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Antisemitismus und Theologie

Ist christliche Theologie notwendig judenfeindlich?

Von Prof. Dr. Andreas Pangritz, Bonn

Als christlicher Theologe muss ich die Frage, ob christliche Theologie notwendig judenfeindlich sei, mit „nein“ beantworten. Andernfalls müsste ich aufhören, christliche Theologie zu betreiben.

Tatsächlich hat sich christliche Theologie in ihrer Geschichte aber immer wieder judenfeindlich geäußert, und sie tut es bis heute. Gemeint ist damit nicht das „Auseinandergehen der Wege“ zwischen Juden und Christen, das schon in der Antike zu zwei verschiedenen Glaubensweisen in biblischer Tradition geführt hat. Gemeint ist vielmehr die christliche „Lehre der Verachtung“, in der die Juden schon früh als von Gott verworfen bezeichnet und verächtlich gemacht wurden. Mit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion konnte diese Verachtung dann auch politisch exekutiert werden: Juden wurden im christlichen Abendland diskriminert, verfolgt, vertrieben und ermordet. Die Geschichte eines christlichen Antisemitismus, der wesentlich zur Vorbereitung und Durchführung des nationalsozialistischen Judenmords beigetragen hat, kann zu dem Urteil führen, christliche Theologie sei notwendig judenfeindlich.

Dennoch muss dem Eindruck, christliche Theologie sei notwendig judenfeindlich, aus theologischer Sicht widersprochen werden. Mit einem bloßen „nein“ ist es jedoch angesichts der immer wieder neu auflebenden „Lehre der Verachtung“ nicht getan. Vielmehr geht es um eine bleibende Aufgabe: Indem sich Christen mit ihrem Christusbekenntnis zu dem Juden Jesus bekennen, der ein treuer Anhänger der biblisch überlieferten jüdischen Traditionen war, sind sie herausgefordert, ihren Glauben so zu formulieren, dass er sie mit den Juden verbindet. Diese Aufgabe ist in der Evangelischen Kirche im Rheinland zum ersten Mal mit dem Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ vom 11. Januar 1980 deutlich formuliert worden. Die Arbeit, auf dieser Grundlage eine neue Theologie zu entwickeln, die nicht judenfeindlich ist, steht jedoch erst am Anfang. Sie wird auch zentrale Lehren reformatorischer Theologie wie die Behauptung, Christus sei das „Ende des Gesetzes“, nicht unverändert stehen lassen können.

Information: "Ist christliche Theologie notwendig judenfeindlich?" Einen Vortrag unter dieser Überschrift wird Prof. Pangritz bei der Tagung "Christusglaube - Judenhass. Antisemitismus als Herausforderung für Theologie und Kirche" (19. bis 21. Februar 2018, Evangelische Landjugendakademie Altenkirchen) halten.

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ekir.de / 30.01.2018



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