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Vergewaltigte Frauen werden im Krankenhaus 'Panzi':medizinisch versorgt und betreut. Vergewaltigte Frauen werden im Krankenhaus "Panzi" medizinisch versorgt und betreut.

Landessynode 2016

Ostkongo und Ukraine: Fluchtursachen bekämpfen

Zwei Kirchen, in deren Ländern Bürgerkriege toben, treten für die Menschen ein, die an den Folgen besonders leiden: die Baptistische Kirche im Ostkongo und die Reformierte Kirche in Transkarpatien (Ukraine). 

Mit Synodalen der Evangelischen Kirche im Rheinland tauschten sich Dr. Kakule Molo, Präsident der Baptistischen Kirchen in Zentralafrika, und Bischof Sándor Zán-Fabián über Hilfsprojekte aus. Beide Kirchen wollen die Menschen in ihren Heimatländern halten und bekämpfen daher die Fluchtursachen, insbesondere Bürgerkriegsunruhen.

Mit Beratung und Seelsorge an vergewaltigten Frauen versucht die Baptistische Kirche im Ostkongo die schlimmsten Folgen der seit Jahren andauernden Kämpfe zu mildern. Seine Kirche betreue zurzeit 2.850 Frauen in 150 Gesundheitszentren, berichtete Kakule Molo.

Darüber hinaus sind auch Krankenhäuser und Kirchengemeinden Anlaufstellen für die Frauen. Sie finden hier soziale, psychologische und juristische Beratung sowie Seelsorge, um das Trauma der Vergewaltigung überwinden zu können.

Die Ausstattung mit Nutztieren und Gerät sowie die Vermittlung von Mikrokrediten helfen ihnen beim Aufbau einer eigenen Existenz. Die Einrichtungen werden finanziell unterstützt durch die rheinische Kirche und die Vereinte Evangelische Mission (VEM). So kam beispielsweise eine Synodenkollekte dieser Arbeit zugute. „Mit dieser Kollekte konnten wir mehr als 5.000 Menschen helfen“, so Molo.

Opfer marodierender Gruppierungen

Noch immer leidet der Osten der Demokratischen Republik Kongo unter dem Bürgerkrieg. Kakule Molo berichtete von anhaltenden Kämpfen zwischen der kongolesischen Armee und Milizen aus Uganda und Rwanda, die aus dem Urwald heraus agieren. Erst vor drei Wochen sei in einem Dorf ein Massaker verübt worden. Bis zu 80 Prozent der vergewaltigten Frauen seien Opfer der marodierenden Gruppierungen, berichtete Molo.

Der geringere Teil der Straftaten werde von Männern innerhalb der Familien oder aus der Nachbarschaft verübt. „Nur wenige Frauen wagen es, die Täter zu benennen, so dass sie strafrechtlich belangt werden könne“, erläuterte Molo. Die Sozialzentren, in denen Pastoren und ehrenamtlich Mitarbeitende Dienst und Seelsorge leisten, sind ein Mittel, um zu verhindern, dass die Menschen aus dem Land flüchten.

Ukraine: Kirche installiert Krisenzentrum

Auch in der Ukraine herrscht Bürgerkrieg, wenn auch unter vollkommen anderen Verhältnissen. Hier fliehen die Menschen aus dem von Kampfhandlungen an der Grenze zu Russland betroffenen Osten in den Westen des Landes. Die Reformierte Kirche von Transkarpatien hat Hilfsprojekte installiert, darunter ein Krisenzentrum für traumatisierte Flüchtlinge. „Unsere Gemeindeglieder sind bitter arm, trotzdem helfen sie mit Kleidung und Essen“, erklärt Bischof Sándor Zán-Fabián.

Die große Hilfsbereitschaft habe ihn selbst überrascht. Man habe Depots eingerichtet mit Bekleidung, haltbaren Lebensmitteln und Hausrat, um ankommende Flüchtlinge zu unterstützen. Die reformierte Kirche hat ein elementares Interesse daran, Menschen in der Region zu halten, denn das Land blutet aus. Vor allem gut ausgebildete Bürger wie Ärzte und Wissenschaftler wandern in den Westen ab. „Die ärztliche Versorgung ist katastrophal“, sagte Zán-Fabián. „Wir sind dankbar dafür, dass immer noch so viele Familien bei uns bleiben, um unser Gemeindeleben aufrechterhalten zu können.“

Gewalt beenden

Ein großes Thema in seiner Kirche sei die Integration neu Zugezogener. Dabei habe man in jahrelanger sozialdiakonischer Arbeit mit Roma-Familien Erfahrungen sammeln können. Zán-Fabián: „Wir müssen im Kindergarten mit Bildungsangeboten beginnen, dann kommen wir auf einen guten gemeinsamen Weg.“

Im Blick auf die anhaltende Unsicherheit, Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen überall auf der Welt plädierte Dr. Jochen Motte, Mitglied des Vorstandes der VEM, dafür, verstärkt gegenüber der Bundesregierung und Parlamentariern dafür einzutreten, dass Deutschland im Rahmen der EU und der Vereinten Nationen relevante Beiträge zur Beendigung von Gewalt und der Entwicklung der Bürgerkriegsländer leistet.

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MU / Foto: Kakule Molo / 11.01.2016



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