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Metropolit Augoustinos gemeinsam unterwegs mit dem Vorsitzenden des Panorthodoxen Konzils Patriarch Bartholomaios. Metropolit Augoustinos gemeinsam unterwegs mit dem Vorsitzenden des Panorthodoxen Konzils Patriarch Bartholomaios.

Panorthodoxes Konzil

Ein Jahrtausend-Ereignis

Ihre Position zu revidieren und im recht verstandenen Interesse unserer Kirche zu handeln, dazu hat Metropolit Augoustinos von Deutschland die russisch-orthodoxe Kirche aufgefordert. In seinem Statement zum "Heiligen Großen Konzil" mahnt er, nicht nationalistische Bestrebungen über die Einheit der orthodoxen Kirche zu stellen.

Doch auch nach der Absage durch die Russische Orthodoxe Kirche und entsprechenden medialen Reaktionen, etwa dem tagesschau.de-Titel "Orthodoxer Gipfel auf der Kippe", stellt Erzpriester Constantin Miron (Köln) klar: "Eines ist sicher: Das panorthodoxe Konzil ist nicht in Gefahr." Miron ist Beratendes Mitglied der Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel beim Heiligen und Großen Konzil der Orthodoxen Kirche. Dieses Konzil findet auf der griechischen Insel Kreta statt und beginnt an diesem Sonntag, 19. Juni, dem orthodoxen Pfingstfest.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Ökumene-Arbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland: "Das Panorthodoxe Konzil ist für die Orthodoxie nicht nur ein Jahrhundert-, sondern ein Jahrtausend-Ereignis." Zum ersten Mal nach mehr als tausend Jahren treffen sich die 14 selbständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen. In fünfzig Jahren Vorbereitung und vielen Vorkonferenzen wurden die Beschlussvorlagen vorberaten, die jetzt auf Kreta zum Beschluss stehen.

Kraftakt für gemeinsame Verlautbarungen

Rudolph: "Für die orthodoxen Kirchen ist es ein Kraftakt, nach einer so langen Zeit zu gemeinsamen Verlautbarungen zu kommen." Zudem hätten die Kirchen den Anspruch, alle Entscheidungen einstimmig zu treffen. Wichtig sind aus ihrer Sicht die Diskussionen innerhalb der orthodoxen Gemeinschaft, auch hier in Deutschland. Außerdem weiß die evangelische Theologin: "Manche Professoren der orthodoxen Lehrstühle in Deutschland wünschen sich zum Beispiel eine größere Beteiligung der Basis."

Im Blick auf die Absage aus Russland, aber auch aus Bulgarien, Georgien und Antiochien erklärt die Oberkirchenrätin: "Die Konflikte innerhalb der Orthodoxie gären schon seit langem. Nach der politischen Umwälzung Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten sich orthodoxe Kirchen nach der langen Zeit der kommunistischen Unterdrückung wieder neu entfalten. Häufig hat es sich verbunden mit nationalen Interessen, allen voran in Russland. Offensichtlich spitzen sich die nationalen Interessen direkt vor dem Konzil zu. Ich hoffe, dass letzten Endes die Kirchen sich der gemeinsamen Beratung nicht entziehen werden."

Herausforderungen der sich wandelnden Welt

Für Metropolit Augoustinos soll das Konzil, das bis 27. Juni tagen wird, "die Herausforderungen für die Kirche in einer sich wandelnden Welt aufgreifen". Für die weltweite Orthodoxe Kirche sei dieses Konzil "in ganz besonderer Weise ein Ausdruck ihrer synodalen Struktur, die eine kollegiale und kollektive Leitung vorsieht".

Sechs Themen wurden von einer ursprünglich längeren Themenliste für Kreta ausgewählt: Der Auftrag der Orthodoxen Kirche in der heutigen Welt. Die Orthodoxe Diaspora. Die Autonomie und die Art und Weise ihrer Verkündigung. Das Mysterium (Sakrament) der Ehe und die Ehehindernisse. Die Bedeutung des Fastens und seine Beachtung heutzutage. Und: Die Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt.

Die Orthodoxe Kirche verstehe sich als eine Kirche mit einem gemeinsamen Glauben, einer gemeinsamen Kirchenordnung und einem gemeinsamen Kirchenrecht, erläutert Augoustinos. "Die Einheit der Orthodoxie ist uns wichtig." Deshalb wolle die orthodoxe Kirche auch in organisatorischen und rechtlichen Fragen "einen gemeinsamen Weg gehen".

Besonderes Interesse am Themenfeld Diaspora

Das zweite Thema "Die Orthodoxe Diaspora" interessiere ihn als Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), einer Institution also, die über 1,5 Millionen Gläubige in Deutschland umfasst, besonders, erklärt der Metropolit. Die OBKD sei 2010 als Provisorium gegründet worden. "Nun hat sich aber gerade das Provisorium als gangbare Lösung erwiesen, gerade auch in Deutschland."

Ohne den Ergebnissen der Konzilsberatungen vorgreifen zu wollen, glaube er, dass man das "Erfolgsmodell" der Orthodoxen Bischofskonferenzen, die es in vielen Regionen der Welt gibt, nicht ohne weiteres aufgeben werde, so Metropolit Augoustinos.

Das Bistum Trier hat zum Heiligen und Großen Konzil der Orthodoxen Kirche zum Gebet aufgerufen: "Wir bitten für die in diesen Tagen auf Kreta zum Konzil versammelten Bischöfe der Orthodoxen Kirche: Segne ihre Beratungen, damit sie reiche Frucht tragen für ein lebendiges Zeugnis deiner Gegenwart in dieser Welt und die Einheit der Christen fördern."

GEKE: Große Freude

Auf das "bedeutende Ereignis" reagiert auch der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa (GEKE). Die Vertreter der evangelischen Kirchen Europas haben die Nachricht von der Einberufung des Konzils "mit großer Freude" aufgenommen, schreibt Bischof Dr. Michael Bünker an die in Kreta versammelten Brüder in Christo.

Das Zusammentreten sei ein ökumenischer Meilenstein, mit dem die orthodoxen Kirchen ihre Verantwortung für die Einheit der Menschheit und die Gemeinschaft aller Christen auf Erden in mehrfacher Weise wahrnehmen. Die Patriarchen, Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe antworteten auf pastorale Herausforderungen, behandelten Fragen des Verhältnisses zueinander und bestimmten ihre gemeinsame Position in der ökumenischen Bewegung. Die GEKE begleite die Beratungen mit Gebeten und hofft "auf eine Vertiefung unserer schon jetzt bestehenden Gemeinschaft", so Bischof Bünker.

Zuversicht, dass das Konzil etwas bewegt

Die rheinische Kirche warte nun erst einmal ab, "wie sehr sich die schon seit langem bekannten Konflikte tatsächlich auf den Ablauf des Konzils auswirken werden", so Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Konzil etwas bewegen wird."

Der Initiative des Bistums Trier, für die Schwesterkirchen am Sonntag zu beten, schließe sich die rheinische Kirche gern an. Rudolph: "Die Orthodoxe Kirche feiert am Sonntag das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes. Ein gutes Zeichen für das Konzil!"

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ekir.de / Anna Neumann, Foto OK / 17.06.2016



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