Griechisch-Orthodoxe Ostern

Rote Eier und eine lange Osternacht

Die Taufe an Ostern ist in der Griechisch-Orthodoxen Kirche ein Klassiker. Doch die Osterzeit ist in den Gemeinden darüber hinaus mit vielem verbunden, das andere Kirchen so nicht kennen.

Griechisch-Orthodoxe Kirchen und Gemeinden - wie hier auf Kos - gibt es nicht nur im Urlaubsland. Allein in Köln zählt die Gemeinde 8000 Gläubige. LupeGriechisch-Orthodoxe Kirchen und Gemeinden - wie hier auf Kos - gibt es nicht nur im Urlaubsland. Allein in Köln zählt die Gemeinde 8000 Gläubige.

Mehrere Stunden dauern in einer griechisch-orthodoxen Kirche die Gottesdienste, nicht nur in der Karwoche und an Ostern. „Einige kommen auch später in die Kirche, aber das ist kein Problem“, sagt Jutta Geuren. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Gemeinderates der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Köln und hat Verständnis für Gemeindeglieder, die schließlich auch noch arbeiten müssen. So still, dass man nicht raus- oder reingehen könne, sei es nicht. Es gehört zur Tradition in der Kirche, dass viele nicht die ganze Zeit bleiben und einige wenigstens ein Kreuz schlagen oder eine Kerze anzünden wollen.

In der „Großen Woche“ und besonders an Ostern sind in den Gottesdiensten viele, die sonst nicht kommen. 8000 Christinnen und Christen zählt die Gemeinde in Köln und ein paar Tausend versammeln sich in der Osternacht von Samstag auf Sonntag in der „Kirche Entschlafen der Gottesmutter“ in Köln-Deutz. „Alle versuchen in die Kirche zu kommen - die Hälfte der Stühle nehmen wir aus der Kirche“, so die 66-jährige Geuren. Dann können die Älteren noch sitzen und für viele andere gibt es Stehplätze.

„Alithos anesti“ – er ist wahrhaftig auferstanden

Die Osternacht ist der Höhepunkt der Woche. Um 21.30 Uhr beginnt die Vesper in Köln-Deutz. Mit weißen Kerzen kommen die Menschen in die Kirche. Gegen Mitternacht gehen zunächst alle Lichter in der Kirche aus und der Priester entzündet das heilige Osterfeuer. Mit „Christos anesti“ verkündet er die Auferstehung, beantwortet von der Gemeinde mit „alithos anesti“ – er ist wahrhaftig auferstanden. Das Licht geht zu den Kerzen der Gläubigen. „Auch zu Hause soll das Licht noch möglichst lange brennen“, sagt Jutta Geuren. Viele schwärzten ein Rußkreuz als Symbol an ihrer Haustür. In der Kirche umarmen sich alle nach der Entzündung des Lichts.

„Traditionell gibt es in Griechenland Feuerwerke in der Osternacht“, so die Kölnerin, die eine Zeit lang in Griechenland gelebt hat. Immerhin gibt es auch in Köln den Brauch rote Eier mit in den Gottesdienst zu bringen. Man schlägt die Eier aneinander und wessen Ei nicht kaputt geht, der darf beide behalten. Das Rot der Eier steht für das Blut Christi und das Leben.

Jutta Geuren war mit einem griechischen Mann verheiratet. „Er wollte aber nicht, dass ich seinetwegen orthodox werde“, sagt sie. Dennoch wurde sie es und beschäftigte sich im Seniorenstudium sogar mit Byzantinistik und Philosophie. Sie liebt auch die alten Gesänge im byzantinischen Griechisch der Liturgie.

Die Ostersuppe wird am Samstag gekocht

Große Bedeutung hat die Fastenzeit in der griechischen Tradition. „Am Samstagnachmittag wird die Ostersuppe gekocht“, erläutert Jutta Geuren. Zu den Zutaten gehören Reis, Dill und Innereien wie Leber. Jeder schwöre auf das eigene Rezept, so Geuren. Doch probieren kann man die Suppe noch nicht. Sie ist für das Mahl in der Osternacht bestimmt. Das große Mahl der Familie gibt es am Ostersonntag. Aber in der griechisch-orthodoxen Praxis kann Fasten heute auch der Verzicht auf das Rauchen oder die Schminke bedeuten.

Auf eine Prozession um die Deutzer Kirche am Karfreitag verzichtet die Gemeinde dieses Jahr. Der Grund ist eine Baustelle. Doch werden die Gläubigen wie in den anderen Gemeinden den „Epitaphios“, Symbol des Grabtuches Jesu, geschmückt durch die Gemeinde tragen.

"Der Ostermontag ist für die griechisch-orthodoxe Gemeinde nur von Bedeutung, wenn der Tag zusammenfällt mit dem Namenstag des heiligen Georg“, sagt Geuren. So ist es in diesem Jahr. Georg war unter anderem Schutzpatron des Byzantinischen Reichs. Wie im Vorjahr werden 2011 das westliche und östliche Ostern an einem Termin gefeiert. Bei der Berechnung des Ostertermins folgt die Griechisch-Orthodoxe Kirche dabei dem alten Julianischen Kalender, um den einheitlichen Termin der östlichen Kirchen zu wahren. Anders als zum Beispiel die russische Kirche folgen die Griechen ansonsten eigentlich dem Gregorianischen Kalender.

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 20. April 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 21. April 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / Foto: W. Morozow/pixelio.de / 20.04.2011



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