einer allgemeinen normativen Sicht auf die Organtransplantation aus“ heißt es weiter in Orientierungshilfe. Sie nehme die Menschen stattdessen in ihrer individuellen Situation und in ihrem Dilemma wahr. Evangelische Seelsorge unterstütze Menschen, gut informiert eine für sie und ihre Mitmenschen tragfähige, verantwortliche Entscheidung zu treffen und dabei auch die in jeder Entscheidung ebenso vorhandenen Schattenseiten bewusst zu integrieren.

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ekir.de / rtm / Foto: Thorben Wengert/pixelo.de / 04.03.2016



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