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Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Foto: Bistum Essen / Achim Pohl Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Foto: Bistum Essen / Achim Pohl

Interview Bischof Franz-Josef Overbeck

"Ein Reformator müsste uns heute Mut machen"

Franz-Josef Overbeck (53), Bischof im Ruhrbistum Essen, im Interview anlässlich des Reformationsjubiläums

Der Ruhrbischof reiste im vergangenen Jahr mit Spitzen der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland nach Israel und hat dort - wie viele andere - Ökumene erlebt. 2017 hat er mit Präses Rekowski viel für die Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Kirche getan. Zu Gast war er im Januar bei der rheinischen Landessynode, dem höchsten Gremium der Landeskirche. Dort sagte er, dass Christen nur noch gemeinsam glaubwürdige Zeugen des Evangeliums sein können.

Bischof Overbeck, sind Sie froh, dass das Reformationsjubiläum jetzt vorbei ist?

Ich bin vor allem froh, dass wir das Reformationsjubiläum mit starken ökumenischen Akzenten feiern konnten. Das hat es so noch nicht gegeben. Wir sind uns in diesem Jahr näher gekommen und nehmen viel Schwung für unsere Zusammenarbeit mit in die Zukunft.

Was ist jetzt anders als vorher?

In der Vergangenheit war die Ökumene häufig eine Zusatzaufgabe: Erst bearbeitet und regelt jeder das Seine, und dann tun wir auch noch etwas gemeinsam. Von diesem Verständnis der Ökumene wollen wir weg und überall da, wo es sinnvoll und möglich ist, von vornherein zusammenarbeiten.

Wann feiern Sie mit Präses Rekowski das erste gemeinsame Abendmahl?

Wenn unsere Kirchen die noch offenen theologischen Fragen für beide Seiten ehrlich und nachvollziehbar geklärt haben. Dabei darf eine Einigung zwischen Katholiken und Protestanten nicht neue Gräben zwischen uns und den orthodoxen Kirchen aufreißen.

Was ist das größte Hindernis auf dem Weg dorthin?

Die Frage des Abendmahls ist untrennbar verbunden mit dem Verständnis von Kirche und Amt. Gemeinschaft am Altar setzt eine Verständigung in diesen Fragen voraus. Wir haben es bereits geschafft, ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigung zu erzielen. Wir müssen jetzt das Themenpaket Kirche, Eucharistie und Amt weiter und tiefer bearbeiten.

Wieso ist die Ökumene den Kirchen so wichtig?

Weil wir uns alle auf Jesus Christus und sein Evangelium berufen. Von diesem gemeinsamen Fundament aus betrachtet, ist Kirche im Plural eigentlich ein Unding. Die Zusammenarbeit und das Bemühen um Einheit gehören also zu unserem Auftrag. Ohne Ökumene wären wir komplett unglaubwürdig.

Ist eine echte Einheit der Kirche überhaupt ein realistisches Ziel?

Unser Ziel ist die sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit. Die verschiedenen Traditionen sind Schätze, die uns gegenseitig bereichern. In diesem Sinne: ja, diese Einheit können wir zwischen Protestanten, Katholiken und Orthodoxen erreichen. Das ist meine feste Überzeugung. Größere Fragezeichen habe ich bei einigen Freikirchen und Pfingstkirchen.

Wie viel Luther steckt in Papst Franziskus?

Wie Luther lebt Papst Franziskus aus einer tiefen Spiritualität. Beide sind durch die theologische und religiöse Schule eines Ordens gegangen. Auch Papst Franziskus sieht einen Reformbedarf der katholischen Kirche und mahnt ihn an. Letztlich aber werden Vergleiche weder dem Reformator noch dem Papst gerecht.

Was würde ein Reformator oder eine Reformatorin heute in der katholischen Kirche ändern?

Ein Reformator hätte heute die Aufgabe, uns Mut zu machen, damit wir angesichts der vielen Herausforderungen nach vorne schauen. Er würde aufzeigen, wo kirchliches Leben erstarrt ist, und uns nach dem Vorbild Luthers eine Sprache ans Herz legen, die verständlich, lebensnah und kraftvoll den Glauben verkündet.

Wo ist die katholische Kirche in den vergangenen 20 Jahren evangelischer geworden?

Vor allem hat sich die Rolle der sogenannten Laien verändert, die heute verantwortungsvollen seelsorglichen Berufen nachkommen oder  auch ehrenamtlich  zentrale Aufgaben wie die Leitung von Wortgottesdiensten oder Beerdigungen übernehmen. Ebenso sind die synodalen Elemente deutlich gestärkt worden.

Wenn Sie einen Wunsch an die evangelische Kirche frei hätten - welcher wäre das?

Ich habe nur einen Wunsch für die evangelische Kirche, nämlich dass es ihr gelingen möge, in einem zunehmend säkularen, pluralen und multireligiösen Umfeld den Glauben überzeugend und einladend zu leben. Das wünsche ich natürlich auch uns Katholiken und hoffe, dass wir dabei voneinander lernen können und vieles gemeinsam tun.

Worum beneiden Sie die Protestanten?

Ich sage Ihnen, was ich an den Protestanten schätze: die gründliche Auslegung der Bibel in den Predigten, das gesellschaftspolitische Engagement auf der Ebene der Landeskirchen wie der Gemeinden und die intensiven Diskussionsprozesse auch über theologische Fragen bei den Synoden.

Mit welcher Gestalt der Kirchengeschichte würden Sie gern mal essen gehen?

Mit meinem Namenspatron, dem heiligen Franz von Assisi. Es würde wohl ein sehr einfaches Mahl, aber das Gespräch darüber, wie Franziskus in einer Zeit des Umbruchs sich ganz von seinem bisherigen Leben gelöst hat und radikal in die Nachfolge Jesu eingetreten ist, stelle ich mir sehr spannend vor.

Was machen Sie am 1. November?

Wir Katholiken begehen an diesem Tag das Fest Allerheiligen. Vormittags feiere ich die Heilige Messe und gedenke dabei der Menschen, die bereits bei Gott sind und mit denen wir verbunden bleiben. Ihr Vorbild kann uns helfen, unser Leben auf Gott auszurichten. Abends besuche ich dann das Grab meines Vaters und die Gräber der Verstorbenen meiner Familie.

 

 

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Aus: Sonderveröffentlichung der Rheinischen Post „1517-2017. 500 Jahre Reformation“ am 31. 10. 2017 / 30.10.2017



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