EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Partner aus dem damaligen Kirchenkreis Oderbruch Partner aus dem damaligen Kirchenkreis Oderbruch informierten sich 2011 über die Gebäudestruktur im Kirchenkreis Moers.

25 Jahre nach dem Mauerfall

"Nicht nur im eigenen Saft schmoren"

Aus Patenschaften von Gemeinden und Kirchenkreisen wurden schon vor dem Mauerfall 1989 Partnerschaften. Ihre Stärken bewiesen sie auch danach. Doch können sie heute noch aktiv gestaltet werden? Ein Beispiel für gelebte Partnerschaft gibt es in Moers.

Ferdinand Isigkeit Ferdinand Isigkeit

Mit einem Brief an die rheinischen Gemeinden hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, 25 Jahre nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 an die Umbrüche erinnert, die zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt haben, und gleichzeitig zur Unterstützung der Kirchen Mittel- und Osteuropas aufgefordert.

Es gebe viel Grund für Dankbarkeit, schreibt Rekowski, für zahlreiche langjährige Partnerschaften zwischen Gemeinden, für das klare Zeugnis der Gemeinden in der DDR für eine friedliche und gewaltfreie Veränderung ihres Landes und für ein ungeteiltes Europa. Doch er wisse auch um offene Fragen und unverheilte Wunden, schreibt der Präses weiter. Nicht immer hätten die Kirchen des Westens den Beitrag der Kirchen in der ehemaligen DDR für eine zukünftige Kirche und Gesellschaft gewürdigt und ihre Impulse aufgenommen.

Päckchen und persönliche Beziehungen

Doch die Kontakte wurden auch im Rheinland über viele Jahre gepflegt. „Wann genau es begonnen hat, wissen wir gar nicht“, sagt Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers zur Partnerschaft mit Seelow in Brandenburg. Noch bevor in der Evangelischen Kirche in Deutschland Landeskirchen sogenannte „Patenschaften“ für die Kirchen im Osten übernahmen, hatten Pfarrer schon in den 40er Jahren eigene Verbindungen geknüpft. Es wurden Päckchen für Ost-Bürger gepackt und persönliche Beziehungen entstanden.

Der Kirchenkreis Seelow gehört inzwischen nach der zweiten Fusion zum Kirchenkreis Oderland-Spree. Die Beziehungen bleiben. „Alle zwei bis drei Jahre kommen die Pfarrkonvente zusammen“, berichtet Isigkeit. Der Austausch bleibt nach Ansicht des Superintendenten wichtig. Dabei geht es für ihn auch um die Frage, wie es für die Christinnen und Christen insgesamt in der gesellschaftlichen Ordnung der neuen Bundesrepublik weitergeht.

Roland Kühne Roland Kühne

Aktive Gemeindepartnerschaft in Orsoy

In Moers hatte die Partnerschaft zudem kommunalpolitische Auswirkungen. Nach der Wende gingen Moers und Seelow eine Städtepartnerschaft ein. Zu den weiter aktiven Gemeindepartnerschaften im Kirchenkreis Moers gehört die Verbindung zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Orsoy mit der Gemeinde in Sieversdorf aus dem ehemaligen Kirchenkreis Seelow.

Pfarrer Uwe Klein sagt offen: „In meiner früheren Gemeinde hätte ich gesagt, diese Partnerschaften haben sich überlebt“. Doch in Orsoy werde die Partnerschaft wirklich gelebt. Man kenne sich und besuche sich gegenseitig. „Ohne persönliche Kontakte und Engagement sterben diese Partnerschaften aus“, so der Pfarrer.

Partnertreffen in Ost-Berlin

Den ersten Kontakt mit der Idee der Patengemeinde hatte Pfarrer Roland Kühne aus Seelow bereits
1965 als Konfirmand. Damals bekam er ein „Westpaket“, unter anderem mit Kaffee und Kleidung. Er erinnert sich an Treffen in Ost-Berlin mit den westdeutschen Partnern, weil die in Zeiten des Kalten Krieges zwar mit einem Tagesvisum in die Hauptstadt der DDR duften, aber nicht weiter ins Land. Seine Erfahrung: „Wo es persönlich wurde, sind aus Partnerschaften lang andauernde Beziehungen geworden."

Kathrin Schilling Kathrin Schilling

Doch der Austausch zwischen den Partnern bleibt für den ehemaligen Superintendenten des Kirchenkreises Seelow weiter bedeutsam. Ein Grund dafür für Kühne: „Die Probleme im Westen haben wir im Osten schon vorher gehabt.“ Der Westen rücke jetzt in vielen Dingen nach, was zum Beispiel Gemeindegrößen und Pfarrstellen angehe. Doch er sieht „Holpersteine“. Bis 2016 sei er noch Ansprechpartner für die Partnerschaft, doch sei es schwierig dann jüngere Leute dafür zu finden.

Anregungen aus Neukirchen-Vluyn

Zu den Jüngeren zählt Kathrin Schilling, Geschäftsführerin des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM) im Oderbruch. Zur Wendezeit war sie gerade acht Jahre alt und sie erinnert sich an „coole Zeiten“ bei einer Jugendfreizeit in Moers. Für sie bleibt wichtig, „nicht nur im eigenen Saft zu schmoren“.

Anregungen für die erste Gründung eines CVJM-Verbandes in Brandenburg nach der Wende hatten sich die Seelower in Neukirchen-Vluyn geholt, berichtet Gründungsmitglied Andreas Winter. „Was mich bis heute freut, ist, dass die Kontakte mit dem Kirchenkreis Moers intakt bleiben“, sagt der 44-jährige Tischlermeister.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 6. November 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 10. November 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / Fotos: Kirchenkreis Moers (2), Kirchenkreis Oderland-Spree (2) / 07.11.2014



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.