Pferdsfeld

Paul-Schneider-Stele neu gefertigt und wieder eingeweiht

Die von den Metalldieben abmontierte Paul-Schneider-Stele in Pferdsfeld ist neu gefertigt und wieder eingeweiht. Die einstige Bronze-Stele besteht nun aus wertlosem Aluminium. 

Bei der Wiedereinweihung der Paul-Schneider-Stele: Künstler Karl-Heinz Brust (r.) und Schneiders Sohn Karl Adolf. Bei der Wiedereinweihung der Paul-Schneider-Stele: Künstler Karl-Heinz Brust (r.) und Schneiders Sohn Karl Adolf.

Wertvoll ist der ideelle Gehalt: Unter Beteiligung zahlreicher ehemaliger Bürgerinnen und Bürger wurde das Denkmal wieder eingeweiht, das im einstigen Dorfmittelpunkt von Pferdsfeld an Pfarrer Paul Schneider (1897 - 1939) erinnert. Es war im Juli 2011 gestohlen worden, nur der Steinpfahl war neben dem Brunnen zurückgeblieten, die Bronzeplatten abmontiert. Die Stadt Bad Sobernheim ließ die Bildplatten des Denkmals und die Gedenktafel für das Dorf wieder herstellen. Schneider wurde 1939 von den Nationalsozialisten ermordet und ging als „Prediger von Buchenwald“ in die Geschichte des Widerstands gegen den Naziterror ein.

Paul Schneider war gebürtig aus Pferdsfeld, wo sein Vater Pfarrer war. In der dortigen Kirche wurde er konfirmiert. Karl Adolf Schneider, jüngster Sohn Paul Schneiders, war bei der Wiedereinweihung dabei. Er sagt: „Mein Vater hat sich Zeit seines Lebens sehr mit seiner Heimat verbunden gefühlt, das geht aus seinen Briefen und Tagebüchern hervor.“

Das Dorf Pferdsfeld existiert nicht mehr, musste einem Militärflugplatz weichen. Im früheren Ortsmittelpunkt errichteten die Evangelische Kirche im Rheinland, der Kirchenkreis An Nahe und Glan sowie die Kirchengemeinde Bad Sobernheim 1997 zum 100. Geburtstag Paul Schneiders die Stele. Der Kirner Künstler Karl-Heinz Brust schuf vier Tafeln, die Stationen aus dem Leben Schneiders abbilden. Sie zeigen seine Kindheit und Jugend im Pferdsfelder Pfarrhaus, seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, sein Leiden im Konzentrationslager Buchenwald und schließlich seine Heimkehr im Sarg und die Bestattung auf dem Friedhof in Dickenschied, dem Hunsrück-Dorf, in dem er als Pfarrer gewirkt hatte.

Die Erinnerung wach halten

„Es ist unsere Aufgabe, die Erinnerung an Paul Schneider wach zu halten und an die nächsten Generationen weiter zu geben“, betonte Stadtbürgermeister Michael Greiner bei der Wiedereinweihung der Stele. Die Nachbildung der Stele wurde möglich, weil Künstler Karl-Heinz Brust die Gipsformen aufbewahrt hatte, in denen die Bronzeplatten gegossen worden waren. So konnten die Repliken aus Aluminium gefertigt werden, die für Metalldiebe keinen Wert mehr darstellen. An den Kosten zur Wiederherstellung des Denkmals beteiligte sich der Förderverein Synagoge Sobernheim. „Wir haben uns die Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialismus zum Ziel gesetzt“, so dessen Vorsitzender Hans Eberhard Berkemann.

An Paul Schneider als „unbeugsamen Verweigerer des Götzendienstes“ erinnerte der Bad Sobernheimer Pfarrer Christian Wenzel und zitierte damit aus einer Predigt des damaligen Präses Peter Beier zum 50. Todestag Paul Schneiders. Die Erinnerung an Schneider und seine Familie zu bewahren bezeichnete Wenzel als wesentliche Motivation von Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche, das Denkmal im ehemaligen Pferdsfeld zu errichten.

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ekir.de / mu, neu / 03.12.2012



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