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Gemeinsame Tagung der Synodalbeauftragten für christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog in Paris. Gemeinsame Tagung der Synodalbeauftragten für christlich-jüdischen und christlich-muslimischen Dialog in Paris.

Christlich-jüdisches und christlich-muslimisches Gespräch

Im Fokus: Fragiles Miteinander der Religionen

Das fragile Miteinander der Religionen in Frankreich stand im Fokus der 27 Teilnehmenden der dritten gemeinsamen Tagung der Synodalbeauftragten für das christlich-jüdische und für das christlich-muslimische Gespräch. Dazu tagten sie in Paris im Foyer le Pont. 

Der Zeitpunkt war sinnfällig: ein Jahr nach den Anschlägen auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo und die Menschen im koscheren Supermarkt, sowie etwas mehr als zwei Monate nach den Anschlägen auf die Konzerthalle, die Restaurants und das Stadion in Paris. Anders als in Deutschland ist die Rolle der Religionen in der französischen Gesellschaft geprägt von dem seit 1905 gültigen Konzept der Laicité, das eine strikte Trennung von Staat und Kirche bzw. Religionen vorsieht. Zwar ist Frankreich weiterhin eng mit dem Katholizismus verbunden, es ist aber auch europaweit das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung – rund sechs Millionen - und auch mit der größten jüdischen Bevölkerung – rund 600.000 -.

Liliane Apotheker,  stellvertretende Präsidentin des Internationalen Rates der Juden und Christen. Liliane Apotheker, stellvertretende Präsidentin des Internationalen Rates der Juden und Christen.

Religion soll Privatsache sein

In einem ersten Gespräch erläuterte die stellvertretende Präsidentin des Internationalen Rates der Juden und Christen, Liliane Apotheker, das Konzept der Laicité und die Rolle der Religionen in Frankreich. Sie skizzierte: Im öffentlichen Bereich soll allein der Rationalismus das Miteinander prägen. Religion ist weitgehend Privatsache. Im öffentlichen Raum spielt Religion keine Rolle.

Ein Besuch im Synagogengottesdienst, bei einer Moschee und in einem Gottesdienst der Eglise Protestante Unie de France gaben einen unmittelbaren Eindruck von den Herausforderungen, vor denen Juden, Christen und Muslime heute in Frankreich stehen. Angst vor wachsendem Antisemitismus prägt den Alltag der jüdischen Gemeinde.

Jedes achte jüdische Gemeindemitglied in Frankreich erwägt mittlerweile ernsthaft, das Land zu verlassen. Während bis Ende der 90er Jahre die Fortschritte im jüdisch-christlichen Miteinander das Bild prägten, stehen jetzt die Bedrohungen durch islamistischen Terrorismus und Extremismus im Vordergrund.

Imam Ibrahim Imam Ibrahim

Solidarität in schwieriger Zeit

In einer gerade erst eröffneten neuen Moschee im Vorort Massy berichtete Imam Ibrahim von verschiedenen Projekten, die den Dialog und das Miteinander der abrahamitischen Religionen fördern. Dabei zitierte er den jüdischen Philosophen Levinas, um zum Ausdruck zu bringen, wie sich Gott im Antlitz des anderen Menschen offenbart, jenes Anderen, der einzigartig ist und der Zuwendung braucht.

Die französischen Gesprächspartner, zu denen auch die Dialogbeauftragte des Bundes der protestantischen Kirchen Frankreichs gehörte, freuten sich über den Besuch aus dem Rheinland, den sie alle auch als Zeichen der Solidarität in einer schwierigen Zeit wahrnehmen.

Herausforderungen gemeinsam bewältigen

Ganz im Sinne der Erklärung der Landessynode 2015 „Gerade jetzt gemeinsam“, so Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, stärken die Gespräche und Eindrücke aus Paris die Einsicht, dass Religionen und Länder in Europa nur gemeinsam die aktuellen Herausforderungen bewältigen können.

Michael Rubinstein, der als Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Nordrhein mit zu der rheinischen Besuchergruppe gehörte, betonte zum Abschluss, dass im Gespräch und im Miteinander von Juden, Christen und Muslimen gerade auch die kontroversen Themen nicht ausgespart werden dürfen.

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ekir.de / 01.02.2016



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